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Digitalisierung der Lieferketten nimmt in Ostafrika zu

Ostafrika exportiert mehr Kaffee und Tee. Für den Binnenmarkt bedeutend sind die Geflügelindustrie, das Recycling von Flaschen und die Kühlung von Nahrungsmitteln. 

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Kenia plant Online-Auktionen für Kaffee

Die kenianische Regierung plant erstmals eine Online-Plattform für den Kaffeehandel. Laut hochrangigen Regierungsvertretern soll die Plattform Kenias Kaffeefarmer direkt mit lokalen und internationalen Käufern verbinden. Die ambitionierte Idee ist, Zwischenhändler und Kartelle damit umgehen zu können. Damit soll nach Ansicht der Regierung mehr Fairness in den Markt kommen, insbesondere sollen die Farmer damit höhere Preise erzielen. Die neue Handelsplattform soll beim Nairobi Coffee Exchange, der alten Kaffeebörse installiert werden. Der Sektor zählt zu den wichtigen Devisenbringern des ostafrikanischen Landes. Im Jahr 2024 wurden über 300 Millionen US-Dollar (US$) an Einnahmen aus dem Kaffeeexport verzeichnet. Über die Jahre gingen die Einnahmen jedoch zurück. Der Onlinehandel soll zur Wiederbelebung beitragen. Die aktuelle Produktionsmenge soll nach dem Wunsch der Regierung von aktuell rund 45.000 bis 50.000 Tonnen jährlich in den kommenden Jahren auf bis zu 150.000 Tonnen jährlich erhöht werden. Experten schätzen das als kaum realistisch ein.

Kenia führt digitale Compliance-Plattform für Kaffeehandel ein

Um die Kaffeebauern besser auf die Anforderungen der EU-Entwaldungsverordung vorzubereiten, ist die National Coffee Cooperative Union (NACCU) eine Partnerschaft mit dem IT-Dienstleister Dimitra eingegangen. Dimitra ist ein internationaler Anbieter von Technologielösungen im Agrarsektor. Mit der Software sollen mehr als 1 Million Kleinbauern die nötigen Nachweise erbringen können für die ab dem 30. Dezember 2026 anzuwendende EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Die EU nimmt mehr als die Hälfte des kenianischen Kaffees ab und ist ihr wichtigster Kunde. Die App kann von den Bauern sowohl in Englisch als auch in Swahili bedient werden und funktioniert auch offline. Letzteres ist insbesondere in Regionen mit schlechter Mobilfunkanbindung notwendig.

Kenias Kenchic öffnet eigene Geschäfte in Städten und Vororten

Kenchic, der größte Hühnerfleischproduzent Kenias, nimmt seinen Vertrieb zunehmend in eigene Hände. Das Unternehmen hat bereits in mehreren Städten Läden unter dem Namen Kenchic Mtaani eröffnet. Damit soll die Lieferkette vereinfacht und die Qualitätssicherung verbessert werden. Im internationalen Vergleich gilt Kenias Hühnerfleischkonsum mit etwa 2,5 Kilogramm pro Einwohner und Jahr immer noch als niedrig, aber das Wachstumspotenzial gilt als groß. Förderliche Trends sind die Urbanisierung sowie die Ausbreitung von Fastfoodketten, die sich auf Hühnerfleisch konzentrieren.

Tansania will Hühnerfleischsektor durch Partnerschaft mit den Niederlanden stärken

Tansania möchte mit niederländischem Know-how seine Hühnerfleischindustrie modernisieren und die Produktion steigern. Die Dutch-Tanzania Chicken Knowledge Exchange Seminare in Daressalam Anfang Oktober 2025 brachten Regierungsvertreter mit Agrarexperten und dem Privatsektor zusammen. Die Partnerschaft soll sich um Aspekte wie Tierfutter und Tiergesundheit kümmern sowie die Frage, wie man traditionelle Tierhaltungsmethoden in moderneres Farmmanagement überführen kann. Die Tanzania Agricultural Development Bank (TADB) finanziert eine Hühnerfabrik inklusive Legebatterie in Kigoma. Die Anlage soll eine Kapazität von 90.000 Eiern monatlich erhalten und würde damit eine der größten in Westtansania werden.

