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Staat verbessert Rahmenbedingungen für Investitionen
Kasachstan ist der wichtigste Investitionsstandort in Zentralasien. Ein verbesserter Investorenschutz soll das Potenzial auch außerhalb der Ölförderung erschließen.
20.04.2026
Aufgrund der Repatriierung von Gewinnen in größerem Umfang verzeichnete Kasachstan im Jahr 2025 einen Nettoabfluss ausländischer Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment; FDI). Der Investitionsdynamik tat das jedoch keinen Abbruch: Gleichzeitig gingen mit 19 Milliarden US-Dollar (US$) fast 90 Prozent aller FDI-Ankündigungen in der Region Zentral- und Nordasien auf das Konto Kasachstans, so die Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik (Economic and Social Commission for Asia and the Pacific; ESCAP), eine von fünf regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen (UN)
Die Zuflüsse deutscher FDI nach Kasachstan erreichten 2025 nach einem schwächeren Vorjahr rund 274 Millionen US$. Kumuliert stammten Ende 2025 laut kasachischer Zentralbank knapp 1,5 Milliarden US$ aus Deutschland.
Ausländische Investoren besonders an Rohstoffen interessiert
Insgesamt haben ausländische Akteure mittlerweile mehr als 156 Milliarden US$ in Kasachstan investiert. Hauptherkunftsländer sind die Niederlande, die USA, Frankreich, China und Russland. Die Rohstoffförderung gilt als wichtigste Zielbranche, die rund zwei Drittel aller ausländischen Direktinvestitionen in Kasachstan auf sich vereint. Die Spitzenstellung der Niederlande ist auf die dort registrierten Holdingstrukturen international agierender Konzerne zurückzuführen, die auch in Kasachstans Rohstoffsektor aktiv sind.
Deutsche Unternehmen sind in verschiedenen Branchen tätig
Größere deutsche Engagements sind vor allem in der Baustoffindustrie zu finden. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien in Kasachstan zieht Investitionen aus Deutschland an. Zu den Vorreitern gehört das Unternehmen Goldbeck Solar, das Bau und Betrieb von zwei großen Solarparks mit insgesamt 175 Megawatt Leistung im Gebiet Karagandy verantwortet.
Gute Aussichten im Groß- und Einzelhandel haben den Handelskonzern Metro in Kasachstan expandieren lassen. Die deutsche Logistikgruppe Rhenus hat zuletzt in ein multimodales Containerterminal investiert und stärkt damit die Präsenz im Land. Der große Coup aus Deutschland, das geplante 50 Milliarden US$ teure Megaprojekt Hyrasia One zur Produktion von grünem Wasserstoff, steht aber noch aus.
Unternehmen | Branche | Volumen |
|---|---|---|
| Heidelberg Materials | Baustoffe | 500 |
| Linde Group | Technische Gase | 250 |
| Goldbeck Solar | Grüner Strom (Photovoltaik) | mehr als 200 *) |
| Metro | Handel | mehr als 170 |
| Knauf | Baustoffe | 42 |
| Rhenus | Logistik | k.A. |
Investitionsförderung: Breitgefächerte Förderung und mehr Schutz von Investorenrechten
Der größte Teil der vielfältigen Maßnahmen zur Investitionsförderung spricht in Kasachstan sowohl einheimische als auch ausländische Unternehmen an. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Arten von Investitionsvereinbarungen mit der öffentlichen Hand. Wichtige Anlaufstelle für ausländische Investoren ist die staatliche Agentur Kazakh Invest. Sie bietet eine umfassende Betreuung vor allem für Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von über 50 Millionen US$. Bei diesen Großprojekten winken im Rahmen individueller Übereinkünfte erhebliche Steuer- und Zollvergünstigungen.
Um Investoren noch besser zu schützen, wurde Ende 2025 das Komitee zum Schutz von Investorenrechten gegründet. Unter Leitung des Generalstaatsanwaltes überwacht dieses mehr als 2.800 Investitionsprojekte. Investoren bekommen regionale Staatsanwälte zugewiesen. Die Vertreter der Exekutive sollen dafür Sorge tragen, dass keine ungerechtfertigten Inspektionen durchgeführt, Beschränkungen verhängt und Verwaltungsverfahren gegen Unternehmen eingeleitet werden.
Sonderwirtschaftszonen locken mit zahlreichen Vergünstigungen
Verschiedene Steuervergünstigungen winken zudem in derzeit 17 Sonderwirtschaftszonen (SEZ) mit jeweiligen Branchenschwerpunkten und unterschiedlichen Laufzeiten. Investoren in Sonderwirtschaftszonen zahlen keine Umsatz-, Körperschaft-, Vermögen- und Grundsteuer. Auch fallen Zollgebühren dort weg. Vereinzelt erfolgt auch eine Befreiung von der Sozialsteuer. Darüber hinaus gelten vorteilhafte Abschreibungsregeln. Hinzu kommt ein vereinfachtes Verfahren für die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte.
Sonderwirtschaftszonen sollen noch attraktiver werden
Der kasachische Präsident kritisierte jüngst den mangelnden Erfolg der SEZ. Zu gering sei deren Beitrag zum Wachstum, den Exporten und den Investitionen. Im Laufe des Jahres 2026 soll die Regierung die SEZ umstrukturieren.
Mehrere Vorschläge befinden sich in der Diskussion, darunter:
- Erweiterung der zulässigen Tätigkeitsarten,
- Vereinheitlichung der Laufzeiten,
- Entwicklung der Infrastruktur im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften,
- Einbindung privater Unternehmen in das Management,
- Umverteilung ungenutzter Grundstücke zwischen Teilnehmern der SEZ.
Zentren für Finanzwesen und Start-ups befinden sich in Astana
Eine Sonderrolle bei Steuervergünstigungen genießt das Astana International Financial Centre (AIFC). Seine Gründung geht auf ein spezielles Verfassungsgesetz zurück, womit dem AIFC auch eine eigene Investitionsgerichtsbarkeit nach englischem Recht zugestanden wurde. Steuervorteile können im AIFC registrierten Unternehmen zunächst bis 2065 beanspruchen. Finanzdienstleister sind dort von Körperschaft-, Umsatz-, Vermögen- und Grundsteuer befreit. Hinzu kommt eine weitestgehende Befreiung von der Quellensteuer auf Dividenden und Veräußerungsgewinne.
In direkten Nachbarschaft angesiedelt ist das Astana Hub, Kasachstans Zentrum für Start-ups und Künstliche Intelligenz. Um Innovationen zu fördern, erlässt die Regierung hier registrierten Unternehmen seit 1. Januar 2026 bis vorerst Ende 2028 unter anderem die:
- Körperschaftssteuer,
- Mehrwertsteuer auf produzierte Güter und erbrachte Dienstleistungen,
- Mehrwertsteuer auf importierte Waren,
- Sozialsteuer auf Einkommen der Mitarbeitenden.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.