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Taiwanstraße: zentrale Seeroute von und nach Ostasien

Als eine der meist befahrenen internationalen Meerengen beeinflusst die Taiwanstraße auch Im- und Exporte Deutschlands. Der China-Taiwan-Konflikt ist ein Bedrohungsszenario.

Von Jürgen Maurer | Bonn

Im Westpazifik ist die Taiwanstraße seit Jahrhunderten die Hauptverkehrsader für den Seetransport, zusammen mit der Straße von Malakka ist sie die am meisten befahrene Meerenge weltweit. Heutzutage nutzt etwa die Hälfte aller Containerschiffe im internationalen Transport einmal im Jahr diese Passage. Der Verkehr wird immer wieder durch Militärmanöver gestört, ein Konflikt, auch unterhalb der militärischen Schwelle, würde die weltweiten Lieferketten massiv treffen. 

Auch Deutschland wäre von einer Krise in der Taiwanstraße betroffen

Nicht zuletzt wäre auch Deutschland betroffen. Laut der CESifo-Studie "The Role of Maritime Chokepoints for German International Trade" werden etwa 50 Prozent des deutschen Handels mit Nicht-EU-Ländern auf dem Seeweg abgewickelt. Unter den Meerengen, die zu kritischen Engpässen für deutsche Importe werden können, flossen 2023 circa 7,1 Prozent der deutschen Einfuhren durch die Taiwanstraße, noch etwas wichtiger war der Suez-Kanal. Dagegen lag der Anteil bei der Straße von Hormus nur bei 0,4 Prozent.

Eine Krise in der Taiwanstraße würde nicht nur eine der wichtigsten Seefahrtsrouten der Welt stören. Sie hätte auch weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die geopolitischen Machtverhältnisse

Die Anrainer China, Taiwan, Japan und Südkorea gehören zu den wichtigsten Produktions- und auch Absatzmärkten im Asien-Pazifik-Raum. Sie im- und exportieren den überwiegenden Teil ihrer Energierohstoffe, Mineralien, Produktionsmittel und Konsumerzeugnisse per Schiff. Gleichzeitig stammen aus der Region essenzielle Inputfaktoren für die Industrie, zum Beispiel Halbleiterchips.

Die Taiwanstraße verbindet das Südchinesische Meer mit dem Ostchinesischen Meer. Sie ist an der engsten Stelle etwa 130 Kilometer breit. Durch starke Sedimentierung liegt der Meeresboden an der tiefsten Stelle in nur etwa 150 Metern Tiefe. Entlang der Taiwanstraße befinden sich die geschäftigsten Häfen der Welt, wie Shanghai und Ningbo auf Chinaseite und Kaohsiung an der Westküste Taiwans. 

Beide Anrainer der Taiwanstraße sind stark von der internationalen Frachtschifffahrt durch die Meerenge abhängig, Taiwan allerdings deutlich mehr. Fast 98 Prozent der Gesamteinfuhren der Insel kommen über den Seeweg. Die meisten Produkte werden auch per Schiff exportiert. Für Japan und Südkorea gilt dies fast spiegelbildlich. China ist eines der größten Exportländer weltweit und liefert per Schiff massenhaft Waren unter anderem nach Deutschland und Europa. Dafür muss das Land viele Rohstoffe und Vorerzeugnisse auch per Schiff importieren. 

Die weltgrößten Containerhäfen liegen in Ostasien Containerumschlag in Ostasiens Häfen (in Millionen TEU)
Weltweiter RangHafenLand20232024
1ShanghaiChina49,251,5
3Ningbo-ZhoushanChina35,339,3
4ShenzhenChina29,933,4
5QingdaoChina28,830,9
6GuangzhouChina25,426,1
7BusanSüdkorea23,024,4
8TianjinChina20,223,3
12Hongkong (SVR)China14,413,7
14XiamenChina12,612,3
18SuzhouChina8,09,7
21KaohsiungTaiwan8,89,2
32RizhaoChina6,36,7
33LianyungangChina6,16,7
34YingkouChina5,35,6
40DalianChina5,05,4
45TokyoJapan4,64,7
Quelle: World Shipping Council 2025

Blockade der Taiwanstraße: schwierig, aber nicht unmöglich

Taiwan wie auch Japan und Südkorea haben das größte Interesse an einem unbeschränkten Zugang zur Taiwanstraße. Laut United Nations Convention on the Law of the Sea (UNCLOS) sollte die Passage durch die Meerenge frei zugänglich sein, da es sich um internationale Gewässer handelt. Zwar ist auch China dem Seerechtsübereinkommen beigetreten. Jedoch wird es nicht von allen Seiten gleich interpretiert. Die Volksrepublik China sieht Taiwan als Provinz und Teil ihres Territoriums an. Daher reklamiert die chinesische Regierung die Taiwanstraße als Inlandsgewässer.

