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Künstliche Intelligenz als Hoffnungsträger
Thailand forciert den Einsatz von KI, um strukturelle Probleme zu lösen. KI soll unter anderem das Fachkräfteproblem mildern und das geringe Know-how ergänzen.
21.01.2026
Von Frank Malerius | Bangkok
Thailand hofft auf die Chancen der KI-Revolution. Künstlich generiertes Wissen soll fehlendes Fachwissen wettmachen – etwa in der industriellen Prozessplanung oder in der Automatisierung. Die KI soll auch Investitionen ankurbeln und die lahme Konjunktur beleben, denn das Königreich steckt seit Jahren in einer hausgemachten Wirtschafts- und Strukturkrise.
KI als Wachstumsbooster
Wegen der demografischen Entwicklung wird das Angebot an Arbeitskräften immer knapper. Die Bevölkerung altert und die Zahl der Erwerbspersonen geht zurück. Die Anzahl der Thais im arbeitsfähigen Alter (20 bis 59 Jahre) wird bis 2040 um 5 Millionen Personen schrumpfen. Branchen wie Landwirtschaft, Bau, Nahrungsmittelverarbeitung oder Tourismus sind bereits auf Millionen Arbeitsmigranten aus Nachbarländern angewiesen. Die KI soll die leeren Stellen auffüllen und selbstlernende Systeme könnten Schwächen im Fachkräftebereich kompensieren, die aus Defiziten in der Schul- und Berufsbildung resultieren.
In internationalen Bildungsvergleichen liegt Thailand auf hinteren Rängen, abgeschlagen gegenüber der Konkurrenz aus Malaysia oder Vietnam. Ausbildungsprogramme für KI-Anwendungen müssen daher hochgefahren werden. Unternehmen forschen und entwickeln auch zu wenig. Staat und Wirtschaft geben nur 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus. KI-Technologien werden daher auch künftig mehrheitlich aus dem Ausland kommen.
Für die KI-Zukunft wird nun aufgerüstet
Der Global AI Index von Tortoise Media - er misst die Fähigkeiten eines Landes, KI zu entwickeln und anzuwenden - sieht Thailand 2024 auf Platz 43 unter 83 Industrie- und Schwellenländern. Bemerkenswert ist, dass Thailand nur knapp hinter Malaysia, auf einer Stufe mit Griechenland und Kroatien und deutlich vor Vietnam rangiert.
Schwachpunkte im KI-Ranking sind die Kategorien Fachkräfte und Forschung. Hier fällt Thailand auch im regionalen Vergleich hinter die meisten ASEAN-Konkurrenten zurück. In der Kategorie KI-Infrastruktur liegt Thailand aber auf Platz 23 und damit vor vielen westeuropäischen Ländern. Das Königreich verfügt über eine gute Telekommunikations- und Internet-Infrastruktur, in urbanen Zentren ist das 5G-Netz beispielsweise schon lange verfügbar. Die Tarife für die Übertragung von Daten sind günstig.
Der Investitionsboom bei Datenzentren erhöht zudem die Datensouveränität, verringert die Latenzzeiten und ermöglicht den Aufbau eigener KI-Plattformen. Digitalkonzerne wie Amazon Web Services (AWS), Google, Microsoft, Tiktok und Alibaba haben zudem große Rechenzentren-Projekte angekündigt und beim thailändischen Board of Investment (BOI) Förderungen beantragt.
Auch die Energieversorgung der neuen Datenzentren ist gesichert. Denn das niedriger als erwartete Wirtschaftswachstum und der geringer als prognostizierte Energieverbrauch führen bei den Stromversorgern zu erheblichen Überkapazitäten. Zuletzt legte der staatliche Stromkonzern EGAT sogar vier Kraftwerke still.
Neben der Energiesicherheit ist die Verfügbarkeit von Öko-Strom ein weiterer Vorteil. Thailand öffnet nun seinen Strommarkt für die Durchleitung von grüner Energie. Seit Ende 2025 dürfen Betreiber von Datenzentren erstmals grünen Strom direkt von privaten Erzeugern beziehen – ohne den staatlichen Strommonopolisten EGAT einzuschalten.
Die Regierung hat einen Plan
Auch bei der Regierungsstrategie liegt Thailand im Global AI Index von Tortoise Media auf einem guten 16ten Rang. Staaten rund um den Globus entwerfen KI-Strategien, so auch das Schwellenland Thailand. Das thailändische Ministerium für digitale Wirtschaft und Gesellschaft hat 2022 einen KI-Aktionsplan den Thailand National AI Strategy and Action Plan (2022-2027) ausgearbeitet:
- Bis 2028 sollen 30.000 KI-Fachkräfte ausgebildet werden.
- KI-Anwendungen sollen von 2022 bis 2027 einen wirtschaftlichen und sozialen Beitrag von insgesamt umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar (US$) leisten.
- Investitionen in die digitale Infrastruktur sollen um 10 Prozent pro Jahr steigen.
Das Strategiepapier nennt auch Zielbranchen, in denen es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten von KI sieht. In der Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung, in der Thailand noch als regional führend gilt, kann sie die Anbaumethoden und Qualität der Produkte verbessern. Im boomenden Medizintourismus werde KI die Diagnostik verfeinern. Und in der Industrie und Logistik können KI-getriebene Effizienzgewinne den immer größer werdenden Mangel an Arbeitskräften kompensieren.
Auch am rechtlichen Rahmen wird gearbeitet. Der Entwurf für ein KI-Gesetz liegt vor. Im Government AI Readyness Index 2024 von Oxford Insights, der von der UNESCO und der G20 als Referenz benutzt wird, lag Thailand 2025 auf einem guten Rang 32 von 195 Ländern.
Regierungsvertreter verweisen auch auf erste KI-Leuchtturmprojekte. So hat der Telefondienstleister Thaicom nach eigenen Angaben eine KI entwickelt, mit der Waldbrände und Luftverschmutzung erkannt werden können. Auch im Alltag sind KI-Technologien im Einsatz. Selbstlernende Sprachübersetzungsprogramme helfen Thais und Ausländern bei der Kommunikation.