Branche kompakt | Indien | Pharma, Biotechnologie
Markttrends
Generika haben einen besondere Rolle in einem insgesamt wachsenden Markt. Die Regierung setzt weitere Maßnahmen für mehr lokale Produktion in Gang.
25.03.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Der indische Pharmasektor stellte im Finanzjahr 2023/2024 (1. April bis 31. März) Waren im Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar (US$) her, meldete die Ratingagentur CareEdge. Etwa hälftig teilt sich dieser Wert auf den Konsum im Inland und den Export auf. Die Experten erwarten in den kommenden Jahren jährliche Wachstumsraten der Branche von 9 Prozent, sodass 2029/2030 ein Produktionsvolumen von 92 Milliarden US$ erreicht werden soll.
des weltweiten Volumens an Impfstoffen wird in Indien produziert.
Das Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen und eine Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie etwa Diabetes sind einige der Treiber für eine expandierende Inlandsnachfrage. Die Produktion dürfte auch infolge einer wachsenden Auslandsnachfrage zulegen. So sind Pharmaka im wichtigsten Absatzmarkt für indische Generika, den USA, von Zöllen ausgenommen.
Die 2024 zuletzt veröffentlichten National Health Accounts geben die gesamten laufenden Gesundheitsausgaben (ohne Investitionen) für das Finanzjahr 2021/2022 mit umgerechnet 87 US$ pro Kopf an. Indiens Regierung trägt zwar 48 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitsbereich, allerdings sind das lediglich 1,84 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die verbleibenden Anteile an den Gesundheitsausgaben verteilen sich auf Privatausgaben durch Haushalte (Out-of-Pocket-Ausgaben (OOP); 39 Prozent) sowie sonstige Ausgaben (darunter durch Versicherungen). Im Zeitverlauf zeigt sich ein anteiliger Rückgang der OOP-Ausgaben, während die staatlichen Gesundheitsausgaben an Bedeutung zunehmen. Diese Entwicklung dürfte auch in Zukunft anhalten.
Generika beherrschen den Markt
Der Großteil der verkauften Medikamente in Indien sind Generika. Schätzungen gehen von einem Marktanteil von 70 Prozent aus. Das Besondere daran ist, dass es sich überwiegend um Markengenerika handelt. Der Vertrieb unter einer Marke erlaubt es den Herstellern, Preisaufschläge durchzusetzen. Markenfreie Generika werden hauptsächlich in Einrichtungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung genutzt und über zentrale staatliche Stellen eingekauft. Zwischen 2025 und 2027 verlieren eine Reihe wichtiger Medikamente ihren Patentschutz in Indien. Darunter 2027 beispielsweise das Diabetesmittel Trulicity mit dem Arzneistoff Dulaglutit. Bereits 2026 läuft der Patentschutz für Semaglutid ab. Experten gehen davon aus, dass die Wirkstoffe in Form von Generika zwischen 2027 und 2029 den Weg in den indischen Markt finden. Das soll dabei helfen, den Generikamarkt von rund 26 Milliarden US$ 2025 auf über 35 Milliarden US$ 2030 wachsen zu lassen.
Regulierung bei Verschreibungspraxis bleibt Thema
Höhere Kosten für Markengenerika belasten Konsumenten. Dem wollte die indische Regierung im Sommer 2023 einen Riegel vorschieben. Sie erließ eine Regelung, der zufolge Ärzte lediglich einen Wirkstoff und nicht einen speziellen Medikamentennamen verschreiben sollten. Allerdings führte dies zu Protesten, unter anderem bei der Ärzteschaft. Sie argumentierte, dass nicht alle Arzneimittelhersteller qualitativ einwandfreie Pharmaka herstellen und daher nur bestimmte Medikamente auch die gewollte Wirkung erzielen. Zudem monierte die Ärzteschaft die Verschiebung der Entscheidung über das tatsächlich ausgewählte Medikament hin zu den Apotheken und Arzneimittelausgabestellen. Aufgrund der anhaltenden Kritik wurde die Verordnung letztlich zurückgenommen. Es gibt jedoch anhaltende Versuche und juristische Klagen, dies zu ändern. Zuletzt äußerte sich der Supreme Court 2025 wohlwollend über eine solche Regelung und verwies dabei auf eine entsprechende Lösung im Bundesstaat Rajasthan als mögliches Beispiel für eine gesamtindische Lösung.
Biopharmaka erhalten staatliche Förderung
Der Anfang Februar 2026 vorgestellte Staatshaushalt enthält die Ankündigung für ein Förderprogramm namens Biopharma SHAKTI. Über einen Zeitraum von fünf Jahren stellt die Regierung dafür rund 1,1 Milliarden US$. Mit dem Geld möchte Indien die Forschungslandschaft aber auch die Produktion von Biopharmaka und Biosimilars stärken. Ziel ist mehr lokale Forschung und eine stärkere lokale Fertigung höherwertiger Produkte. Das wird die Konkurrenz mit Importen erhöhen. Zudem möchte die Regierung mit dem Geld die bestehenden sieben National Institutes of Pharmaceutical Education & Research (NIPER) ausbauen und drei weitere davon bauen. Die Einrichtungen sind für die Ausbildung von Pharmazeuten und für die Pharmaforschung im Land bedeutend. Zusätzlich soll ein Teil der staatlichen Mittel Indien als Standort für klinische Studien stärken. Mehr als 1.000 Standorte für klinische Studien sollen aufgebaut werden.
Die detaillierten Projektrichtlinien dürften im Jahresverlauf 2026 veröffentlicht werden. Dort werden auch die konkret förderfähigen Produkte enthalten sein. Basierend auf Subventionsprogrammen der jüngeren Vergangenheit wie den Production Linked Incentives (PLI) ist es wahrscheinlich, dass Subventionen für die Produktion an bestimmte Mindestinvestitionssummen und/oder zu erreichende Produktionsmengen geknüpft werden.
Wachstum bei APIs erwartet
Der Markt für aktive pharmazeutische Wirkstoffe (Active Pharmaceutical Ingredients, APIs) in Indien hat derzeit eine Größe von 15 bis 16 Milliarden US$. Bis zum Finanzjahr 2027/2028 soll er jährlich um 5 bis 7 Prozent wachsen, so CareEdge. Getrieben wird das Wachstum durch mehr Inlandsnachfrage, Exporte und den Übergang von Basis‑APIs zu komplexeren APIs und hochaktiven APIs. Die bestehende Importabhängigkeit im Umfang von 30 bis 35 Prozent (davon rund 70 Prozent aus China) wird sich in den kommenden Jahren stückweise verringern. Die PLI für Pharmaka und Massenarznei haben in den vergangenen Jahren für mehr Produktionskapazität vor Ort gesorgt. Dabei geht CareEdge davon aus, dass Anfang 2026 erst knapp mehr als die Hälfte der durch PLI eingeworbenen Investitionsobjekte fertiggestellt sind. Die andere Hälfte wird bis spätestens zum Ende der Förderperiode 2031 mit der Produktion beginnen.