Special | Tansania | Wasser – Die knappe Ressource
Tansania wünscht mehr privates Engagement im Wassersektor
Der steigende Bedarf im Wasser- und Abwasserbereich trifft auf knappe Mittel. Chancen für deutsche Unternehmen liegen vor allem in robusten, preisbewussten Lösungen.
28.04.2026
Von Carsten Ehlers | Nairobi
Der Ausbau der Wasser- und Abwasserinfrastruktur zählt in Tansania zu den zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Bevölkerungswachstum, Urbanisierung sowie der steigende Wasserbedarf von Landwirtschaft, Industrie und Tourismus belasten bestehende Systeme. Zugleich fehlen dem Staat finanzielle Mittel und technische Kapazitäten. Die Regierung setzt daher verstärkt auf private Akteure und internationale Partner. Daraus ergeben sich auch Geschäftschancen für deutsche Exportunternehmen.
Wachsende Nachfrage, begrenzte staatliche Kapazitäten
Tansanias Bevölkerung wächst jährlich um rund 1,8 Millionen Menschen. Gleichzeitig expandieren wasserintensive Sektoren wie Industrie, Bergbau, Landwirtschaft sowie der Hotel- und Immobilienmarkt. Klimatische Veränderungen mit häufigeren Dürreperioden und Starkregen erhöhen den Handlungsdruck zusätzlich. Zur Stabilisierung der Versorgung investiert die Regierung verstärkt in Speicherinfrastruktur, insbesondere in den Bau von Staudämmen.
Zugleich stößt der Staat an finanzielle und organisatorische Grenzen. Die Regierung will daher private Betreiber, Investoren und Dienstleister stärker einbinden – sowohl beim Ausbau als auch beim Betrieb von Anlagen.
Rand Water übernimmt Wasserversorgung in Sansibar
Ein sichtbares Signal dieser Strategie ist das Engagement des südafrikanischen Wasserversorgers Rand Water in Sansibar. Im März 2026 wurde bekannt gegeben, dass Rand Water für mindestens zehn Jahre Partner der Zanzibar Water Authority (ZAWA) wird. Die südafrikanische Regierung unterstützt das Vorhaben mit einem Startkapital von rund 45 Millionen US-Dollar. Ziel sind ein modernes Management, beschleunigte Infrastrukturinvestitionen und geringere Wasserverluste.
Rand Water versorgt bislang vor allem das südafrikanische Ballungsgebiet Gauteng mit Wasser und will nun in andere afrikanische Staaten expandieren. Kritiker bemängeln, dass öffentliche südafrikanische Gelder für ein Auslandsprojekt verwendet werden, während zugleich in Gauteng eine massive Krise bei der Wasserversorgung herrscht.
Projektbezeichnung | Investitionssumme (in Mio. US$) | Projektstand | Anmerkung/Ansprechpartner |
|---|---|---|---|
Kidunda-Staudamm & Großraum-Dar-es-Salaam-Wasserversorgung | 275 | Finanzierung unter anderem durch AfDB und die tansanische Regierung. | Investitionsvolumen bezieht sich auf den Kidunda-Damm. Es ist eines der größten Wasserinfrastrukturprojekte des Landes und dient vor allem der langfristigen Absicherung der Wasserversorgung von Dar es Salaam. Darüber hinaus gibt es weitere Projekte für die Wasserversorgung der Stadt |
Lake Victoria Water & Sanitation Project (LVWATSAN) | 175 | Finanzierung unter anderem durch EU, AFD | Erweiterung und Modernisierung der Wasser- und Abwassersysteme im Einzugsgebiet des Viktoriasees, vor allem um die Großstadt Mwanza |
Sustainable Rural Water Supply & Sanitation Program (SRWSSP) (Phase II) | 300 | Phase II läuft 2025 bis 2030. Finanzierung von der Weltbank. | Wichtiges landesweites WASH-Projekt in ländlichen Distrikten |
Dodoma Resilient & Sustainable Water Development & Sanitation Program (Phase I) | 133 | Finanzierung von Phase I durch die AfDB im Jahr 2022. Phase I läuft bis Ende 2027. | Aufbau der Trinkwasserversorgung und Sanitärsysteme der schnell wachsenden Hauptstadt. Unter anderem Bau eines Staudamms (Farkwa-Damm) |
Zanzibar Water Investment Programme (ZanWIP) | 665,5 | Mehrere Geber involviert wie Weltbank, AfDB. Deutschland finanziert über die KfW begleitende Vorhaben. | Nationales Investitionsprogramm für die beiden sansibarischen Inseln Unguja und Pemba |
Nachfrage: Wasserversorgung im Fokus, Abwasser im Aufbau
Die Priorität liegt weiterhin auf der Trinkwasserversorgung. Neben staatlichen Großprojekten investieren zunehmend private Akteure in eigene Lösungen. Dazu zählen Industrieunternehmen, Einkaufszentren, Hotels sowie Büro- und Wohnkomplexe. In ländlichen Regionen sind Farmen, Minen und touristische Lodges wichtige Nachfrager. Auf der sansibarischen Hauptinsel Unguja entstehen zahlreiche neue Hotelprojekte mit Bedarf an eigener Wasseraufbereitung.
