Branche kompakt | Bulgarien | Maschinenbau
Markttrends
Die Aufträge erholen sich schleppend. Der Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung. Neue Impulse kommen aus der Glasindustrie, der Eisenbahnindustrie und der Rüstungsindustrie.
02.03.2026
Von Dominik Vorhölter | Sofia
Die Stimmung in der bulgarischen Maschinenbaubranche ist verhalten, denn die Unternehmen litten unter Auftragseinbrüchen. Hoffnung geben die europaweiten Investitionen in der Verteidigungsindustrie und eine erwartete Konjunkturerholung in Deutschland. Zusätzlich positiv wirkt die lokale Konjunktur: In Bulgarien stiegen 2025 die Bruttoanlageinvestitionen um 3,3 Prozent und die Aussichten sind positiv: Die bulgarische Wirtschaft wird 2026 weiter wachsen. Die Bruttoanlageinvestitionen werden voraussichtlich um 3,9 Prozent zulegen.
Unternehmen hoffen auf mehr Aufträge
Die schleppenden Auftragseingänge spiegeln sich in der Exportnachfrage wider. Wertmäßig stagnieren die Exporte nach Deutschland. Bulgarische Unternehmen exportieren rund 21 Prozent des branchenweiten Ausstoßes nach Deutschland.
der Exporte des bulgarischen Maschinenbaus gingen 2024 nach Deutschland (1,8 Milliarden Euro). Die Bundesrepublik ist damit wertmäßig der größte Abnehmer für Produkte der Branche.
"Bulgarien bleibt führend in den Segmenten Werkzeugmaschinen und Hydraulik. Bulgariens Maschinenbauunternehmen haben sich noch immer nicht ganz erholt von den wegbrechenden Aufträgen der vergangenen Jahre", sagt Violin Nenov. Er ist Manager bei der Bulgarischen Branchenkammer Maschinenbau (BBCM). "Das Problem ist, dass wir eine Wirtschaftsflaute in Deutschland beobachten und deutsche Kunden am stärksten betroffen sind von der Zollpolitik der Vereinigten Staaten“, erklärt Nenov.
Deutschland ist mit Abstand der größte Abnehmer von Produkten des bulgarischen Maschinenbaus, gefolgt von der Türkei (4,7 Prozent Exportanteil) und Rumänien (4 Prozent Exportanteil). Zu den exportstarken Produkten des bulgarischen Maschinenbaus zählen unter anderem Kühlgeräte, Hydraulikkomponenten und elektronische Komponenten. Bulgarien ist besonders für die deutsche Automobilindustrie ein wichtiger Beschaffungsmarkt.
Die Rüstungsindustrie wird ein neuer Wachstumstreiber
Rheinmetall plant, rund 1 Milliarde Euro in Bulgarien in ein Werk für Munition zu investieren. Gemeinsam mit dem staatlichen Rüstungskonzern Wasowsche Maschinenbaufabrik VZM plant der Düsseldorfer Rüstungskonzern, zusätzlich ein Joint Venture zu gründen. Ziel ist unter anderem, die Produktionsanlagen von VZM in Sopot zu modernisieren. VZM produziert Munition, die der bulgarische Staat hauptsächlich in die Ukraine liefert.
Es besteht Bedarf an Ausrüstung für die Produktion von Pulverchemie, an Sicherheitstechnik, Filter- und Entstaubungsanlagen, an Maschinen zur Metallbearbeitung (Gehäuse, Komponenten, Pressverfahren) sowie an Automatisierungs- und Messtechnik und Anlagen aus dem Spezialmaschinenbau, wie Pressen, und Munitionsfülltechnik.
Glasindustrie und Eisenbahn versprechen Chancen für Kooperationen
Die bulgarische Technoglass Group und das deutsche Unternehmen HORN Glass Industries AG planen ein gemeinsames Floatglaswerk in Burgas. Die Investition beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro, berichtet die Technoglass Group. Das Werk soll Ende 2027 mit einer Kapazität von 800 Tonnen Glas pro Tag in Betrieb gehen. Floatglas ist eine Form von Flachglas, die entsteht, indem geschmolzenes Glas auf ein Bad aus flüssigem Metall, meist Zinn, gegossen wird. Dadurch erhält das Glas eine gleichmäßige Dicke und ebene Oberfläche. Dieses Glas benötigt die Bauwirtschaft, etwa für den Bau von Glasfrontgebäuden. Ein hauptsächlicher Exportmarkt wird die Ukraine werden. Erst zum Jahresbeginn 2026 hat der türkische Hersteller Sisecam seine Investition in eine neue Beschichtungslinie im Werk in Tagovishte abgeschlossen.
