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E-Mobility

Die thailändische Regierung fördert die Elektromobilität. Dadurch steigt der Verkauf von E-Autos deutlich. Chinesische Hersteller bauen im Land große Produktionskapazitäten auf.

Von Frank Malerius | Bangkok

Thailand will eine Wende zur Elektromobilität. Bereits 2030 sollen die Hälfte aller in Thailand verkauften und 30 Prozent der dort produzierten Pkw E-Autos sein. Dafür wurden mehrere Förderprogramme aufgelegt, sowohl für Hersteller als auch für Händler und Käufer. Im Jahr 2022 hatte das staatliche National Electric Vehicle Policy Committee das Programm EV 3.0 verabschiedet, das für importierte Elektrofahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen Zollabgaben und Steuern reduzierte. Damals gab es noch keine E-Auto-Produktion in Thailand.

Das 2024 aufgelegte Programm EV 3.5 soll Hersteller zu einer Produktion in Thailand bewegen. So konnte ein Hersteller 2024 für jedes in Thailand hergestellte E-Auto ein weiteres des gleichen Modells um bis zu 40 Prozent zollvergünstigt importieren. Dieses Verhältnis veränderte sich 2025 zu 1,5:1. Im Jahr 2026 ist es auf 2:1 gestiegen. Und 2027 steigt die Quote auf 3:1. 

Das Programm erlässt Käufern von E-Pkw und E-Pick-ups teilweise die Mehrwertsteuer und gewährt ihnen eine Prämie von umgerechnet bis zu 100.000 Baht (3.200 US$). Deren genaue Höhe hängt vom Fahrzeugtyp, von der Batterieleistung sowie vom Listenpreis ab. Auch für Hybridmodelle gibt es Anreize. Sie sollen aber nur eine Brückentechnologie sein.

Steigender Verkaufsanteil von E-Autos

Als Folge der Förderprogramme ist die Anzahl verkaufter E-Autos in Thailand sprunghaft angestiegen. Wurden 2022 etwa 10.000 E-Autos neu zugelassen, so waren es 2023 und 2024 bereits jeweils etwa 70.000, die nahezu alle importiert wurden. Das entsprach einem Pkw-Verkaufsanteil (exklusive Pick-ups) von etwa 10 Prozent. 

Im Jahr 2025 stiegen die Neuzulassungen von E-Autos dann auf etwa 120.000 Stück und einen Pkw-Marktanteil von rund 20 Prozent. Grund für diesen Schub war der Produktionsstart in mehreren chinesischen E-Auto-Fabriken in Thailand. Ihre Modelle sind preisgünstiger als die vorher importierten E-Autos und der intensive Wettbewerb unter den Herstellern senkt die Preise. Die neuen Fabriken produzieren aber auch für den Export. So hat BYD sein Modell Dolphin unter anderem nach Europa verschifft und auf den deutschen Markt geliefert. Die Analysten von Krungsri Research rechnen von 2026 bis 2028 mit jährlich 20.000 Export-E-Autos.

Laut Presseberichten bauen chinesische E-Auto-Hersteller in Thailand Produktionskapazitäten von bis zu 800.000 Einheiten auf. Selbst wenn die Kapazitäten am Ende geringer ausfallen, dürfte Thailand mittelfristig ein E-Auto-Produktionshub nicht nur für die ASEAN, sondern für den gesamten Weltmarkt werden.

Wachsende Modellauswahl

Und die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum: Laut der Federation of Thai Industries (FTI) wurden alleine im Januar 2026 knapp 32.000 E-Autos verkauft. Das ist mehr als das Vierfache gegenüber dem Vorjahresmonat und das Dreifache der Verkaufszahlen von Verbrenner-Pkw. Allerdings sind die in Thailand beliebten Pick-up-Trucks fast ausschließlich Verbrenner. Nun erwägt der chinesische Hersteller Geely, eine Produktion von entsprechenden Elektromodellen vor Ort aufzubauen.

