Die VAE bieten Investoren Stabilität, moderate Steuern und eine gute Infrastruktur. Trotz vergleichsweise hoher Kosten bleiben sie ein zentraler Zugang zu den Golfmärkten.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zählen zu den wichtigsten Investitionsstandorten im Nahen Osten. In der jüngsten Umfrage des AHK World Business Outlook vom Frühjahr 2025 hoben deutsche Unternehmen vor allem die verlässliche Infrastruktur, die politische Stabilität sowie insgesamt investorenfreundliche Rahmenbedingungen als zentrale Standortvorteile hervor. Im regionalen Vergleich werden die VAE damit von vielen Firmen als besonders attraktiver Markt wahrgenommen.
Anreize für Investoren in den VAEAuswahl
Im Logistics Performance Index 2023 der Weltbank rangierten die VAE auf Platz 7 von 139 Staaten, im IMD World Competitiveness Ranking 2025 auf Rang 5 von 69. Bewertet werden hier unter anderem Wirtschaftskraft, Regierungseffizienz, Infrastruktur und Bildung. Damit liegen die Emirate im regionalen Vergleich vor Katar (Rang 9) und Saudi-Arabien (Rang 17).
Steuerlich liegen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im Mittelfeld der Golfregion. Für Unternehmensgewinne gilt seit Juni 2023 ein Körperschaftsteuersatz von 9 Prozent, jedoch nur für Erträge über 375.000 VAE-Dirham (AED; rund 100.000 US-Dollar). Kleinere Unternehmen sind damit vollständig befreit. Der reguläre Mehrwertsteuersatz liegt bei 5 Prozent. In einzelnen Branchen und Freihandelszonen gelten allerdings Ausnahmen oder Nullsätze.
Im regionalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede: In Saudi-Arabien unterliegen Gewinne von Unternehmen mit ausländischer Beteiligung einem Körperschaftsteuersatz von 20 Prozent und sind deutlich höher als in den Emiraten. Bahrain und Katar wiederum erheben eine Körperschaftsteuer ausschließlich im Öl- und Gassektor. In allen anderen Bereichen bleiben Gewinne steuerfrei. Damit sind die VAE steuerlich günstiger als Saudi-Arabien, aber weniger liberal als Bahrain und Katar.
Körperschaftsteuer und Mehrwertsteuer in den arabischen GolfstaatenReguläre Steuersätze in Prozent, 2025| VAE | 9 | 5 |
| Saudi-Arabien | 20 | 15 |
| Oman | 15 | 5 |
| Kuwait | 15 | – |
| Bahrain | – | 10 |
| Katar | – | – |
Die Angaben zeigen die Standardsätze; Zudem bieten einzelne Sonderwirtschaftszonen zeitlich befristete SteuervergünstigungenQuelle: Internationaler Währungsfonds (IWF), nationale Steuerbehörden der GCC-Staaten, PwC „Worldwide Tax Summaries 2024; September 2025
In den VAE bestehen über 40 Freihandels- und Sonderwirtschaftszonen. Sie bieten Unternehmen je nach Standort steuerliche Vorteile und erleichterte Gründungsprozesse. Einige Zonen sind branchenspezifisch ausgerichtet, etwa auf Logistik (Jebel Ali Free Zone), Finanzdienstleistungen (DIFC) oder Technologie (Dubai Internet City).
Die Top-5-Vorteile von Freizonen
- häufig Steuerbefreiungen möglich
- 100 Prozent ausländisches Eigentum garantiert (ohne lokale Partner)
- Freie Gewinn- und Kapitalrückführung
- Einfache Firmengründung mit vergleichsweise klaren, schnellen Verfahren
- Branchenspezialisierung (z. B. Logistik, Hightech, Finanzdienstleistungen)
Herausforderungen: Kosten, Marktgröße und Wettbewerbsbedingungen
Hohe Lebenshaltungs- und Geschäftskosten zählen laut AHK-Umfrage zu den größten Hindernissen in den VAE. Der Mercer Cost of Living Survey 2024 bestätigt dies: Dubai rangiert auf Platz 15 der 226 teuersten Städte weltweit, Abu Dhabi auf Platz 43 – deutlich vor Doha (121) und Riad (90). Besonders Mieten, Dienstleistungen und Personal treiben die Kosten in die Höhe.
