Branche kompakt | USA | Medizintechnik
Branchenstruktur
Das Gesundheitssystem der USA ist komplex und setzt stark auf Eigenverantwortung. Deutschland zählt zu den wichtigsten Lieferländern für Medizintechnik.
09.01.2026
Von Heiko Stumpf | San Francisco
Die USA sind das einzige große Industrieland, in dem die Bereitstellung von medizinischen Dienstleistungen und Versicherungen nicht durch eine zentrale nationale Strategie vereinheitlicht ist. Eine gesetzliche Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es nicht. Der Bevölkerungsanteil mit Krankenversicherungsschutz ist mit 92 Prozent dennoch hoch.
Vielfältiger Markt für private Krankenversicherungen
Die meisten Menschen sind über Gruppenversicherungen, die von ihren Arbeitgebern unterstützt werden, krankenversichert. Dabei gibt es eine unüberschaubare Zahl an Tarifen und Modellen. Die durchschnittliche jährliche Versicherungsprämie für Einzelpersonen lag im Jahr 2025 bei 9.325 US-Dollar (US$), für Familien lag der Wert bei 26.993 US$. Davon wurden jeweils im Schnitt 16 Prozent beziehungsweise 26 Prozent durch die Beschäftigen getragen (plus Eigenanteile und Zuzahlungen).
Bei den Versicherungstarifen wird zwischen zwei Gruppen unterschieden:
- Verträge mit einer Preferred Provider Organization (PPO) ermöglichen eine freie Arztwahl (mit Einschränkungen in Form von Eigenanteilen und Zuzahlungen)
- Im Rahmen einer Health Maintenance Organization (HMO) können grundsätzlich nur bestimmte Gesundheitseinrichtungen genutzt werden, beispielsweise eines privat betriebenen Health Systems wie Kaiser Permanente.
Rund 84 Millionen Personen mit geringem Einkommen erhalten über das staatliche Medicaid-Programm Zugang zu einer Krankenversicherung. Bei Einkommensgrenzen, Versicherungsbeiträgen und Leistungen gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen US-Bundesstaaten. Die fast 63 Millionen Menschen im Rentenalter sind über das staatliche Krankenversicherungsprogramm Medicare versichert. Eine erhebliche Anzahl von rund 27 Millionen Menschen muss aktuell ohne Krankenversicherung leben.
Indikator | Wert |
|---|---|
Einwohnerzahl (2024 in Mio.) | 340,1 |
Bevölkerungswachstum (2024 in %) | 0,98 |
Altersstruktur der Bevölkerung (2024) |
|
Anteil der bis 14-Jährigen (in %) | 17,3 |
Anteil der mindestens 65-Jährigen (in %) | 17,9 |
Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2023 in Jahren) | 78,4 |
BIP pro Kopf (2024 in US$) | 86.117 |
Gesundheitsausgaben pro Kopf (2024 in US$) | 14.671 |
Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2024 in %) | 18,0 |
Ärzte/100.000 Einwohner (2023) | 254 |
Zahnärzte/100.000 Einwohner (2024) | 61 |
Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2023) | 232 |
davon in öffentlich zugänglichen Krankenhäusern* | 235 |
Weitergehende Informationen über das US-amerikanische Gesundheitssystem bieten beispielsweise die US-Botschaft in Deutschland, das MIT Medical und der Commonwealth Fund.
Krankenhäuser unterscheiden sich im Nachfrageverhalten
Insgesamt verfügen die Vereinigten Staaten über rund 6.100 Krankenhäuser, darunter etwa 5.100 Akutkliniken. Der Rest entfällt beispielsweise auf mehr als 600 psychiatrische Kliniken oder Rehabilitationseinrichtungen. Die Akutkrankenhäuser befinden sich zu über 80 Prozent in der Hand von privaten Betreibern. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede.
Mit rund 70 Prozent fällt der Großteil der privaten Krankenhäuser in die Kategorie der Not-for-Profit Hospitals. Hinter den Einrichtungen stehen häufig kirchliche Träger oder Stiftungen. Erzielte Gewinne sind steuerfrei, müssen jedoch in den Betrieb reinvestiert werden. Non-for-Profit Hospitals sind häufig Teil vertikal integrierter Health Systems wie Ascension, CommonSpirit Health, Intermountain Health oder Kaiser Permanente, welche aus mehreren hundert einzelnen Gesundheitseinrichtungen bestehen können. Die verbleibenden 30 Prozent im Privatsektor entfallen auf die rund 1.200 For-Profit Hospitals. Beispiele für große Anbieter sind HCA Healthcare, Universal Health Services und Tenet Health.
