Wirtschaftsausblick | Thailand

Irankrieg bedroht Thailands ohnehin schwache Konjunktur

Die Blockade der Straße von Hormus unterbricht viele Lieferketten und erhöht die Kosten. Ein milliardenschweres Hilfspaket soll die Wirtschaft vor einer Rezession bewahren.

Von Frank Malerius | Bangkok

Top-Thema: Energieknappheit belastet die Wirtschaft

Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Irankrieges trifft die thailändische Wirtschaft mit Wucht. Denn die Hälfte der Ölimporte und knapp ein Drittel des zur Stromerzeugung notwendigen Erdgases sowie ein Drittel der Düngemitteleinfuhren kommen von dort. 

Unmittelbar nach der Blockade stellten die ersten petrochemischen Anlagen mangels Grundstoffversorgung den Betrieb ein. Benzin wurde rationiert, die Preise an den Tankstellen schossen in die Höhe. Fischer blieben mangels Diesel an Land. Touristen aus Europa mieden massenhaft Flüge über Nahost nach Thailand. 

Und dennoch kam Thailand bisher vergleichsweise gut durch die Krise. Im 1. Quartal 2026 verzeichnete das Königreich ein überraschend starkes Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent. Gründe waren ein starker privater Konsum, hohe private Investitionen und ein boomender Export. 

Damit die Wirtschaft durch den Nahostkrieg nicht in die Rezession rutscht, hat die Regierung ein staatliches Hilfspaket in Höhe von umgerechnet rund 12 Milliarden US-Dollar (US$) aufgelegt. Die Hälfte der Gelder soll an arme Haushalte fließen und die andere Hälfte in Maßnahmen zur Verringerung der Energieabhängigkeit investiert werden. 

Noch muss das Verfassungsgericht dem Sonderpaket zustimmen. Durch diese Subventionen würden die öffentlichen Schulden zudem das gesetzliche Limit von 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschreiten. Der Spielraum für künftige staatliche Hilfsmaßnahmen wäre eingeschränkt. Mit diesen Subventionen versuchten die verschiedenen Regierungen seit Jahren verzweifelt, die schwache Konjunktur anzukurbeln. Denn Thailand hat die mit Abstand niedrigsten Wachstumsraten unter den sechs großen Volkswirtschaften in Südostasien.

Wirtschaftsentwicklung: Die Industrie schwächelt

Die nationale Planungsbehörde NESDC ist optimistischer als die Prognose der Weltbank und erwartet 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent. Ein notorisches Sorgenkind ist die verarbeitende Industrie. Sie wächst deutlich langsamer als die Gesamtwirtschaft und ihr Anteil am BIP fiel von 31 Prozent im Jahr 2010 auf nur noch 24 Prozent im Jahr 2024. 

Immer mehr Fabriken schließen. Besonders die bedeutende Automobilindustrie leidet. Die Fertigung von Kfz brach 2024 um 20 Prozent auf 1,5 Millionen Stück ein und stagniert seitdem. Auch für 2026 ist keine Besserung in Sicht.

Die Probleme der thailändischen Wirtschaft sind strukturell und damit nicht schnell zu lösen. Thailand hat vor allem ein Schuldenproblem. Neben dem Staat und den großen Unternehmen sind auch die privaten Haushalte hoch verschuldet und können sich teure Konsumgüter wie neue Autos kaum noch leisten. 

Zudem geht die Bevölkerungszahl infolge einer der weltweit niedrigsten Geburtenraten zurück. Die Zahl der erwerbsfähigen Personen wird in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zurückgehen. Hinzu kommt das schwache Ausbildungsniveau, das Investitionen in neue wertschöpfungsstarke Industrien erschwert. 

Im- und Exporte expandieren

Ein Zugpferd der Wirtschaft ist hingegen der boomende Außenhandel, der in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent zulegte. Damit nimmt die Einbindung in die Weltwirtschaft und in internationale Lieferketten deutlich zu. Und die Zeichen stehen auf weitere Expansion. Der Thinktank NESDC erwartet 2026 ein Wachstum des Außenhandels um 10 Prozent. Die thailändischen Zollbehörden vermelden für die ersten vier Monate 2026 sogar einen Anstieg von 19 Prozent. Doch der entfällt überwiegend auf die Einfuhren. Teure Energie- und Grundstoffimporte blähen die nominalen Importe auf.

Deutsche Perspektive: Rekord beim Handelsdefizit

Die deutschen Exporte nach Thailand wuchsen 2025 um 1,5 Prozent, liegen aber deutlich unter dem Ausfuhrwert des Jahres 2021. Die Importe Thailands aus anderen Ländern legen dagegen stark zu. Das heißt, deutsche Lieferanten verlieren Marktanteile - insbesondere gegenüber den schon häufig marktbeherrschenden Wettbewerbern aus China. Aus der Volksrepublik erreichen Thailand mittlerweile wertmäßig zehnmal mehr Maschinen als aus Deutschland. Auch die in China gefertigten Maschinen deutscher Hersteller können diesen Wettbewerbsverlust nicht auffangen. Der Trend zu mehr Waren aus China dürfte anhalten.

Thailand wird für die deutsche Wirtschaft dafür als Beschaffungsmarkt wichtiger. Im Jahr 2025 durchbrachen die Importe aus Thailand mit einer Zunahme von 16 Prozent erstmals die Marke von 10 Milliarden US$. Dadurch verzeichnete Deutschland mit Thailand sein neunthöchstes bilaterales Außenhandelsbilanzdefizit. Und im 1. Quartal 2026 deutet sich ein weiteres deutliches Wachstum der Importe aus Thailand für das Gesamtjahr an.

Der starke Zuwachs kommt überwiegend von Vorprodukten aus der Elektronikbranche und damit auch von vielen chinesischen Unternehmen, die Produktionen in das Königreich verlagert haben, um von dort bestehende oder drohende US- und EU-Zölle zu umgehen. Thailand ist mittlerweile Deutschlands fünftgrößter Lieferant von elektronischen Bauteilen, hinter China, Taiwan, Malaysia und den Philippinen.

Hoffnung auf Freihandelsabkommen

Die deutsche Wettbewerbsposition gegenüber den in Thailand vielfach zollbefreiten asiatischen Konkurrenten könnte sich bald verbessern. Denn die EU und Thailand verhandeln seit September 2023 wieder über ein Freihandelsabkommen, das den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie Investitionen erleichtern soll. Informierten Kreisen zufolge könnte es frühestens 2027 zu einer Einigung kommen. Auf thailändischer Seite steigt der Handlungsbedarf, weil Indonesien und Indien 2025 und 2026 Freihandelsabkommen mit der EU vereinbart haben.

Einen Überblick über die Standortbedingungen bietet unser Wirtschaftsstandort. In der GTAI-Reihe Arbeitsmarkt finden Sie alle Informationen über Arbeitskräfte, Lohnkosten und Arbeitsrecht.