Mittlerweile ist das Angebot an E-Autos in Thailand vielfältig. EVAT listet 85 vollelektrische Modelle nach Herkunft auf: Insgesamt 48 kommen aus China und immerhin 18 aus Deutschland. Auch bei den Verkaufszahlen haben aber die chinesischen Modelle deutlich die Nase vorn. Auf sie dürften mehr als 90 Prozent aller E-Auto-Verkäufe in Thailand entfallen. 

Chinas verlängerte WerkbankInvestitionsprojekte chinesischer Automobilkonzerne in Thailand; in Millionen US-Dollar
Marke

Investitionssumme 

OrtProduktionskapazität

Produktionsstart

GWM

670

Rayong80.000 E-Autos

2024

BYD

550

Rayong150.000 E-Autos, Plugin-Hybride und Batteriemontage

2024

MG

910

Chonburi100.000 E-Autos, Plugin-Hybride und Verbrenner 

2024

Changan

300

Rayong100.000 E-Autos (erweiterbar auf 200.000)

2025

GAIC AION

70

Rayong50.000 E-Autos (erweiterbar auf 100.000)

2025

Quelle: Medienberichte

Importautos aus China mit Zollvorteil

Der große Vorsprung chinesischer E-Auto-Hersteller gegenüber der internationalen Konkurrenz verdankt sich auch einem besseren Marktzugang. Denn zwischen China und der ASEAN trat im Juli 2005 das Freihandelsabkommen Agreement on Trade in Goods of the China-ASEAN in Kraft. Thailand hatte sich darin verpflichtet, die Zölle auf E-Autos aus China ab 2018 auf Null zu senken. 

Theoretisch könnten die chinesischen Hersteller ihre E-Autos - zu Thailands Nachteil - weiterhin in China bauen und nach Thailand exportieren. Schließlich ist die Produktivität im Automobilbau in China, trotz höherer chinesischer Löhne, deutlich höher als in Thailand. Doch ihnen dient eine Produktion im Königreich angesichts weltweiter Zollentwicklungen der Risikostreuung.

Für E-Autos aus der EU gilt in Thailand ein Importzollsatz von 80 Prozent. Entsprechende Modelle mit Ursprung Südkorea unterliegen einem Präferenzzollsatz von 40 Prozent, für solche mit Ursprung Japan gilt ein Vorzugszollsatz von 20 Prozent. Beide Länder haben ebenfalls Freihandelsabkommen mit den Ländern der ASEAN abgeschlossen. 

Thailand und die EU haben im September 2023 die 2014 unterbrochenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder aufgenommen. Das Abkommen könnte die Wettbewerbssituation europäischer Hersteller in Thailand deutlich verbessern. Doch aus Verhandlungskreisen verlautet, dass es 2026 wohl noch nicht zu einem Abschluss kommt.

Zögerlicher Aufbau der Ladeinfrastruktur 

Die Ladeinfrastruktur hängt der geplanten Mobilitätswende noch hinterher. EVAT zählte bis Ende Dezember 2025 landesweit erst 4.400 öffentliche Ladestandorte mit knapp 13.000 Ladestationen. Hinzukommen anbieterbezogene Ladepunkte, wie etwa der Tesla Supercharger. Die Organisation listet insgesamt 23 verschiedene Anbieter von öffentlichen Ladestationen auf. Auch der öffentliche Stromversorger PEA ist in dem Sektor aktiv. Der Händler von BYD-Fahrzeugen, REVER Automotive, installiert ebenfalls ein Netz an Ladesäulen. 

Die Anzahl der öffentlichen Ladestandorte ist damit innerhalb eines Jahres zwar um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dennoch dürfte der noch zu langsame Ausbau ein Markthindernis sein, insbesondere für Kunden ohne eigenes Haus, die auf eine engmaschige öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind.  

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