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Neustart der Autoindustrie in Algerien noch holprig

Stellantis baut seine Montage zu einer CKD-Fertigung aus. Andere Kfz-Produzenten haben ihr Engagement angekündigt. Das Fahrzeugangebot bleibt jedoch knapp.

Von Verena Matschoß | Tunis

Ausblick der Kfz-Branche in Algerien 

 

  • Viele Ankündigungen von Pkw-Produzenten, vor allem aus Asien. Bisher montiert allerdings nur Stellantis vor Ort.
  • Um den Bedarf der Produzenten zu decken und die Lokalisierungsanforderungen zu erreichen, muss die Zulieferindustrie noch wachsen.
  • Der Fahrzeugimport wird derzeit maßgeblich von Privatpersonen getragen, das Angebot bleibt gering.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026

Markttrends

Der algerische Automobilmarkt leidet weiterhin unter einem erheblichen Angebotsmangel. Der jährliche Fahrzeugbedarf wird auf rund 500.000 Einheiten geschätzt, kann jedoch weder durch lokale Produktion noch durch Importe gedeckt werden. Hintergrund sind jahrelange Importbeschränkungen sowie der langsame Wiederaufbau einer eigenen Kfz‑Industrie. Mit neuen gesetzlichen Regelungen im Jahr 2022 entstand die Hoffnung auf eine Entspannung der Marktsituation. Seitdem sind Tätigkeiten als Kfz-Produzent und Konzessionär wieder erlaubt. Das Angebot bleibt jedoch weiterhin deutlich hinter der Nachfrage zurück.

Nach Angaben des Industrieministers Yahia Bachir wurden im Jahr 2025 über 96.000 Fahrzeuge importiert. Ein erheblicher Teil dieser Importe dürfte auf Privatpersonen entfallen, da seit 2023 keine neuen Importquoten offiziell an Konzessionäre vergeben wurden.

Privatpersonen ist es erlaubt, alle drei Jahre ein Fahrzeug zu importieren, sofern es sich um einen Pkw handelt, der höchstens drei Jahre alt ist. Darüber hinaus dürfen im Ausland lebende algerische Staatsangehörige bei einer endgültigen Rückkehr ein maximal fünf Jahre altes Fahrzeug steuer- und zollbegünstigt einführen. Die genauen Modalitäten werden im Rahmen der Finanzgesetze geregelt.  

Der Privatimport birgt jedoch Risiken, insbesondere im Hinblick auf Wartung, Ersatzteilversorgung und Garantiefragen, da häufig keine etablierten Vertriebs- und Servicenetzwerke vorhanden sind. Deutschland gehörte 2024 zu den wichtigsten Lieferländern von Kraftfahrzeugen nach Algerien, neben Frankreich und China.

Der Aufbau einer eigenen Autoindustrie ist eine Priorität in der Industrialisierungspolitik Algeriens. Mittelfristig könnte Algerien bei dem Abbau regulatorischer Hürden und Stärkung der Zulieferindustrie zu einem relevanten Standort in Nordafrika werden. Im Vergleich zu anderen Ländern der Region hinkt die Entwicklung allerdings noch hinterher. Während in Marokko und Ägypten bereits Kfz produziert werden, verfügt Tunesien über eine etablierte Zulieferindustrie. 

Das Exekutivdekret Nr. 22-383 für die Aufnahme einer Konzessionärstätigkeit wurde am 17. November 2022 im algerischen Amtsblatt Nr. 76 veröffentlicht. 

Der Konzessionär muss unter anderem:

  • über geeignete Einrichtungen für die Ausstellung, den Kundendienst und die Lagerung verfügen.
  • Personal mit erforderlicher Qualifizierung oder ausreichender Berufserfahrung einstellen.
  • nach Ablauf eines Jahres in 28 Regionen (Wilayas) vertreten sein.
  • über einen ausreichenden Vorrat an geeigneten Ersatzteilen verfügen.

Die Zulassung ist für fünf Jahre gültig und kann verlängert werden. Die Genehmigung kann nur für Kfz mit einem Benzin-, Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridmotor erteilt werden.

Viele Ankündigungen von Produzenten

Viele Hersteller haben Investitionen angekündigt, doch bisher produziert im Pkw-Segment nur Stellantis in Algerien. Weitere Projekte deuten zwar auf eine breitere industrielle Basis hin, befinden sich jedoch größtenteils noch in frühen Phasen. Investitionsankündigungen gibt es unter anderem von Hyundai, Chery, Geely sowie weiteren asiatischen Marken. Auch Opel (Stellantis) plant eine lokale Produktion in Algerien.

