Wirtschaftsausblick | Angola
Diversifizierung treibt Wachstum in Angola
Bergbau, Landwirtschaft und Logistik sorgen für Wachstumsimpulse und eröffnen neue Geschäftsfelder - auch für deutsche Unternehmen. Die Abhängigkeit vom Öl bleibt jedoch hoch.
07.08.2026
Top-Thema: Angola setzt auf Logistik, Rohstoffe und neue Industrien
Angola setzt große Hoffnungen auf den Ausbau des Lobito-Korridors und die Erschließung seiner Rohstoffvorkommen. Der Korridor soll durch die Modernisierung des Hafens von Lobito sowie der landeinwärts führenden Benguela-Bahn Angola als regionalen Logistikstandort positionieren und besser mit den Rohstoffregionen der benachbarten Demokratischen Republik Kongo verbinden. Entlang der Verkehrsachse wird in Energieversorgung, Infrastruktur und verarbeitende Industrie investiert. Die EU unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Infrastruktur-Initiative Global Gateway.
Im Bergbau genießt das Longonjo-Projekt für Seltene Erden international große Aufmerksamkeit. Das Vorkommen gilt als eines der wichtigsten Projekte für kritische Rohstoffe in Afrika und steht beispielhaft für Angolas Bemühungen, neue Exportsektoren jenseits von Öl und Gas aufzubauen. Das Land verfügt zudem über Vorkommen von Kupfer, Eisenerz, Gold, Phosphat und weiteren kritischen Mineralien, die bisher nur teilweise erschlossen sind. Die Regierung bemüht sich verstärkt um internationale Investoren und vergibt neue Explorations- und Förderlizenzen.
Investition in Energie und Agrarwirtschaft
Darüber hinaus fördert sie Investitionen in den Agrarsektor, Tourismus und erneuerbare Energien. Die Landwirtschaft trägt inzwischen stärker zur Wirtschaftsleistung bei als noch vor wenigen Jahren und die industrielle Verarbeitung von Agrarprodukten entwickelt sich dynamisch. Auch die Energieversorgung wird ausgebaut. Großprojekte wie die Wasserkraftwerke Caculo Cabaça und Cambambe stärken die Stromerzeugung und ermöglichen neue Industrieansiedlungen. Daneben werden der Ausbau der Photovoltaik sowie Projekte für grünen Wasserstoff und Ammoniak vorangetrieben.
Wirtschaftsentwicklung: Moderate Erholung bei anhaltenden Risiken
Angolas Wirtschaft dürfte 2026 moderat wachsen. Die Prognosen liegen zwischen 2,3 Prozent (Internationaler Währungsfonds; IWF) und 4 Prozent (Economist Intelligence Unit). Wachstumstreiber sind vor allem die Sektoren Agrar, Bergbau und Transport, während die Ölproduktion aufgrund alternder Förderfelder weiter unter Druck steht.
Makroökonomisch hat Angola seit der Schuldenkrise 2020 Fortschritte erzielt. Die Inflation soll 2026 auf 12,8 Prozent zurückgehen (2025: 20,2 Prozent), die Staatsverschuldung ist gesunken und die Währungsstabilität hat sich verbessert. Dennoch belasten hohe Finanzierungskosten, eine nach wie vor schwache Industrialisierung sowie die starke Abhängigkeit von Rohstoffexporten die weitere Entwicklung. Öl liefert weiterhin den Großteil der Exporterlöse und Staatseinnahmen.
Regierung setzt Reformkurs fort
Die Regierung hält an ihrer Reformagenda fest. Privatisierungen, neue Investitionsanreize und der Ausbau digitaler Verwaltungsdienste sollen den Privatsektor stärken. Die Direktinvestitionen in nicht ölbezogene Sektoren erreichten 2025 einen Höchststand. Gleichzeitig bestehen erhebliche Standortnachteile fort. Unternehmen beklagen unter anderem Devisenengpässe und bürokratische Abläufe.
Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im August 2027 rücken politische Fragen stärker in den Fokus. Präsident João Lourenço von der Regierungspartei MPLA, die Angola seit der Unabhängigkeit 1975 durchgehend regiert, darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Beobachter berichten von parteiinternen Machtkämpfen um die Nachfolge. Gleichzeitig tritt die Oppositionspartei UNITA nach ihrem starken Abschneiden bei den Wahlen 2022 selbstbewusst auf und hofft auf weitere Zugewinne. Insgesamt wird jedoch weitgehend mit wirtschaftspolitischer Kontinuität gerechnet.
Deutsche Perspektive: Unternehmen erschließen neue Wachstumsfelder
Deutsche Unternehmen bewerten den angolanischen Markt in Gesprächen mit Germany Trade & Invest insgesamt positiv, wenngleich herausfordernd. Branchenübergreifend wird von Wachstum und neuen Geschäftsmöglichkeiten außerhalb des Ölsektors berichtet. Das Interesse zeigte sich auf der Industriemesse FILDA 2026, wo sich zehn deutsche Aussteller im Rahmen eines German Pavillion präsentierten.
Firmen aus Deutschland sind in Bereichen wie Wasser, Energie, Digitalisierung, Logistik und Infrastruktur, Bergbau, Industrieausrüstung sowie Umwelttechnik aktiv. Viele engagieren sich bei Schlüsselprojekten zur Diversifizierung der Wirtschaft. So ist Voith an mehreren großen Wasserkraftprojekten beteiligt. Der Pumpenhersteller KSB erwartet einen Ausbau seines Servicegeschäfts und sieht Chancen in Wasserinfrastruktur, Industrie und Bergbau. SAP begleitet die Digitalisierung von Unternehmen und Behörden. Das Unternehmen sieht zudem Potenzial für Angola als regionaler Daten- und Technologiestandort. Die Logistiker DHL und Hapag-Lloyd beobachten eine zunehmende Diversifizierung der Exporte. Neben Rohstoffen gewinnen Agrarprodukte und Lebensmittel an Bedeutung.
Bosch hat seine lokale Präsenz zuletzt deutlich ausgebaut und profitiert von Investitionen in Infrastruktur, Industrie und den Fahrzeugmarkt. Gleichzeitig setzt das Unternehmen stärker auf Lokalisierung: Im Rahmen eines konzernweiten Pilotprojekts dürfen drei Bosch-Gesellschaften in Afrika erstmals geschäftsbereichsübergreifend das gesamte Produktportfolio vertreiben. Nach Angaben des Unternehmens trägt dieser Ansatz den spezifischen Anforderungen kleinerer und anspruchsvoller Märkte Rechnung, in denen flexible Geschäftsmodelle gefragt sind.
Deutsche Exporte steigen
Das Handelsvolumen mit Deutschland ist 2025 gesunken. Grund dafür sind die deutlich niedrigeren deutschen Rohölimporte, während die Exporte nach Angola um 22 Prozent zunahmen. Treiber waren Maschinen und Industrieausrüstung, darunter Verpackungs- und Druckmaschinen, Krane, Pumpen und Filtertechnik. Deutlich zulegen konnten zudem elektrische Ausrüstungen, Stahlprodukte wie Rohre und Konstruktionselemente, Medizin- und Messtechnik sowie Weizen.
Weitere Informationen zu Angola erhalten Sie auf der GTAI-Länderseite.