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Markttrends

Der Nachholbedarf in Sachen Recycling ist riesig, doch es mangelt an Umweltbewusstsein und Investitionsbereitschaft. Zugleich fehlt der Druck von Seiten des Gesetzgebers.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Im Vergleich zu Deutschland oder Japan hinken die USA in Sachen Recycling nach Einschätzung von Branchenkennern um einige Jahrzehnte hinterher. Laut dem Branchenverband National Waste & Recycling Association hatten 2024 über ein Viertel aller Haushalte keinerlei Zugang zu einem Recyclingsystem. Doch auch bei denen mit Zugang fallen die Möglichkeiten zur Mülltrennung oftmals beschränkt aus. Gemäß dem nationalen Umweltministerium EPA wird nur bei 9 Prozent aller Haushalte Biomüll getrennt gesammelt. Zwischen den Kommunen gibt es teils erhebliche Unterschiede. Besonders in den wohlhabenden Metropolen an der Ost- und Westküste wird fleißig Müll getrennt und recycelt. Im Mittleren Westen landet hingegen das Meiste in der Restmülltonne.

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Privatisierung senkt Kosten, stößt aber auf Widerstand

Einige Städte und Kreise erheben Gebühren für die Müllabfuhr, andere finanzieren dies über Steuern. Von der Bundesregierung kommt kaum finanzielle Hilfe. Vielfach ist die Einsammlung und Mülltrennung in öffentlicher Hand. Es gibt aber einen Trend zur Privatisierung. So können private Unternehmen die Kosten um 20 bis 40 Prozent reduzieren, schätzt die National Solid Wastes Management Association (NSWMA). Zum Teil gibt es aber öffentlichen Widerstand gegen die Privatisierung.

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Großes Marktvolumen mit geringer Recyclingquote

Laut dem Marktforschungsunternehmen IBIS World belief sich das Marktvolumen der US-Abfallwirtschaft 2025 auf 121 Milliarden US-Dollar (US$). Über 70 Prozent davon entfielen auf die Sparte der Mülleinsammlung. Das Geschäft mit Recycling kam nur auf eine Quote von 8 Prozent. Den Rest machten die Abfallbehandlung und -deponierung aus. 

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Moderates Marktwachstum, steigende Investitionen

Während der Gesamtmarkt nur langsam wächst, geht es bei den Investitionen steiler aufwärts. So legten die erbrachten Bauleistungen im Bereich Abwasser- und Abfallentsorgung - die beiden Segmente werden zusammen erfasst - 2025 hochgerechnet um nominal 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, berichtet das nationale Statistikamt. Der FMI North America Construction and Engineering Outlook erwartet bis 2029 eine Zunahme um 7 Prozent pro Jahr. 

Der Markt ist uneinheitlich und unübersichtlich

Der größte Nachteil, insbesondere für ausländische Unternehmen, ist die hohe Unübersichtlichkeit des Marktes. In jedem Bundesstaat gibt es unterschiedliche, teils stark voneinander abweichende Vorschriften. Zudem überwachen die Behörden die Gesetze kaum. Letztendlich organisiert jede Kommune das Aufsammeln und Wiederverwerten ihres Mülls auf unterschiedliche Weise. Einen Überblick über Materialien, für die ein Deponieverbot beziehungsweise eine Recyclingpflicht besteht, bietet getrennt nach Bundesstaaten der North East Recycling Council.

30 Jahre

und älter ist ein großer Anteil der eingesetzten Technologie in der Abfallwirtschaft

Nach Auffassung von David Vitale von der Umweltbehörde New York setzen die meisten Kommunen 30 Jahre alte Technik ein. In Bethesda etwa, einer wohlhabenden Stadt nahe Washington D.C., trennen die Bürger für US-amerikanische Verhältnisse vorbildlich den Abfall in Restmüll, Gartenabfälle, Papier und Plastikflaschen. Die Müllabfuhr holt alles an einem einzigen Tag ab. Doch die Tonnen entleeren die Mitarbeiter der Entsorger mit reiner Muskelkraft in den Abfuhrwagen. 

Daher bestehe, so Vitale, praktisch in allen Bereichen der Abfall- und Versorgungswirtschaft ein - zumindest theoretisch  - hoher Bedarf an moderner Technik. Der Markt werde aber vor allem von den Gesetzen und Vorgaben der Behörden getrieben. Unternehmen und Entsorgungsbetriebe investierten zumeist nur das, was absolut notwendig sei. Grundsätzlich wachse der Bereich Sondermüll schneller als der Gesamtmarkt, da hier die meisten neuen Gesetze eingeführt werden.

Schwierige Lage beim Recycling für Solarmodule, Batterien und Windturbinen 

Langfristig betrachtet bietet vor allem das Recycling von Batterien für Elektroautos, Solarmodulen und Windturbinen ein großes Geschäftspotenzial. Auf mittlere Sicht sind die Aussichten weniger positiv. Der Umsatz der Autobatterie-Recycling-Sparte etwa belief sich 2025 auf 1,5 Milliarden US$, so IBIS World. Bis 2030 soll der Branchenumsatz lediglich um knapp 3 Prozent pro Jahr auf 1,7 Milliarden US$ zulegen. Das kommt unter Berücksichtigung der Inflation nahezu einem Nullwachstum gleich. 

Der Grund: Die im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) eingeführte staatliche Kaufprämie von 7.500 US$ pro Fahrzeug wurde zum 1. September 2025 ersatzlos gestrichen. Der Absatz an Elektrofahrzeugen brach im 4. Quartal 2025 um 36 Prozent zum Vorjahr ein, berichtet Cox Automotive. Ihr Anteil an den Gesamtzulassungen lag nur noch bei 6 Prozent. Insbesondere Mittelständler legten Pläne zum Bau von Batterierecycling-Werken auf Eis. Ähnlich sieht die Lage bei Windturbinen aus. Die Trump-Administration wirft vor allem der Offshore-Sparte Knüppel zwischen die Beine. Die Pipeline an neuen Projekten ist praktisch leer. 

Bei der Solarenergie wurde die Förderung im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) ebenfalls vorzeitig beendet. Doch es gibt lange Karenzzeiten. Allerdings beträgt die Lebensdauer von Photovoltaikanlagen im Durchschnitt drei bis vier Jahrzehnte. Entsprechend lange wird es dauern, bis eine kostengünstige Massenverwertung möglich sein wird. Auch der Gesetzgeber scheint keine große Eile bezüglich Vorgaben zur Wiederverwertung zu haben. Entsprechend landen mehr als 90 Prozent aller ausgedienten Solarmodule auf Deponien. Ähnlich hoch ist die Quote bei Windturbinen. Dabei lassen sich laut einer Studie des Energieministeriums 90 Prozent der Materialen wiederverwerten und zwar wirtschaftlich tragbar.  

Ausgewählte Investitionsprojekte in den USAin Millionen US-Dollar
Projekt

Investitionssumme 

Stand

Projektträger
Batterie-Recycling-Anlagen in Nevada

2.000 

in PlanungRedwood Materials
Recycling-Anlagen für Textilabfälle im Bundesstaat New York

390

in PlanungReju
Recyclinganlage in Florida

88

Baubeginn Frühjahr 2026Waste Management
Recyclinganlage für Seltene Erden in South Carolina

82

in Planung, Inbetriebnahme 2028Cyclic Materials
Umstellung von 50% der Müllwagenflotte auf Elektroantrieb

k.A.

bis 2028Republic Services
Recyclinganlage für Batterie

k.A.

in Planung, Standortbewertungen abgeschlossenClarios
Quelle: Unternehmensangaben, Pressemeldungen 2026

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