Branche kompakt | Taiwan | Chemische Industrie

Rahmenbedingungen

Taiwan ist als Produktionsstandort auf viel Input chemischer Erzeugnisse angewiesen. Importe spielen dabei eine wichtige Rolle. 

Jürgen Maurer

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwan verfügt nach wie vor über eine breite Basis lokaler Chemiefirmen wie auch von Abnehmerindustrien. Denn Taiwan spielt in internationalen Lieferketten eine bedeutende Rolle – nicht nur für Halbleiter und Elektronik, sondern auch für Textilien, Kfz-Teile, medizinische Erzeugnisse und einige Kunststoffe. Daher sind auch viele namhafte internationale Chemiefirmen und Nischenanbieter auf der Insel vertreten, entweder mit Verkaufsbüros, Produktion oder auch Forschung und Entwicklung.

Das geschäftliche Umfeld für internationale und deutsche Firmen wird von Branchenvertretern als "level playing field" (gleiche Wettbewerbsbedingungen) beschrieben. Eine relevante Bevorzugung lokaler Firmen sei nicht festzustellen. Das Regierungsgeschäft (B2G, Business-to-Government) spielt für die meisten deutschen Firmen in der Chemiebranche keine große Rolle.

Von Firmenseite wird die Bedeutung einer stabilen und verlässlichen Energieversorgung für die Branche unterstrichen, zumal die Konkurrenz um Strom und Wasser durch die Halbleiterindustrie deutlich zugenommen hat. Bezüglich Umweltstandards seien die Anforderungen in Taiwan in der Regel nicht höher als in Deutschland. Deshalb seien bei einem Markteintritt oder bei Investitionen nur in seltenen Fällen Probleme zu erwarten.

Hohe Qualifikation ein Plus, viel Bürokratie ein Minus

In Taiwan finden Unternehmen grundsätzlich gut ausgebildetes Personal. Jedoch gilt die chemische Industrie bei den jungen Nachwuchskräften nicht zwingend als erste Wahl. Andere Sektoren wie etwa die boomende Halbleiter- und Elektronikindustrie üben eine größere Anziehungskraft aus, so Stimmen aus der Branche.

Als Problempunkt werden komplizierte bürokratische Verfahren mit unübersichtlichen Zuständigkeiten über mehrere Ministerien und Behörden hinweg genannt. Auch spezifische lokale Marktregulierungsbedingungen stellen demzufolge eine Herausforderung dar. Im Regelfall sind diese nach Aussage deutscher Firmenvertreter allerdings beherrschbar.

Für die Ausarbeitung industriepolitischer Richtlinien und die Regulierung der chemischen Industrie in Taiwan sind vor allem zwei Ministerien zuständig:

  • Ministry of Economic Affairs (MOEA): Das Wirtschaftsministerium ist die übergeordnete Behörde für die strategische Ausrichtung. Innerhalb des MOEA steuert die Administration of Industrial Development (IDA) spezifische Förderprogramme für Chemieunternehmen und schreibt Nachhaltigkeitsziele aus.

  • Ministry of Environment (MOENV): Das Umweltministerium ist zuständig für die Überwachung von Umweltauflagen, Emissionszertifikaten und das Management giftiger und besorgniserregender chemischer Substanzen. 

Das Zulassungsverfahren für chemische Stoffe in Taiwan ist strikt reguliert. Es basiert im Wesentlichen auf dem "Toxic and Concerned Chemical Substances Act", überwacht vom Umweltministerium. Unternehmen müssen chemische Stoffe registrieren und genehmigen lassen, bevor sie im Land hergestellt oder dorthin importiert werden dürfen. Bevor ein Stoff eingeführt wird, muss geprüft werden, ob er im Taiwan Chemical Substance Inventory gelistet ist.

Über Einfuhrverfahren und Zollsätze informiert die Customs Administration. Für technische Normen und Standards ist das Bureau of Standards, Metrology and Inspection (BSMI) zuständig. 

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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