 

Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in AlgerienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar

Vorhaben

Investitionssumme 

Projektstand

Anmerkungen

Werk von Hyundai (Südkorea) / Hyundai Motors Manufacturing Algeria 

400

geplantin Zusammenarbeit mit saudischer Saud Bahwan Group
Werk von Geely (China) / Sodivem (Algerien)

200

geplantKapazität: 50.000 Fahrzeuge pro Jahr
Werk von Chery (China) / Iris (Algerien)

circa 110

geplantKapazität: 24.000 Fahrzeuge pro Jahr; Ausbau auf 100.000 Fahrzeuge geplant
Werk von Jetour (China) /  Fondal (Teil des algerischen Konzerns Imetal)

105

in Umsetzungauf dem Gelände des ehemaligen Kia-Werks in Batna
Werk von Iveco (Italien) / Ferrovial (Algerien)

k.A.

im Bau Kapazität: 4.000 (darunter Busse) pro Jahr
Werk von Opel / Stellantis

k.A.

geplantim Januar 2026 angekündigt
Werk von Great Wall Motors (China) / Cevital (Algerien)

k.A.

im BauStandort in Aïn Defla
Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Branchenstruktur und Rahmenbedingungen

Ende 2022 wurde der Rechtsrahmen für die Kfz-Industrie grundlegend überarbeitet. Die Regierung verfolgt mit ihrer Strategie nicht nur den Aufbau einer Montageindustrie, sondern auch die Entwicklung einer lokalen Zulieferstruktur. Im Vergleich zu früheren Ansätzen soll dabei eine höhere lokale Wertschöpfung erreicht werden.

Im September 2025 erweiterte Stellantis die Fertigung um Schweiß- und Lackieranlagen und schuf damit die Voraussetzungen für eine CKD-Produktion des Fiat Grande Panda. Im Zuge der Umstellung wurde die lokale Fertigung des Fiat 500 Ende desselben Monats eingestellt. Medienberichten zufolge verläuft der Produktionshochlauf bislang schleppend. Ob das selbst gesetzte Ziel von 90.000 Fahrzeugen im Jahr 2026 erreicht wird, ist daher offen. Für 2025 wird die Produktion auf rund 53.000 Fahrzeuge geschätzt. Mittelfristig plant das Unternehmen, die Jahreskapazität bis 2028 auf 135.000 Einheiten auszubauen.

Am 17. November 2022 wurde das Exekutivdekret Nr. 22-384 im algerischen Amtsblatt Nr. 76 veröffentlicht. Es legt die Voraussetzungen für eine Aufnahme einer Kfz-Produktion in Algerien fest. 

Der Hersteller von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen muss unter anderem:

  • die Höhe der geplanten Investition und die zu produzierenden Modelle angeben.
  • eine Strategie vorlegen, wie er einem Lokalisierungsgrad von 10 Prozent nach Abschluss des zweiten, von 20 Prozent nach Abschluss des dritten und von 30 Prozent nach Abschluss des fünften Jahres erreichen will.
  • nach fünf Jahren auch Fahrzeuge exportieren.
  • nach fünf Jahren in seine Produktpalette mindestens ein Elektromodell aufnehmen.

Lokale Zulieferindustrie muss sich noch entwickeln

Um den Anforderungen der Automobilhersteller in Algerien gerecht zu werden, muss sich die lokale Zulieferindustrie noch weiterentwickeln. Nach Schätzungen der Bourse Algérienne de Sous-traitance et de Partenariat (BASTP) gibt es derzeit rund 200 Zulieferer und Hersteller von Kfz-Ersatzteilen - hauptsächlich im Bereich des Aftermarkets. Viele Industrieprojekte sind in Planung, um diese Zahl weiter zu steigern. Ein großer Teil ist im Osten und Zentrum des Landes angesiedelt. 

Mit dem Aufbau einer sauberen Automobilindustrie wird sich die Zulieferstruktur ändern. Partnerschaften mit ausländischen Firmen fördern die Ersatzteile-Produktion und den lokalen Zulieferbereich sowie den Technologietransfer. Algerien ist offen für Kooperationen mit internationalen Zulieferern gemäß den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Kamel Agsous Präsident, BASTP Bourse Algerienne de Sous-Traitance et de Partenariat

An der Messe Equip Auto Algeria, die vom 30. März bis 2. April 2026 in Algier stattfand, beteiligten sich rund 500 Aussteller aus elf Ländern. Etwa 65 Prozent der Teilnehmer waren algerische Unternehmen, was auf den wachsenden Aufbau einer lokalen Industrie hindeutet.

Ein Beispiel für neue Investitionen in die Zulieferindustrie ist ein Projekt der staatlichen Holding Algeria Chemical Specialities (ACS): Im April 2026 wurde in Tissemsilt das Vorhaben "General Plastic Injection" (GPI) gestartet. Die Anlage soll Kunststoffkomponenten und Zubehör für die Automobilindustrie produzieren. Der Produktionsbeginn ist für September 2026 geplant. Das Projekt gilt als wichtiger Baustein für den Aufbau einer nationalen Zulieferindustrie.

Parallel treibt Stellantis den Aufbau eines lokalen Zuliefernetzwerks voran. Dieses umfasst unter anderem Kunststoffkomponenten, Kabelsysteme, Reifen sowie weitere mechanische Bauteile. Ziel ist die Entwicklung eines automobilen Ökosystems rund um das Werk in Tafraoui bei Oran.

Trotz dieser Fortschritte befindet sich die Zulieferindustrie noch im Aufbau. Breite, industrielle Tiefe, Skaleneffekte und Exportfähigkeit fehlen bislang. Gleichwohl deuten die jüngsten Entwicklungen darauf hin, dass Algerien schrittweise über einfache Montage hinaus eine strukturierte Kfz‑Wertschöpfungskette aufbaut.