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Fachkräfte

Der Bedarf an Fachkräften steigt. Jedoch hinkt die Qualität der Ausbildung hinterher. Betriebe müssen qualifizierte Mitarbeiter häufig selbst ausbilden.    

Von Frank Malerius | Bangkok

Der Bedarf an Fachkräften in Thailand steigt und der Nachholbedarf ist enorm: In einer Umfrage der AHK Thailand vom Herbst 2025 gaben 25 Prozent der Mitglieder den Fachkräftemangel als ein Geschäftsrisiko an. Das ist zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber 49 Prozent aus dem Vorjahr. Allerdings gehen in den kommenden Jahren viele Erwerbstätige in Rente, während zu wenige Jüngere nachrücken. Das Medianalter liegt bei über 40 Jahren und damit auf europäischem Niveau. Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten weltweit und führt auf dem Arbeitsmarkt vor allem bei unattraktiven Tätigkeiten langfristig zu Lücken.

Abhängig von ausländischen Fach- und Hilfskräften

Die Zahl der Erwerbspersonen (Erwerbstätige einschließlich Arbeitsuchende über 15 Jahre) wird nach aktuellen Prognosen von derzeit 42 Millionen bis 2040 auf rund 35 Millionen sinken. Insbesondere für Betriebe, die Hilfsarbeiter benötigen, verkleinert sich damit der Pool. 

Thailand im weltweiten Vergleich

Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

 

Der Bedarf an Arbeitskräften lässt sich im Niedriglohnsektor vielerorts nur noch über Arbeitsmigranten aus den Nachbarländern Myanmar, Kambodscha und Laos decken. Im November 2025 waren offiziell 3,9 Millionen ausländische Vertragsarbeitende registriert. Dies waren 570.000 mehr als im Jahr zuvor. Mit 2,9 Millionen Gastarbeitern stellt Myanmar die mit Abstand größte Gruppe unter den Arbeitsmigranten. 

Es wird geschätzt, dass aufgrund des Bürgerkriegs in Myanmar weitere ein bis zwei Millionen illegale Migranten von dort in Thailand leben. Trotzdem reicht das Angebot an ausländischen Hilfskräften nicht aus. Das Arbeitsministerium will nun in größerem Umfang Arbeitsmigranten aus Sri Lanka, Nepal, den Philippinen und Indonesien ins Land holen.

Auch der Fachkräftemangel wird über Zuzug abgemildert. So waren im November 2025 beim Arbeitsministerium 201.000 Fachkräfte aus dem Ausland registriert. Das entsprach einer Zunahme von 11.000 Personen gegenüber dem Vorjahr.

Probleme beginnen in den Schulen

Trotz allgemeiner Schulpflicht sind viele Thais ohne schulische Bildung. Im Juni 2026 hatten 5,9 Millionen der Erwerbspersonen keine abgeschlossene Grundschulbildung und 9,8 Millionen verfügten lediglich über einen Grundschulabschluss. Die Leistungen der Schülerinnen, Schüler und Studierenden von Grund-, Berufs- und Hochschulen sind zudem nur mittelmäßig. Die Lehrpläne sind oft veraltet und die fachlichen Kompetenzen der unterbezahlten Lehrkräfte sind gering. 

Das schwache Bildungssystem bremst viele Ambitionen aus. Thailand möchte bis 2037 ein entwickeltes Industrieland sein. Im Fachkräfteranking "Global Talent Competitiveness Index" der Wirtschaftshochschule INSEAD rangierte Thailand 2025 aber nur auf Rang 77 unter 135 Ländern. Damit liegt das Königreich weit hinter dem Nachbarn Malaysia und knapp hinter dem regionalen Wettbewerber Vietnam. Auch der Vorsprung von nur drei Plätzen zum deutlich schwächer entwickelten Indonesien ist gering.

Geringqualifizierte arbeiten häufig in prekären Jobs, ohne Arbeitsvertrag und minimaler Sozialversicherung. Mehr als jede zweite Arbeitskraft ist in informellen, kaum regulierten und statistisch schwer erfassbaren Bereichen tätig. Die geringe offizielle Arbeitslosenquote (1,0 Prozent im 2. Quartal 2026) ist wegen der nicht erfassten Arbeitsuchenden nicht aussagekräftig.     

Geringe Englischkenntnisse

Thailands Schulen vermitteln zu wenig Fremdsprachenkenntnisse. Gemäß einer Studie der Stiftung Education First von 2025 lagen thailändische Erwachsene bei den Englischkenntnissen nur auf Rang 116 unter 123 Ländern. Das Königreich liegt insgesamt in der untersten Kategorie "Very Low Proficiency". Innerhalb Südostasiens schloss nur Kambodscha schlechter ab. Zwar sind die Englischkenntnisse in Bangkok etwas besser als im Rest des Landes. Doch auch dort reichen bei einem großen Teil der Menschen die englischen Sprachkenntnisse nicht aus, um in internationalen Firmen arbeiten zu können.

Nachholbedarf in technischen Berufen

Die 600 deutschen Unternehmen in Thailand sind insbesondere in verarbeitenden Industriezweigen tätig und benötigen Ingenieure und Techniker aus den Bereichen Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik oder Chemie. Viele digitalisieren ihre Prozesse und benötigen daher Spezialisten für Datenverarbeitung und künstliche Intelligenz. 

Besonders knapp sind Fachkräfte in technischen Feldern. Zwar bilden 433 staatliche und 444 private Fachschulen in technischen Berufen aus und bieten auch Fortbildungen an. Aber ihre Lerninhalte gelten als veraltet oder praxisfern. Arbeitgeber müssen ihre Beschäftigten daher im Betrieb schulen. 

Unternehmen bieten duale Ausbildung    

Die AHK Thailand bietet Betrieben mit der "German-Thai Dual Excellence Education" ein maßgeschneidertes Ausbildungsprogramm an. Teilnehmer des Programms absolvieren eine duale Ausbildung nach deutschen Standards. Im Jahr 2026 boten Unternehmen wie BMW, Bosch Automotive oder Boonrawd Brewery Plätze an. Es nahmen 134 Auszubildende teil.

Seit Programmbeginn im Jahr 2013 haben über 1.100 Personen eine solche Berufsausbildung in den Fächern Mechatronik, Industriemechanik und Produktionstechnik abgeschlossen. 

 

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