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Automobilmarkt soll sich 2026 wieder erholen
Taiwans Übergang zur Elektromobilität schafft gute Aussichten für deutsche Anbieter: Importe ziehen an und KI-gesteuerte Innovationen gestalten die Automobilbranche neu.
18.12.2025
Von Jürgen Maurer | Taipei
Ausblick der Kfz-Branche in Taiwan
Bewertung:
- Taiwan setzt auf intelligente Mobilität in Verbindung mit Halbleitern und KI-basierten Lösungen.
- Für 2026 wird eine Erholung des Automobilmarktes erwartet – insbesondere bei Elektromobilität.
- Steigende Investitionen in lokale Produktion, Batteriezell- und Auftragsfertigung.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Dezember 2025
Markttrends
Taiwan will sich zu einem Zentrum für intelligente Mobilität entwickeln, indem es seine Stärke im Halbleiterbereich mit Innovationen im Automobilbereich verbindet. Elektronik-Know-how und der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sollen die Transformation von einem traditionellen Kfz-Teile-Herstellungsstandort zu einem Anwender und Lieferanten von Elektromobilitätslösungen erleichtern.
Die Automobilbranche auf der Insel ist im Wandel, was deutschen Zulieferern neue Geschäfte ermöglicht. Automobile waren bis Mitte 2025 Deutschlands wichtigste Exportgüter nach Taiwan. Aufgrund des schlechten Absatzes haben sie im Gesamtjahr 2025 die Position an den Maschinenbau verloren. Insgesamt sind Deutschland und Japan die führenden Kfz-Lieferanten der Insel. Bei Kfz-Teilen stehen Lieferungen aus Deutschland an sechster Stelle in Taiwans Importstatistik.
Land | 2024 | Veränd. 2024/2023 | Jan-Jun 2025 | Veränd. Jan-Jun 2025/2024 |
|---|---|---|---|---|
Deutschland | 2.982 | 12,5 | 1.119 | -27,0 |
Japan | 2.388 | 1,2 | 1.116 | -4,9 |
USA | 944 | 42,3 | 312 | -37,6 |
Südkorea | 274 | -20,5 | 203 | 23,9 |
Slowakei | 254 | 4,2 | 125 | -15,2 |
Mexiko | 200 | -10,3 | 44 | -60,5 |
Deutsche Branchenunternehmen erwarten in Taiwans Automobilmarkt 2026 eine Erholung, auch im Segment BEV (Battery Electric Vehicle).
“BEV folgten 2025 dem Gesamtmarkt nach unten. Aber das Segment wird sich 2026 erholen und bei Neuverkäufen auf einen Anteil von 10 Prozent steigen”,
fasst Rahil Ansari, CEO und Chairman der Volkswagen-Gruppe in Taiwan, die Markteinschätzung zusammen.
Ein Wandel zu Elektromobilität wird kommen
In Taiwan lag Ende Juni 2025 der Anteil der E-Autos um 2 Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor, wohingegen Hybridautos auf einen Anteil von 36 Prozent kamen, deutlich höher als im Vorjahr (Anteil von 29,4 Prozent), so Zahlen des Ministry of Transportation and Communications. Verbraucher hielten sich 2025 angesichts der US-Zollpolitik und Erwartungen über eine Senkung der Umsatzsteuer mit Käufen zurück.
Auf den gesamten Pkw-Fahrzeugbestand von 7,2 Millionen Einheiten betrachtet lag der Anteil von rein elektrisch betriebenen Pkw Ende Juni 2025 bei 1,5 Prozent (2024: 1,3 Prozent). Autos mit Hybridmotor kamen auf einen Anteil von 7,8 Prozent (2024: 7 Prozent). Noch ist Taiwan also ein Markt, in dem E-Autos erst langsam Anhänger gewinnen.
Dabei fördert die Regierung den Verkauf durch Kaufprämien und will diese Politik auch beibehalten. Sie hat Ende 2025 die Grundlagen geschaffen, die eine Verlängerung bestehender Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge bis Ende 2030 vorsehen. Allerdings muss dies noch vom Parlament verabschiedet werden. Demnach werden vollelektrische Pkw bis zu einem Listenpreis von 1,4 Millionen Taiwan-Dollar (NT$) von der Umsatzsteuer befreit.
| Marke | Einheiten |
|---|---|
Tesla | 10.940 |
BMW | 2.753 |
Luxgen | 2.558 |
Mercedes-Benz | 1.503 |
Porsche | 1.260 |
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Bislang umfasst das Modellportfolio für reine E-Autos fast ausschließlich Importe. Gegenwärtig können Kunden in Taiwan unter circa 50 E-Auto-Modellen wählen, darunter einem aus lokaler Produktion.