Der tschechische Zughersteller Škoda liefert im Zeitraum bis August 2026 insgesamt 25 neue Züge an die bulgarischen Staatsbahnen. Das tschechische Unternehmen hat dabei die Wartung des rollenden Materials, der Batterien und weiterer Komponenten für mindestens 15 Jahre übernommen. Es plant, dafür mittelfristig Produktionsanlagen nach Bulgarien zu verlegen, berichtet die Zeitung Kapital.
Automatisierung und Digitalisierung geben der Branche neue Impulse
Eine immer engere Verzahnung des bulgarischen Maschinenbaus mit dem IT-Sektor verfolgen hauptsächlich deutsche Investoren. Im Segment Automatisierungstechnologie sind deutsche Unternehmen wie Festo, Liebherr, BHC-Thermocontrol und Eberspächer in Bulgarien führend.
Gleichzeitig steigt der Druck bei den lokalen kleinen und mittelständischen Unternehmen, Produktionsanlagen zu modernisieren und Abläufe und Prozesse in den Betrieben zu digitalisieren und zu automatisieren. Dieser Schritt sei für viele Unternehmen unerlässlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagt Violin Nenov, Manager bei BBCM.
Aus den EU-Fördertöpfen der Aufbau- und Resilienzfazilität verfügt das Ministerium für Innovation und Digitalisierung über Fördermittel in Höhe von rund 2 Milliarden Euro. Einzelne Förderprogramme laufen noch bis 2027 und werden auf der Informationsseite über EU-Förderprogramme veröffentlicht.
Mittelfristige Perspektiven der Branche sind positiv
Mittel- bis langfristig verspricht die Branche und die bulgarische Wirtschaft aber ein stärkeres Wachstum als vergleichsweise in westeuropäischen EU-Ländern. Der Bedarf an neuen Maschinen und Ausrüstungen im verarbeitenden Gewerbe in Bulgarien wird hoch bleiben. Politische Krisen im Land können Projekte mit EU-Mitteln verzögern. Im Bereich Ausrüstung für Solarenergieanlagen starten einzelne Großprojekte in Bulgarien. Ebenso erweitern etablierte Unternehmen wie M+S Hydraulik oder Schneider Electric ihre Produktionskapazitäten.
| Akteuer/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Solvay Sodi: Bau einer Dampferzeugungsanlage mit RFD-Brennstoffen | 179 | Fertigstellung innerhalb des 1. Quartals 2026 | Produktion von Soda |
| Smart Solar Technologies AD | 123 | in Umsetzung | Bau eines neuen Werks zur Herstellung von Solarmodulen und -zellen; in der Nähe von Stara Zagora; 800 Arbeitsplätze |
| Alcomet AD | 70 | in Umsetzung | Erweiterung des Produktmixes durch die Installation einer neuen Anlage und Produktionslinien in Shumen; 160 neue Arbeitsplätze |
| Schneider Electric Bulgaria: Bau des Hightech-Werks in Radinovo, Plovdiv | 70 | Erweiterung bis 2028 | Industrietechnologien, Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung |
| Festo Bulgaria EOOD | 40 | Erweiterung und Modernisierung läuft | Werkstatt zur Fertigung von komplexeren Geräten für die industrielle Automatisierung |
| M+S Hydraulic AD | 23 | bis 2027 | Bau eines neuen Werks zur Herstellung von Hydraulikmotoren; eine Kapazitätserhöhung von über 30 Prozent; 121 neue Arbeitsplätze |
| Smart Power Grid: spezialisiert auf Spannungsklassen bis 400 kV | 13 | in Umsetzung | Werk zur Herstellung von Schalttafeln, Transformatoren u.a. |
| INCA Machine Building: Neue Anlage am Standort in Plovdiv | 10 | in Umsetzung | Herstellung von Maschinen für die Produktion von Holzhackschnitzel |
| Sar Makina Bulgaria AD | 8 | in Umsetzung | Bau eines Werks zur Herstellung von Maschinen und Ersatzteilen in Shumen; 37 Arbeitsplätze |
| SKF Bearings Bulgaria EAD | 7 | Projektumsetzung bis 2026 | Erweiterung des bestehenden Kugellagerwerks in Sopot |
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