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Markttrends

Brasiliens Nahrungsmittelbranche passt sich an Verbrauchertrends an und investiert fleißig. Der Markt lockt auch deutsche Unternehmen an.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Brasiliens Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie nutzt die Chancen, die sich aus dem hochproduktiven und stetig wachsenden Agrobusiness ergeben. Ein großer Teil der Investitionen zielt auf den Export ab, doch viele Impulse kommen auch vom großen Binnenmarkt. Im Jahr 2025 wurden 73 Prozent der Produktion im Inland verkauft. Die Dynamik der Branche verdeutlicht sich daran, dass im Durchschnitt zwei Betriebe pro Tag ihr Geschäft starten.

850

neue Produktionsstätten nahmen 2025 den Betrieb auf.

Nahrungsmittelpreise steigen tendenziell

Nach einem starken Preisanstieg 2024 stabilisierten sich die Verbraucherpreise für Lebensmittel im vergangenen Jahr. Die höchste Inflation 2025 verzeichneten Kaffee, Schokolade und Kakao sowie Mangos. Doch in diesem Jahr soll das Klimaphänomen El Niño die Ernte schwächen. Wirtschaftswissenschaftler rechnen deshalb für 2026 mit einer kräftigeren Inflation in der Ernährungswirtschaft. Neben dem Klima beeinflussen auch der Wechselkurs und die globale Nachfrage nach brasilianischen Exportprodukten die Nahrungsmittelpreise in Brasilien. 

Verbrauchertrends im Überblick

Hoher und weiter steigender Fleischkonsum

Brasilien gehört zu den wenigen Märkten weltweit, in denen der Fleisch- und Käseverzehr weiter steigt. Dabei gehört das Land mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 100 Kilogramm pro Jahr bereits zu den Top-Ten-Ländern mit dem höchsten Fleischkonsum weltweit. Wegen höherer Rindfleischpreise konsumieren die Haushalte mehr Hähnchen- und Schweinefleisch. Auch die Nachfrage nach Eiern steigt. Fisch verzehren die Brasilianer ebenfalls immer häufiger. Dennoch liegt der Pro-Kopf-Konsum von Fisch nur bei der Hälfte des weltweiten Durchschnitts.

Markt bietet Nischen für Premiumprodukte

Während die breite Bevölkerung auf eine möglichst preisgünstige Versorgung achtet, fragen Haushalte höherer Einkommensklassen fortwährend hochwertige Markenprodukte nach. Mit wachsender Kaufkraft gönnt sich die konsumfreudige Bevölkerung häufiger Luxusprodukte. Auch Haushalte mit geringerem Einkommen greifen mitunter zu teureren Produkten. Europäische Nahrungsmittel und Getränke sind beliebt. Beispielsweise hat Deutschland hohe Importanteile bei Bier, Schokolade und Gebäck.  

Tiefkühlgerichte gefragt

Laut den Marktforschern von Kantar Worldpanel fragen mehr als 60 Prozent der brasilianischen Haushalte Tiefkühlprodukte nach. Das sind fast doppelt so viele wie im lateinamerikanischen Durchschnitt. Das Angebot an Fertiggerichten wächst. Bislang geben die Haushalte aber weniger als 5 Prozent ihrer Nahrungsmittelausgaben für Tiefkühlkost aus. Von den Trends zu Homeoffice und mehr Bequemlichkeit profitieren auch sogenannte Dark Kitchens – Küchen ohne eigenes Restaurant, die nur für Lieferdienste kochen.

Weniger Bier und mehr Sportnahrung

Für Fast-Food-Ketten ist Brasilien ein Wachstumsmarkt. Gleichzeitig achten immer mehr Menschen auf gesunde Ernährung. Auch der Trend zu Abnehmspritzen treibt den Konsum von Sportnahrung und funktionellen Lebensmitteln an. Zudem verschärft die Gesundheitsaufsichtsbehörde Anvisa die Auflagen zunehmend. Transfettsäuren etwa sind seit 2023 verboten. 

Jüngere Generationen trinken weniger Alkohol. Entsprechend geht der Alkoholkonsum zurück. Brasiliens Biermarkt schrumpfte 2025 um 5 Prozent.

Nachhaltigkeit in der Branche wird wichtiger

Ein weiteres Trendthema ist Nachhaltigkeit. Große Fleischkonzerne wie BRF erfassen bereits die Emissionen entlang ihrer Lieferketten. Gestützt wird der Trend zu gesunden und nachhaltigen Produkten durch ein dynamisches Start-up-Ökosystem. Mit dem Fokus auf Gesundheit und Nachhaltigkeit mischen heute rund 500 Jungunternehmen den Nahrungsmittelsektor auf.

Ob Laborfleisch oder pflanzenbasierte Ernährung – Brasilien ist dabei

Auch wenn es noch immer keine konkrete Regulierung für den brasilianischen Markt gibt, wächst das Segment Fleisch- und Milchersatz aus pflanzlichem Eiweiß. Auf den Zukunftsmarkt setzen sowohl die großen Fleischkonzerne JBS und MBRF als auch Foodtechs wie Fazenda Futuro, Vida Veg, NotCo, NUDE., Positive Company, Ambi Real Food und Cellva. Auch Brasiliens Agrarforschungsinstitut Embrapa treibt die Innovation bei Laborfleisch voran.

