Wirtschaftsumfeld | China | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
Deutsche Firmen verzeichnen 2025 den geringsten Lohnanstieg seit Corona. Mit 3,2 Prozent liegt dieser nur wenig höher als das durchschnittliche Lohnplus in China.
02.12.2025
Von Robert Herzner | Bonn
Landesweit erhöhten sich die durchschnittlichen Jahreslöhne von städtischen Angestellten nach Angaben des nationalen Statistikamtes 2024 gegenüber dem Vorjahr um nominal 2,8 Prozent auf 124.110 Renminbi Yuan (RMB). Damit stiegen sie auf umgerechnet 17.289 US-Dollar (US$). Das verfügbare Einkommen der Stadtbevölkerung steigerte sich um nominal 4,6 Prozent auf umgerechnet 7.532 US$. Dies entspricht einem realen Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
2022 | Veränderung | 2023 | Veränderung | 2024 | Veränderung | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Allgemein | 5.446 | 5,0 | 5.536 | 6,3 | 5.742 | 5,3 |
| Städtische Bewohner | 7.277 | 3,9 | 7.315 | 5,1 | 7.532 | 4,6 |
| Landbewohner | 2.973 | 6,3 | 3.062 | 7,7 | 3.213 | 6,6 |
Lohnkosten steigen auch bei deutschen Firmen weniger stark
In ihrem jährlichen Labor Market and Salary Report 2025/2026 erfasst die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in China in Kooperation mit der Personalvermittlungsagentur Direct HR die Gesamtlohnkosten pro Mitarbeiter. Diese setzen sich aus den Bruttomonatslöhnen plus Lohnnebenkosten zusammen. Sie stiegen 2025 um 3,2 Prozent auf durchschnittlich 2.767 US$. Dies liegt deutlich unter der Prognose aus dem Vorjahr 2024 mit 3,8 Prozent und ist der geringste Anstieg seit der Coronapandemie. Für das Jahr 2026 rechnen die Befragten mit einer Steigerung von 3,2 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren.
Westchina holt auf
Die höchsten Lohn- und Lohnnebenkosten für deutsche Unternehmen erwarten die Studienautoren 2025 in Peking mit einem Median von 3.462 US$. Auf dem zweiten Platz kommt Shanghai mit 3.456 US$. Es folgen Tianjin mit 2.683 US$ und Kunshan sowie Taicang mit 2.651 US$. Während die Küstenregionen weiterhin die Spitzenpositionen halten, verzeichnen westliche Provinzen wie Hubei (+7,7 Prozent) und Guizhou (+6,9 Prozent) die stärksten Gehaltszuwächse. Das verringert das Gefälle zwischen den Metropolen und dem Landesinneren.
Viele Unternehmen verlagern administrative Tätigkeiten in kostengünstigere Städte wie Chongqing, Chengdu oder Xi’an. Gleichzeitig zieht es Arbeitnehmende aus Tier-1-Städten vermehrt in Regionen mit niedrigeren Lebenshaltungskosten – oft aus familiären Gründen. Schwerindustrieregionen wie Liaoning oder Henan profitieren von diesem Trend bislang weniger.
Generell liegen die Gehälter bei deutschen Unternehmen etwa 30 Prozent über dem Durchschnitt. Bei Produktionsarbeitern sowie Fachkräften der höheren und unteren Ebene ist im Vergleich zu 2024 ein leichter Anstieg zu verzeichnen, während die Mediankosten der mittleren Ebene mit 2.488 US$ auf dem Niveau des Vorjahres blieben. Anders als 2024 steigen die Mediankosten für Filialleitende auf durchschnittlich 9.677 US$ pro Monat und für die Geschäftsführung auf 16.099 US$.
Gehaltsplus im Bausektor am geringsten
Die höchsten Gehälter zahlt 2025 die Informations- und Kommunikationsindustrie (IKT). Mit einem Anstieg von 4,3 Prozent liegt diese Branche an der Spitze, dicht gefolgt von den Finanzdienstleistungen und der medizinischen Versorgung. Die Gehaltsanpassungen liegen mit 1,8 bis 4,3 Prozent deutlich unter dem Vorjahresniveau (bis zu 13 Prozent Plus). Der Bausektor verzeichnet mit 1,8 Prozent die geringste Gehaltssteigerung.
Innerhalb der IKT sind die höchsten Gehaltssprünge in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Softwareentwicklung und Industrie zu beobachten. Der Stellenabbau in chinesischen Unternehmen folgt dem globalen Trend bei großen Tech-Unternehmen und im verarbeitenden Gewerbe, der durch den Übergang zur Automatisierung bedingt ist.