Mit knapp 11 Millionen Einwohnern sind die Vereinigten Arabischen Emirate als Absatzmarkt deutlich kleiner als Saudi-Arabien mit rund 36 Millionen oder Ägypten mit mehr als 110 Millionen Einwohnern. Mit einem BIP pro Kopf von knapp 49.000 US$ im Jahr 2024 liegen sie jedoch deutlich vor Saudi-Arabien (rund 30.700 US$) und Ägypten (knapp 3.600 US$) und weisen eine hohe Kaufkraft aus. Viele Unternehmen bewerten die Emirate als wohlhabendes Handels- und Dienstleistungszentrum für die gesamte Golfregion.
Neben dem Fachkräftemangel ist der intensive Wettbewerb ein weiteres Hindernis. Lokale Firmen und internationale Konzerne profitieren in den Emiraten wie auch in Katar oder Bahrain häufig von staatlichen Netzwerken und Förderstrukturen.
Für klein- und mittelständische Unternehmen gestaltet sich n den Golfstaaten der Zugang zu Aufträgen meist schwieriger, weil große Projekte oft von staatlichen Stellen oder Großkonzernen vergeben werden. Diese bevorzugen Anbieter mit langjähriger Erfahrung, lokaler Präsenz und hoher finanzieller Leistungsfähigkeit. Für kleinere Firmen ist es dagegen aufwendig, sich zu registrieren, Referenzen nachzuweisen und die strengen Vergabebedingungen zu erfüllen, erklären Unternehmensvertreter in Gesprächen mit GTAI.
VAE bleiben führender Investitionsstandort in der Region
Die Emirate konnten ihre Rolle als führender Investitionsstandort in Region 2024 weiter ausbauen. Mit 45,6 Milliarden US-Dollar (US$) an Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen (FDI) rangieren sie deutlich vor allen GCC Ländern.
Den Schwerpunkt der Kapitalzuflüsse bilden die Sektoren Handel (26 Prozent), Immobilien (24 Prozent) und Finanzdienstleistungen (21 Prozent). Zukunftsorientierte Branchen wie Informations- und Kommunikationstechnologien, erneuerbare Energien sowie Hightech-Industrien gewinnen jedoch an Bedeutung. Besonders dynamisch entwickeln sich Greenfield-Investitionen: Mit über 1.360 angekündigten Projekten belegten die VAE in 2024 weltweit Platz 2 hinter den USA.
Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen das Vereinigte Königreich (15 Prozent), Indien (6 Prozent) und China (4 Prozent). Mit der Investitionsstrategie 2031 wollen die Emirate die jährlichen FDI-Zuflüsse bis 2030 auf 65 Milliarden US-Dollar steigern – ein Plus von 42 Prozent gegenüber 2024. Laut Weltbank-Chefökonom Indermit Gill ist dieses Ziel erreichbar, da die VAE ihr Investitionsumfeld mit Liberalisierungen, neuen Abkommen und Investitionen in KI, Digitalisierung und GreenTech stetig verbessern.
Deutsche Unternehmen: Partner in Industrie und Innovation
Deutschland gehört zu den bedeutendsten europäischen Investoren in den Emiraten. Ende 2023 belief sich der Bestand deutscher Direktinvestitionen auf 3,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 kamen weitere 367 Millionen Euro hinzu. Umgekehrt investierten emiratische Unternehmen etwa 1,3 Milliarden Euro in Deutschland, darunter in Covestro, GlobalFoundries Dresden oder Vonovia.
Nach Schätzungen der Deutsch-emiratischen Industrie- und Handelskammer sind rund 1.200 deutsche Unternehmen in den VAE tätig – in vielen Branchen. Sie sind unter anderem in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Bauwirtschaft, Energie, Gesundheit, Logistik und Dienstleistungen vertreten.
Deutsche Investoren in den Vereinigten Arabischen Emirate Auswahl, Stand: September 2025| Siemens Energy | Energie/Wasserstoff |
| BASF | Chemie/Bauchemie |
| Viega | Gebäudetechnik |
| Horn Glass Industries | Glasindustrie |
| Thyssenkrupp Uhde | Chemie/Zementanlagen |
Quelle: Recherche GTAI; September 2025
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