Der Bereich Abwasser und Sanitär befindet sich noch im Aufbau. In wachsenden Städten nehmen Umweltprobleme zu. Im Rahmen größerer Wasserprojekte entstehen daher Abwasserbecken, teils mit einfachen Aufbereitungsanlagen. Da flächendeckende Kanalnetze hohe Kosten verursachen, bleibt der Abtransport von Fäkalien per Lkw verbreitet. Regierung und Geber wollen verschiedene Modelle erproben, vorzugsweise mit privater Beteiligung.
Beratende Ingenieure im Ausland
Bei großen Infrastrukturprojekten sind vielfältige Beratungsleistungen gefragt. Deutsche Ingenieurbüros führen weltweit unter anderem Machbarkeitsstudien durch, erstellen Entwurfsplanungen und überwachen Bauleistungen. Branchenvertreter berichteten GTAI von ihren Projekten in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Dabei wird deutlich: Deutsche Ingenieure sind vor allem in aufstrebenden Märkten aktiv. Dort sind sie oft auf Partner angewiesen. Wir beleuchten, wie sich die Deutschen gegen die Konkurrenz durchsetzen und an Aufträge kommen. Außerdem geben wir rechtliche Tipps. Erfahren Sie im GTAI-Online-Special mehr über Erfolgsfaktoren, Hürden und Besonderheiten der Branche.
Marktbedingungen: Preis dominiert, Technik muss robust sein
Der Bedarf an technischer Ausrüstung und Beratungsleistungen im Wassersektor dürfte weiter steigen. Die meisten Komponenten werden importiert. Gleichzeitig ist der Markt stark preisgetrieben. Günstige und wenig komplexe Produkte prägen das Angebot. Anbieter aus Asien sind weit verbreitet.
Gefragt sind robuste, langlebige und wartungsarme Lösungen. Hochautomatisierte oder sehr komplexe Hightech-Produkte spielen bislang kaum eine Rolle. Für deutsche Unternehmen ergeben sich dennoch Chancen, insbesondere bei soliden Standardlösungen sowie bei Planung und Beratung. Voraussetzung sind langfristige Marktbearbeitung und regionale Präsenz.
Zu den aussichtsreichen Abnehmern zählen zahlungskräftige private Kunden wie exportorientierte Unternehmen, internationale Hotelketten und größere Minen. Zusätzlich bieten staatliche Projekte Potenzial, vor allem bei Kofinanzierung durch Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), EU oder KfW. Der Wassersektor ist ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die KfW finanziert derzeit mehrere Projekte auf dem Festland und in Sansibar.
Weitere Informationen zu aktuellen Projekten weltweit und auch über Tansania erhalten Interessierte am 6. Mai 2026 bei der IFAT in München von 16 bis 17 Uhr im "Speakers Corner" des Gemeinschaftsstands B2.227 von German Water Partnership.
Was deutsche Unternehmen beim Markteinstieg beachten sollten
- Einstiegspfad: Häufig über regionalen Hub (z. B. Nairobi) oder lokale Distributoren statt sofortiger eigener Niederlassung. Schrittweise starten (Pilotkunden/Referenzen), Servicekette sichern (Installation/Wartung über Partner), dann skalieren.
- Zielkunden priorisieren: Zahlungskräftige private Abnehmer (Industrie, Hotels, Minen) sowie geberfinanzierte staatliche Vorhaben als zweites Standbein.
- Angebot ausrichten: Chancen vor allem mit robuster, wartungsarmer Standardtechnik plus Planung/Beratung (Projektvorbereitung, Engineering, Bauüberwachung).
- Positionierung und Kalkulation an der Preislogik ausrichten: Markt ist preisgetrieben; einfache, kostengünstige Lösungen prägen den Wettbewerb.
Deutsche Zulieferer bedienen Tansania oft von Kenia aus
Viele deutsche Anbieter bedienen den tansanischen Markt über regionale Hubs, insbesondere in Nairobi, oder über lokale Distributoren. In Kenia betreiben unter anderem KSB und Wilo Vertriebsniederlassungen für Ostafrika. Eine eigene Niederlassung in Tansania ist möglich, erfordert jedoch eine sorgfältige Risikoabwägung.
Wilo betreibt seit 2023 in Nairobi eine kleinere Montage und rechnet mit wachsendem Geschäft in den Nachbarländern, darunter Tansania. Auch das deutsche Unternehmen Boreal Light ist aktiv. Es setzt solarbetriebene "Wasserkioske" zur Aufbereitung von Grundwasser ein. "Unsere Technologie kann in Tansania gut eingesetzt werden, weil dort Grundwasser mit diversen Substanzen verschmutzt ist", sagt Dr. Hamed Beheshti, Co-Founder und CEO von Boreal Light. In Zentraltansania müssten etwa Fluor und Kalzium entfernt werden, an der Küste Salz.
| Bezeichnung | Anmerkungen |
|---|---|
| Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika (AHK) | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen mit Kompetenzzentrum „Energie und Umwelt“ |
| Ministry of Water | Für den Wasser- und Abwassersektor zuständiges Ministerium |
| Energy and Water Utilities Regulatory Authority (EWURA) | Regulierungsbehörde für den Wassersektor |
| Rural Water Supply & Sanitation Authority (RUWASA) | Autonome Agentur unter dem Wasserministerium. Zuständig für die ländliche Wasserversorgung. |
| Association of Tanzanian Water Suppliers (ATAWAS) | Verband der Wasserversorger in Tansania |