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Branchenstruktur

Die energetische Abfallverwertung wächst, aber mit zunehmender Marktsättigung. Parallel entstehen neue Recyclinganlagen im ganzen Land.

Marc Lehnfeld

Von Marc Lehnfeld | London

Die britische Abfallwirtschaft verfügt über ein breites Netzwerk an Abfallbehandlungsanlagen. Nach den aktuellsten Daten des Department for Environment, Food & Rural Affairs (Defra) für 2020 gibt es im Vereinigten Königreich 621 Deponien mit einer schrumpfenden Restkapazität von 427,2 Millionen Kubikmetern Abfall. Die Endlagerung wird durch die 1996 eingeführte und regelmäßig erhöhte Landfill Tax (Deponiesteuer) verteuert. Zum 1. April 2026 wurde sie um 3,6 Prozent auf 130,75 Pfund pro Tonne (circa 150 Euro) erhöht.

Die Bedeutung von Müllverbrennungsanlagen ist entsprechend gestiegen. Defra zählt für 2020 insgesamt 143 Anlagen mit einer Gesamtverbrennungskapazität von 26,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Von der Kapazität entfallen etwa 45 Prozent auf die energetische Nutzung zur Erzeugung von Strom und Wärme.

Noch wächst die Kapazität der energetischen Verbrennungsanlagen. Laut Refynix betrug die Kapazität der Energy-from-Waste-Anlagen (EfW) Ende 2024 etwa 19,3 Millionen Tonnen und wird bis 2030 auf 22,7 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Das Wachstumspotenzial für Verbrennungsanlagen ist jedoch begrenzt. Defra schätzt den Bedarf an Verbrennungskapazitäten zur energetischen Rückgewinnung für 2035 auf lediglich 18,8 Millionen Tonnen nach Recycling und Deponierung. Regionale Unterschiede bleiben bestehen, mit hohem Bedarf in Ostengland und den East Midlands.

Neue Anlagen zur Energierückgewinnung im ganzen Land

Das Vereinigte Königreich verfügt bereits über zahlreiche Großanlagen. Zu den größten Betreibern zählen Viridor mit 9 Anlagen und einer Verarbeitungsmenge von über 3 Millionen Tonnen im Jahr 2024 sowie Veolia mit 10 Anlagen und 2,4 Millionen Tonnen. Die fünf größten Anbieter, einschließlich Suez, FCC und Enfinium, vereinen etwa zwei Drittel der Gesamtdurchlaufmenge.

 

Wichtige Branchenunternehmen im Vereinigten KönigreichUmsatz in Millionen Euro

Unternehmen

Sparte

Umsatz  2024

Veolia Environmental Services Sammlung von Siedlungsabfällen, Baumüll und klinischen Abfällen, Recycling, Altlastensanierung, Wasser- und Abwasserbehandlung, Biogasanlagen

2.482

BiffaSammlung von Siedlungs-, Industrie- und Geschäftsabfällen, Sondermüll, Recycling, energetische Verwertung von Abfällen

1.289 *)

Suez Recycling and RecoverySammlung von Siedlungsmüll, Sondermüll, Recycling, Kompostierung, Abwasserbehandlung, energetische Verwertung von Abfällen

911

ViridorRecycling und Abfallbehandlung und energetische Verwertung von Abfällen

725 *)

FCC RecyclingSammlung von Siedlungsmüll, Sondermüll, Recycling, Kompostierung, energetische Verwertung von Abfällen

200

* Geschäftsjahr endend März 2025.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Die größte energetische Müllverbrennungsanlage betreibt Viridor in Runcorn im Großraum Liverpool mit einem Verbrennungsvolumen von 1,1 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. Es folgen die Riverside Resource Recovery Facility (RRRF) an der Themse von der Cory Group mit 850.000 Tonnen sowie die Anlagen Ferrybridge 1 und 2 in West Yorkshire von Enfinium mit einem kombinierten Verbrennungspotenzial von 2x725.000 Tonnen.

Die Branche investiert weiterhin in den Ausbau ihrer Aktivitäten. Viridor gab im April 2026 an, im nordostenglischen Industriecluster Teesside eine weitere ERF-Anlage mit einer Leistung von knapp 50 Megawatt und einem Verbrennungsvolumen von 150.000 Tonnen Haushaltsmüll pro Jahr zu errichten. Dafür wurde gemeinsam mit lokalen Kommunen die Tees Valley Energy Recovery Facility (TVERF) mit einem Auftragswert von etwa 2,3 Milliarden Euro über die nächsten 29 Jahre gegründet.

Zudem werden Müllverbrennungsanlagen verstärkt um Recyclingzentren ergänzt. Die North London Waste Authority (NLWA) wandelt ihre Anlage im Stadtteil Edmonton bis 2027 in einen „Edmonton EcoPark“ um. Dabei steigt die Energieerzeugungskapazität von 60 auf 78 Megawatt und das Gelände wird um eine neue Recyclinganlage erweitert. Das Projekt für das neue Kraftwerk verzögert sich, bietet dadurch aber weiterhin Chancen für Zulieferer.

Mit CCS-Technologien zur Einhaltung von Emissionsgrenzen

Die Emissionsentwicklung rückt stärker in den Fokus der Politik. Seit Anfang 2026 läuft eine Testphase zum freiwilligen Monitoring, Reporting und zur Verifizierung von Emissionen. Das dafür erforderliche Messsystem (continuous emissions monitoring system, CEMS) kostet laut der Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright bis zu 1,2 Millionen Euro.

Die Testphase dient der geplanten Einbindung der energetischen Müllverbrennung in das Emissionshandelssystem (UK ETS). Das ursprünglich angestrebte Einführungsjahr 2028 ist bislang nicht bestätigt. Eine Verschiebung gilt als möglich. Offen bleiben auch die Bedingungen einer diskutierten Angleichung der Emissionshandelssysteme der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs.

Unabhängig vom Einführungsdatum begünstigt der Ausbau von Infrastrukturen zur CO₂-Abscheidung, zum Transport und zur Speicherung (CCS) die langfristige Umrüstung der EfW-Anlagen. Dies gilt vor allem für die Industriecluster im Nordosten und Nordwesten Englands. Beispielhaft ist das Projekt von Viridor in Runcorn, das an das CCS-Cluster HyNet North West angeschlossen wird. 

Hohe Investitionsdynamik bei Recyclinganlagen

Mit der steigenden Bedeutung von Recyclinganlagen nehmen auch die Investitionen zu. Im gesamten Vereinigten Königreich sind derzeit über 3.200 Recyclinganlagen in Betrieb. Veolia investiert bis 2030 rund 1,2 Milliarden Euro in Großbritannien, darunter eine etwa 80 Millionen Euro teure Kunststoffrecyclinganlage in Battlefield.

Zu den Großinvestitionen zählen auch die Pläne von Endolys in Teesside. Dort entsteht eine Pyrolyseanlage zum chemischen Recycling von Kunststofffolien. Die zwei Bauphasen kosten zusammen rund 138 Millionen Euro und sollen jeweils 60.000 Tonnen Kunststofffolien in Pyrolyseöl umwandeln. Eine weitere Pyrolyseanlage zur Umwandlung von Reifen in Flugkraftstoffe (SAF) entsteht in Sunderland für rund 115 Millionen Euro durch Wastefront.

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