Nach Einschätzung von Branchenkennern richten sich Not-for-Profit Hospitals bei der Beschaffung von Medizintechnik eher am bestehenden Versorgungsbedarf im eigenen Einzugsgebiet aus. Für gewinnorientierte Kliniken spielt hingegen auch die Abgrenzung zur Konkurrenz eine Rolle. Bei der Anschaffung modernster Medizintechnik kann es darum gehen, mit den Wettbewerbern gleichzuziehen oder diese bestenfalls zu übertrumpfen.
Medizintechnikhersteller wie Stryker richten sich bei der Bewerbung ihrer Produkte mittlerweile auch direkt an die Patienten. So bewirbt Stryker seinen hochmodernen Chirurgieroboter Mako Smartrobotics in Fernsehspots und auf Social-Media-Kanälen. Auch For-Profit Hospitals werben mit moderner Medizintechnik - denn die Kernkundschaft, nämlich wohlhabende Krankenversicherte mit freier Arztwahl, sucht sich die Kliniken auch unter dem Kriterium aus, ob die neuesten Technologien angeboten werden.
Heimat der weltweit größten Hersteller medizinischer Geräte
Die US-Medizintechnikbranche ist weltweit führend und besteht aus mehr als 7.000 Unternehmen. Bei den meisten Firmen handelt es sich um kleine und mittlere Unternehmen, etwa 80 Prozent haben weniger als 50 Beschäftigte. Gleichzeitig haben die USA viele globale Aushängeschilder hervorgebracht. Von den zehn weltweit führenden Medizinprodukteherstellern sind sechs in den USA ansässig.
Unternehmen | Umsatz 2024 *) | Veränderung 2024/23 *) |
|---|---|---|
| Johnson & Johnson | 31,9 | 4,9 |
| Abbott | 28,3 | 5,2 |
| Stryker | 22,6 | 10,2 |
| BD (Becton, Dickinson and Company) | 20,2 | 4,1 |
| GE HealthCare | 19,7 | 0,5 |
| Cardinal Health | 16,9 | 12,7 |
| Boston Scientific | 16,8 | 18,3 |
| Baxter | 10,6 | -28,4 |
| Danaher | 9,8 | 2,1 |
Obwohl die Unternehmen der Branche über die gesamten USA verteilt sind, gibt es Schwerpunktregionen, die für ihre Hochtechnologiebranche bekannt sind. Zu den Bundesstaaten mit der höchsten Anzahl von Medizintechnikunternehmen gehören Kalifornien, Florida, New York, Pennsylvania, Michigan, Massachusetts, Illinois, Minnesota und Georgia.
Deutschland gehört zu den wichtigsten Lieferländern
Die Stärke der amerikanischen Medizintechnikhersteller sorgt dafür, dass der Importbedarf mit etwa 30 Prozent recht gering ist. Durch die schiere Größe des Marktes gibt es dennoch gute Absatzchancen. Laut Fitch Solutions war Deutschland im Jahr 2024 mit einem Anteil von 10,5 Prozent das drittwichtigste Lieferland von Medizinprodukten, hinter Mexiko (20 Prozent) und Irland (11,3 Prozent). Die Volksrepublik China steht mit 9,7 Prozent auf Rang 4. Mexiko ist insbesondere bei den medizinischen Verbrauchsgütern stark, während Irland rund 40 Prozent der importierten orthopädischen Produkte beisteuert.
Deutschland ist der größte Importeur im Bereich der bildgebenden Diagnostik. Pro Jahr werden in den USA rund 730 Millionen bildgebende Untersuchungsverfahren durchgeführt, mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von 4 Prozent bis 7 Prozent über die nächsten 10 Jahre. Etwa 40 Prozent bis 50 Prozent der Untersuchungen erfolgen außerhalb von Krankenhäusern. Beispielsweise gibt es spezialisierte Anbieter wie RadNet mit rund 400 radiologischen Praxen. Zudem hält Deutschland die Spitzenposition für den Import von Dentalprodukten.
| SITC | Import | Anteil Import aus Deutschland | |
|---|---|---|---|
| 774.1 | Elektrodiagnoseapparate und -geräte | 7,7 | 22,1 |
| 774.2 | Röntgenapparate etc. | 4,7 | 31,9 |
| 741.83 | Sterilisierapparate | 0,3 | 0,5 |
| 872.1 | Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g. | 1,3 | 23,1 |
| 872.21 | Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc. | 10,9 | 2,8 |
| 872.25 | Ophthalmologische Instrumente | 0,6 | 16,7 |
| 872.29 | Andere Instrumente, Apparate und Geräte | 20,4 | 9,8 |
| 872.3 | Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc. | 6,6 | 2,4 |
| 872.4 | Medizinmöbel etc. | 1,3 | 10,0 |
| 899.6 | Orthopädietechnik, Prothesen etc. | 18,8 | 6,9 |