Weder die internationale Gemeinschaft noch Taiwan folgen dieser Interpretation. China erkennt auch die Mittellinie der Taiwanstraße als inoffizielle Demarkierung der beiden Territorien nicht an. Eine gemeinsame Erklärung der EU und der USA bekräftigte im Jahr 2021 „die hohe Bedeutung, die einer Beachtung des UNCLOS Vertrages durch China zukommt, um die freie Nutzung der Schiffsnavigation und des Überfliegens der Taiwanstraße sicherzustellen“.

Drohgebärden von chinesischer Seite gegenüber Taiwan haben zugenommen und auch mögliche Blockaden sind nicht auszuschließen. China sendet seit Jahren immer wieder militärische Flugobjekte über die Taiwanstraße, die den Luftraum der Insel verletzen, und hält Seemanöver rund um die Insel ab. Seit dem Taiwan-Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Jahr 2022 hat die Frequenz der chinesischen Militärmanöver zugenommen.

Intensiviert haben sich auch die Reaktionen der demokratischen Partner Taiwans: häufigere Durchfahrt von Kriegsschiffen durch die Taiwanstraße, gesetzliche Initiativen im US-Kongress und deutliche Stellungnahmen, wie die der japanischen Ministerpräsidentin Takaichi. Sie erklärte 2025, eine von China verhängte Seeblockade oder ein Angriff auf Taiwan würde eine „existenzielle Krise“ für Japan darstellen. Dies könnte Japan dazu berechtigen, kollektive Selbstverteidigung auszuüben.

Schiffe könnten Taiwan an Pazifik-Seite umfahren

Die Taiwanstraße war bereits mehrfach Mittelpunkt politischer Krisen. Mitte der 1990er Jahre beispielsweise gab es umfangreiche chinesische Militärmanöver, um Taiwans Bevölkerung einzuschüchtern. Damals schoss China Raketen in die Seegebiete nahe taiwanischer Häfen, was den Schiffsverkehr von und zur Insel beeinträchtigte. Die USA entsandten zwei Flugzeugträgergruppen in die Taiwanstraße.

Sollte China zukünftig wiederholt größere Gebiete der Taiwanstraße für die Durchfahrt von Schiffen sperren, könnten diese auch östlich an Taiwan vorbeifahren, was die Fahrt jedoch um zwei bis drei Tage verlängert und die Frachtraten erhöht. Unter normalen Umständen wird diese Route - die Luzon-Straße - entlang der Pazifikküste Taiwans hauptsächlich von Tankern und Massengutfrachtern befahren, die ohne Zwischenhalte nach und von Japan oder Südkorea verkehren. In den Sommermonaten wird die Passage riskanter, da die Philippinen häufig von Taifunen heimgesucht werden.

Höheres Risiko geht auch von den Aktivitäten Chinas im südchinesischen Meer aus, da die maritimen Streitigkeiten auch südlich und südöstlich Taiwans zunehmen. Die Philippinen und Japan wollen ihre maritimen Sicherheitsinteressen in diesem Gebiet koordinieren. Ebenso wie die japanische Ministerpräsidentin hat der philippinische Präsident deutlich gemacht, dass sein Land aufgrund der geografischen Nähe und des US-Philippinen-Verteidigungsbündnisses mit ziemlicher Sicherheit in einen Konflikt um Taiwan verwickelt würden.

Eine Krise in der Taiwanstraße würde nicht nur eine der wichtigsten Seefahrtsrouten der Welt stören. Sie hätte auch weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die geopolitischen Machtverhältnisse. Vor diesem Hintergrund gewinnen Strategien zum De-Risking an Bedeutung.

Redaktionelle Anmerkung: Der Beitrag wurde erstmals im Jahr 2024 veröffentlicht und aufgrund aktueller Ereignisse in Teilen inhaltlich überarbeitet und ergänzt.