Lokale E-Auto-Produktion wird steigen
Yulon ist mit seiner Marke Luxgen seit mehreren Jahren bereits in der Erzeugung von Verbrennerautos aktiv. Zusammen mit Foxconn wird auch ein vollelektrischer Pkw angeboten.
Ab 2026 plant Foxconn (Hon Hai Technology Group), mit dem Verkauf der Eigenmarke Foxtron den Elektroautomarkt aufzumischen. E-Busse werden bereits seit längerer Zeit produziert. Der als Auftragsfertiger von Elektronikerzeugnissen bekannte Konzern will zum führenden EV-Produzenten in Taiwan werden. Neben der Einführung der Eigenmarke Foxtron möchte er sich als Auftragsfertiger für andere Elektrofahrzeuganbieter etablieren.
Dafür investiert das Unternehmen in eine eigene Batteriezellfertigung. Das seit 2022 bereits bestehende Werk im Hofa Industrial Park in Kaohsiung, das eine jährliche Produktionskapazität von 1 Gigawattstunde an Batteriezellen aufweist, soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Denn die Batterienachfrage wächst, allein schon durch die E-Busse und die marktreifen Elektroautomodelle des Konzerns.
Auftragsfertigung als Business-Modell
Für seine Auftragsfertigung hat Foxconn bereits die japanischen Kfz-Marken Mitsubishi und Sharp als Partner und Kunden gewonnen. Zudem ist Foxconn in der Herstellung von Komponenten tätig, etwa für Tesla und auch als Partner für Stellantis.
Von daher wird Taiwan als Produktionsstandort für Elektrofahrzeuge an Bedeutung gewinnen. Die Insel beherbergt bereits einige Firmen, die mit der Erzeugung von Halbleitern für die Kfz-Industrie und Komponenten für EV vertraut sind. Das Automotive Research & Testing Center schätzt die Zahl auf etwa 500 Firmen, die im EV-Ökosystem aktiv sind. Dazu gehören etwa die Elan Group, Waisun Technology, BizLink oder Chimei Automotive Electronics.
| 2023 | 2024 | Ende Sep. 2025 |
|---|---|---|---|
Kfz- und Kfz-Teile Produktion, darunter: | 2.140 | 2.093 | 2.080 |
Busse und Lkw | 20 | 20 | 21 |
Andere Fahrzeuge | 74 | 72 | 72 |
Kfz-Chassis | 246 | 236 | 237 |
Kfz-Elektronik | 218 | 209 | 208 |
Kfz-Getriebe | 20 | 19 | 20 |
Andere Kfz-Teile | 1.550 | 1.525 | 1.510 |
Einsatz von KI in der Automobilbranche legt zu
Zudem wird auch KI im Fahrzeugbereich zunehmen. Je höher der Autonomie-Level steigt, desto mehr ist KI-Technologie gefragt. Daher hat die staatlich geförderte Technologieschmiede ITRI (Industrial Technology Research Institute) mit anderen Instituten und Firmen aus dem Kfz- und Elektronikbereich 2025 eine "AI Automotive Industry Alliance" gegründet. Ziel ist es, Innovationen und internationale Kooperationen für smarte EV zu fördern.
Der weltweite Markt für automobile Elektronik auf KI-Basis soll stark steigen. Das indische Marktforschungsunternehmen Precedence Research prognostiziert, dass dieses Marktsegment von circa 4,7 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2025 auf knapp 50 Milliarden US$ im Jahr 2034 zulegen wird. Dies entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von fast 30 Prozent.
Die Richtung ist klar. Intelligente und autonom fahrende Autos sind das Ziel. Dazu hat beispielsweise Foxconn im Juni 2025 mit dem deutschen Unternehmen Elektrobit ein Joint Development Agreement abgeschlossen, um eine KI-zentrierte Software-Plattform für Elektrofahrzeuge zu schaffen. Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon will das Know-how mit automobilen Chips in Taiwan ausbauen und wird dafür vor Ort das Infineon Advanced Automotive and Wireless Communications Semiconductor R&D Center eröffnen.