Tanzania Breweries kooperiert mit PETpro für Glasrecycling

Die zu AB InBev gehörende Tanzania Breweries  und PETpro gehen eine Kooperation ein, um das Glasrecycling landesweit voranzubringen. In einer Absichtserklärung wurde die Partnerschaft kürzlich vereinbart. Das Programm sieht vor, dass Glasflaschen ohne Pfand in großem Umfang gesammelt und in ein Recyclingsystem eingespeist werden sollen.

Äthiopiens Kaffeeexport boomt

Die äthiopischen Ausfuhren von Kaffee sind im 1. Quartal der Saison 2025/26 wertmäßig um etwa 47 Prozent gestiegen, obwohl die Exportmenge mit rund 113.500 Tonnen deutlich kleiner war als geplant. Das berichtet die Ethiopian Coffee and Tea Authority (ECTA). Die hohen Kaffeepreise waren Auslöser für die gestiegenen Einnahmen im Wert von fast 763 Millionen US$.

Deutschland war der größte Kunde und nahm etwa 20.700 Tonnen ab, etwa 18 Prozent der Gesamtmenge. Es folgen Saudi-Arabien (14 Prozent) und Belgien (12 Prozent). Weitere Großabnehmer waren China, die USA, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate, Japan, Italien und Russland. Insbesondere nach China stiegen die Lieferungen zuletzt stark an. Äthiopien ist Afrikas größter Kaffeeproduzent. Der Export von Kaffee ist der größte Devisenbringer des Landes. In der Gesamtsaison 2024/25 nahm Äthiopien damit etwa 2,7 Milliarden US$ ein. Von den insgesamt produzierten rund 1,2 Millionen Tonnen wurden etwa 467.000 Tonnen exportiert.

Die MIDROC Investment Group, eine international agierende Firma mit starkem Engagement in Äthiopien (Mohammed Hussein Al Amoudi), treibt den Anbau von Kakao in Äthiopien voran. Dieser soll in den kommenden Jahren deutlich expandieren und damit Kaffee, Reis und Kautschuk als Agrarexportgut ergänzen. MIDROC hat zusammen mit dem Date Agricultural Research Center den Kakaoanbau in Äthiopien getestet. Offenbar waren die Ergebnisse im Südwesten des Landes vielversprechend.

Bislang wurden auf der 50 Hektar großen Bebeka Kaffeefarm in der Bench Sheko Zone mehr als 54.000 Setzlinge gepflanzt. MIDROC plant, den Anbau bis Ende 2027 auf 200 Hektar auszudehnen. Auf den internationalen Märkten ist Kakao aktuell sehr gefragt, die Tonne bringt zwischen 8.000 und 12.000 US$. Obwohl die Erträge pro Hektar geringer sind als bei Kaffee, beginnen Kakaobäume mit der Fruchtproduktion deutlich früher, etwa drei Jahre nach der Pflanzung. Die großen Kakaoproduzenten Côte d’Ivoire, Ghana, Brasilien und Indonesien können den Kakaobedarf aktuell nicht decken.

Ugandas Kaffeeproduktion steigt weiter

In der Saison 2025/26 wird ein Anstieg der Kaffeeproduktion um fast 15 Prozent erwartet. Gründe hierfür sind vor allem eine größere Anbaufläche sowie eine gute Ernte nach günstigen Witterungsbedingungen, teilt das Ministry of Agriculture mit. Das ostafrikanische Land gehört zu den führenden Kaffeeexporteuren, in erster Linie für Robusta-Kaffee. Der Kaffeeanbau in Uganda wuchs in den letzten Jahren deutlich. Von September 2024 bis August 2025 exportierte Uganda etwa 7,9 Millionen Kaffeesäcke im Wert von rund 2,3 Milliarden US$. 

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