Im März 2024 trat die Resolution RDC Nr. 839 in Kraft. Im Rahmen dieser Bestimmung vereinfacht Anvisa die Zulassung innovativer Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe, unabhängig davon, ob sie über Zellkulturen oder Fermentierung erzeugt wurden. The Good Food Institute (GFI) wertete die Resolution als Startschuss für höhere Investitionen in In-Vitro-Fleisch. JBS eröffnete Anfang April 2026 das JBS Biotech Innovation Center in Florianópolis (Santa Catarina). 

Vielfältige Chancen für deutsche Unternehmen

Für Zulieferer von Maschinen und von Vorprodukten ist die brasilianische Ernährungswirtschaft ein bedeutender Wachstumsmarkt. Mit dem EU-Mercosur-Abkommen gewinnt Brasilien an Bedeutung als Exportmarkt für europäische Lebensmittel und Getränke. Deutsches Bier, Schokolade und Gebäck gehören zu den Gourmetprodukten für Haushalte der mittleren und oberen Einkommensklasse. Von Jahr zu Jahr finden sich mehr deutsche Spezialitäten in den Regalen der brasilianischen Supermärkte. So stammten 2025 mehr als ein Drittel der Bier- und Schokoladenimporte aus Deutschland. Bei Gebäck machten deutsche Produkte 22 Prozent der Importe aus. Deutsche Weine oder Spirituosen sind bislang kaum am Markt vertreten.

Das EU-Mercosur-Abkommen sieht den Abbau von Zöllen und technischen Handelshemmnissen vor (weitere Informationen siehe Kapitel Rahmenbedingungen). Davon profitieren auch europäische Marken mit eigener Produktion vor Ort. Besonders bekannte deutsche Unternehmen sind Melitta und Dr. Oetker. Auch der Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen Symrise, Gelatinehersteller Gelita und Tiefkühlkostunternehmen VOSSKO produzieren in Brasilien. Ehrmann ist über das Molkereiunternehmen Trevo Lácteos im Land vertreten. Ireks aus Kulmbach investiert zusammen mit der Agrargenossenschaft Agrária in Guarapuava (Paraná) in Brasiliens erste Mälzerei für Spezialmalze. 

Doch die Produktion vor Ort lohnt sich nicht für alle Unternehmen: Haribo schloss im Juli 2026 seine erst zehn Jahre alte Fabrik in Bauru (São Paulo). 

Ausgewählte Projekte der Lebensmittel- und Getränkeindustrie in Brasilien
Projekt

Investitionssumme in Mio. US$ *) 

StandProjektträger
Erweiterung der Fabrik für Tiefkühl-Pommes und Kartoffelspezialitäten in Araxá (Minas Gerais) 

332

Ankündigung im November 2025, Investitionsplan 2026 bis 2027McCain
Verdopplung der Produktionskapazität für Getränke in Campos do Jordão (São Paulo) und São Lourenço (Minas Gerais)

233

Ankündigung im Juni 2026Grupo Edson Queiroz
Industrieanlage zur Herstellung von Spezialmalzen

197

Fertigstellung für 2028 vorgesehenCooperativa Agrária de Entre Rios und Ireks do Brasil
Erweiterung der Schweineverarbeitungsanlage in São Miguel do Oeste (Santa Catarina)

107

Baubeginn für 2027 vorgesehenAurora Coop
Investition in eine neue PET-Flaschen-Abfüllanlage, Infrastruktur, systemische Modernisierung und Logistik in Várzea Grande und in Vertriebszentren Sinop und Lucas do Rio Verde (Mato Grosso)

89

Investitionsplan 2026 bis 2029Solar Coca Cola
Erweiterung der Linie für hydrolysiertes Kollagen und Anschaffung von Ausrüstung für die Produktion von funktionellem Kollagen in Londrina (Paraná)

89

Inbetriebnahme bis 2027, zusätzliche Verdopplung der Kapazität bis 2030Gelprime der MBRF
Ausbau der Produktionskapazität in der Geflügelwirtschaft (Ceará)

80

Investitionen werden schrittweise bis 2029 umgesetztCialne
Stärkung der Geflügel- und Schweineproduktion (Paraná)

67

In der Umsetzungsphase; Freigabe der Mittel für Produzenten und industrielle Betriebe läuftMBRF
Erweiterung der Produktionskapazität der Biermarke Spaten in São Luís (Maranhão)

54

In der UmsetzungsphaseAmbev
Moderne Produktionsanlage für Milchprodukte in Amarantina/Ouro Preto (Minas Gerais)

54

Ankündigung im Februar 2026ITA Alimentos
* umgerechnet zum durchschnittlichen Wechselkurs 2025: 1 US$ = 5,59 R$.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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