| in RMB | Veränderung 1) | in US$ 2) |
|---|---|---|---|
Insgesamt | 10.343 | 2,8 | 1.438 |
Land- und Forstwirtschaft | 5.623 | 7,2 | 782 |
Bergbau | 11.726 | 4,2 | 1.630 |
Verarbeitendes Gewerbe | 8.999 | 3,9 | 1.251 |
Gas, Wasser, Elektrizität | 12.524 | 4,7 | 1.741 |
Bauwirtschaft | 7.460 | 4,3 | 1.037 |
Groß- und Einzelhandel | 10.805 | 4,3 | 1.502 |
Hotel und Gastronomie | 5.020 | 3,7 | 698 |
Transport, Lager, Post | 10.657 | 4,2 | 1.481 |
Informationstechnik, Telekommunikation, Software | 19.914 | 3,1 | 2.768 |
Banken- und Finanzsektor | 16.824 | 2,1 | 2.338 |
Immobilienbranche | 7.659 | 0,0 | 1.065 |
Öffentliche Verwaltung | 9.570 | -1,9 | 1.330 |
Bildungswesen | 10.515 | 1,7 | 1.462 |
Gesundheits- und Sozialwesen | 11.931 | -0,4 | 1.658 |
Mindestlöhne steigen erneut in einigen Regionen
China verfügt seit 2004 über ein Mindestlohnsystem gemäß den Artikeln 48 und 49 des Arbeitsgesetzes. Die Festsetzung des Mindestlohns erfolgt auf Provinzebene. Laut dem Ministerium für Human Resources and Social Security wurde der Mindestlohn 2025 in neun Regionen erhöht. Der höchste Mindestlohn besteht in Shanghai mit 381 US$ pro Monat, der niedrigste in Guangxi. Deutsche Unternehmen zahlen typischerweise deutlich über dem Mindestlohn, Details ergeben sich aus der GTAI Risikoanalyse zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.
| Provinz/Stadt | RMB | US$ *) | zuletzt festgesetzt am |
|---|---|---|---|
| Beijing | 2.540 | 353 | 01.09.2025 |
| Tianjin | 2.510 | 349 | 01.07.2025 |
| Shanghai | 2.740 | 381 | 01.07.2025 |
| Chongqing | 2.200 bis 2.330 | 306 bis 324 | 01.01.2025 |
| Shenzhen | 2.520 | 350 | 01.03.2025 |
| Innere Mongolei | 2.140 bis 2.270 | 297 bis 316 | 01.12.2024 |
| Liaoning | 1.700 bis 2.100 | 236 bis 292 | 01.05.2024 |
| Hebei | 1.800 bis 2.200 | 250 bis 306 | 01.01.2023 |
| Shandong | 1.820 bis 2.200 | 253 bis 306 | 01.10.2023 |
| Jiangsu | 2.010 bis 2.490 | 279 bis 346 | 01.01.2024 |
| Zhejiang | 2.010 bis 2.490 | 279 bis 346 | 01.01.2024 |
| Hubei | 1.800 bis 2.210 | 250 bis 307 | 01.02.2024 |
| Fujian | 1.895 bis 2.265 | 263 bis 315 | 01.04.2025 |
| Guangdong | 1.750 bis 2.500 | 243 bis 347 | 01.03.2025 |
| Sichuan | 2.200 bis 2.330 | 306 bis 324 | 01.01.2025 |
| Xinjiang | 1.750 bis 2.070 | 243 bis 288 | 01.01.2025 |
| Guizhou | 1.890 bis 2.130 | 263 bis 296 | 01.02.2025 |
| Qinghai | 2.080 | 289 | 01.05.2025 |
Weitere Lohnbestandteile
Zum Bruttogrundgehalt kommen vergleichsweise hohe Lohnnebenkosten hinzu, vor allem in Form von Sozialabgaben. Die gesetzliche Grundlage ist das "Social Insurance Law" (englische Fassung von 2011). Dabei wird zwischen den fünf Komponenten Kranken-, Arbeitslosen-, Mutterschafts-, Arbeitsunfall- und Rentenversicherung unterschieden.
| Sozialversicherungsarten | Beitragssatz des Arbeitgebers 1) | Beitragssatz des Arbeitnehmers |
|---|---|---|
| Rentenversicherung | 16% | 8% |
| Krankenversicherung 2) | 9,8% | 2% |
| Arbeitslosenversicherung | 0,5% | 0,5% |
| Unfallversicherung | 0,2 bis 1,9% | - |
In den für deutsche Unternehmen besonders relevanten Provinzen wurde die Beitragsbemessungsgrenze für Sozialversicherungsbeiträge im Jahr 2025 angepasst. Die Beträge variieren stark, Spitzenreiter sind Shanghai und Beijing mit Obergrenzen über 35.000 RMB (umgerechnet 4.916 US$), während Städte wie Chongqing oder Wuhan unter 23.000 RMB (3.230 US$) liegen. Guangzhou und Dalian weisen differenzierte Werte je nach Versicherungsart aus. Der Arbeitgeber ist außerdem verpflichtet, Beiträge zur Wohnbaurücklage (Housing Fund) zu entrichten, die in China eine große Bedeutung besitzt. Arbeitnehmer können das Geld verwenden, um Wohneigentum zu erwerben.
Zudem werden Zulagen zum Chinesischen Neujahrs- oder Mittherbstfest sowie ein 13. oder sogar 14. Monatsgehalt gewährt. Weitere Halteprämien zur Mitarbeiterbindung sind möglich. Demgegenüber stehen Beschäftigte im informellen Sektor. Sie verfügen häufig nicht über einen schriftlichen Arbeitsvertrag und können ihre Lohnansprüche nur schwer durchsetzen.
Spitzenpersonal erhalten Anteile an IP und IPO
In gehobenen Positionen und Branchen mit Bedarf an Fachpersonal sind weitere Zuwendungen üblich, etwa Zuschüsse zu privaten Kranken- und Lebensversicherungen, variable Boni, Leistungsprämien, Überstundenvergütung, Kinderzulagen oder Verpflegungs- und Fahrtkostenzuschüsse. Zusätzlich werden Gesellschaftsanteile an dem Unternehmen immer wichtiger, insbesondere bei Firmen, bei denen sich eine Börsennotierung abzeichnet. In der Forschung haben inzwischen auch deutsche Unternehmen die Praxis eingeführt, Mitarbeitern Anteile bei Patentanmeldungen auszuzahlen.