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Wirtschaftsumfeld | China | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Löhne und Gehälter

Deutsche Firmen verzeichnen 2025 den geringsten Lohnanstieg seit Corona. Mit 3,2 Prozent liegt dieser nur wenig höher als das durchschnittliche Lohnplus in China. 

Von Robert Herzner | Bonn

Landesweit erhöhten sich die durchschnittlichen Jahreslöhne von städtischen Angestellten nach Angaben des nationalen Statistikamtes 2024 gegenüber dem Vorjahr um nominal 2,8 Prozent auf 124.110 Renminbi Yuan (RMB). Damit stiegen sie auf umgerechnet 17.289 US-Dollar (US$). Das verfügbare Einkommen der Stadtbevölkerung steigerte sich um nominal 4,6 Prozent auf umgerechnet 7.532 US$. Dies entspricht einem realen Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Verfügbares Pro-Kopf-Nettoeinkommen in China(in US-Dollar *), nominale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent)
 

2022

Veränderung

2023

Veränderung

2024

Veränderung 

Allgemein

5.446

5,0

5.536

6,3

5.742

5,3

Städtische Bewohner

7.277

3,9

7.315

5,1

7.532

4,6

Landbewohner

2.973

6,3

3.062

7,7

3.213

6,6

* Umrechnung zum jeweiligen Jahresdurchschnittskurs der Deutschen Bundesbank (2022: 1 US$ = 6,7225 RMB; 2023: 1 US$ = 7,0841 RMB; 2024: 1 US$ = 7,1947 RMB).Quelle: National Bureau of Statistics of China (NBS) 2025; Deutsche Bundesbank 2025; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Lohnkosten steigen auch bei deutschen Firmen weniger stark 

In ihrem jährlichen Labor Market and Salary Report 2025/2026 erfasst die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in China in Kooperation mit der Personalvermittlungsagentur Direct HR die Gesamtlohnkosten pro Mitarbeiter. Diese setzen sich aus den Bruttomonatslöhnen plus Lohnnebenkosten zusammen. Sie stiegen 2025 um 3,2 Prozent auf durchschnittlich 2.767 US$. Dies liegt deutlich unter der Prognose aus dem Vorjahr 2024 mit 3,8 Prozent und ist der geringste Anstieg seit der Coronapandemie. Für das Jahr 2026 rechnen die Befragten mit einer Steigerung von 3,2 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren.

Westchina holt auf

Die höchsten Lohn- und Lohnnebenkosten für deutsche Unternehmen erwarten die Studienautoren 2025 in Peking mit einem Median von 3.462 US$. Auf dem zweiten Platz kommt Shanghai mit 3.456 US$. Es folgen Tianjin mit 2.683 US$ und Kunshan sowie Taicang mit 2.651 US$. Während die Küstenregionen weiterhin die Spitzenpositionen halten, verzeichnen westliche Provinzen wie Hubei (+7,7 Prozent) und Guizhou (+6,9 Prozent) die stärksten Gehaltszuwächse. Das verringert das Gefälle zwischen den Metropolen und dem Landesinneren.

Viele Unternehmen verlagern administrative Tätigkeiten in kostengünstigere Städte wie Chongqing, Chengdu oder Xi’an. Gleichzeitig zieht es Arbeitnehmende aus Tier-1-Städten vermehrt in Regionen mit niedrigeren Lebenshaltungskosten – oft aus familiären Gründen. Schwerindustrieregionen wie Liaoning oder Henan profitieren von diesem Trend bislang weniger.

Generell liegen die Gehälter bei deutschen Unternehmen etwa 30 Prozent über dem Durchschnitt. Bei Produktionsarbeitern sowie Fachkräften der höheren und unteren Ebene ist im Vergleich zu 2024 ein leichter Anstieg zu verzeichnen, während die Mediankosten der mittleren Ebene mit 2.488 US$ auf dem Niveau des Vorjahres blieben. Anders als 2024 steigen die Mediankosten für Filialleitende auf durchschnittlich 9.677 US$ pro Monat und für die Geschäftsführung auf 16.099 US$.

Gehaltsplus im Bausektor am geringsten

Die höchsten Gehälter zahlt 2025 die Informations- und Kommunikationsindustrie (IKT). Mit einem Anstieg von 4,3 Prozent liegt diese Branche an der Spitze, dicht gefolgt von den Finanzdienstleistungen und der medizinischen Versorgung. Die Gehaltsanpassungen liegen mit 1,8 bis 4,3 Prozent deutlich unter dem Vorjahresniveau (bis zu 13 Prozent Plus). Der Bausektor verzeichnet mit 1,8 Prozent die geringste Gehaltssteigerung. 

Innerhalb der IKT sind die höchsten Gehaltssprünge in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Softwareentwicklung und Industrie zu beobachten. Der Stellenabbau in chinesischen Unternehmen folgt dem globalen Trend bei großen Tech-Unternehmen und im verarbeitenden Gewerbe, der durch den Übergang zur Automatisierung bedingt ist.

 

Durchschnittliche Bruttomonatslöhne städtischer Arbeitnehmer 2024 nach Branchen

 

in RMB

Veränderung 1)

in US$ 2)

Insgesamt

10.343

2,8

1.438

Land- und Forstwirtschaft

5.623

7,2

782

Bergbau

11.726

4,2

1.630

Verarbeitendes Gewerbe

8.999

3,9

1.251

Gas, Wasser, Elektrizität

12.524

4,7

1.741

Bauwirtschaft

7.460

4,3

1.037

Groß- und Einzelhandel

10.805

4,3

1.502

Hotel und Gastronomie

5.020

3,7

698

Transport, Lager, Post

10.657

4,2

1.481

Informationstechnik, Telekommunikation, Software

19.914

3,1

2.768

Banken- und Finanzsektor

16.824

2,1

2.338

Immobilienbranche

7.659

0,0

1.065

Öffentliche Verwaltung

9.570

-1,9

1.330

Bildungswesen

10.515

1,7

1.462

Gesundheits- und Sozialwesen

11.931

-0,4

1.658

1 nominale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent; 2 Umrechnung zum Jahresdurchschnittskurs der Deutschen Bundesbank (2024: 1 US$ = 7,1947 RMB).Quelle: National Bureau of Statistics of China (NBS) 2025; Deutsche Bundesbank 2025; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Mindestlöhne steigen erneut in einigen Regionen

China verfügt seit 2004 über ein Mindestlohnsystem gemäß den Artikeln 48 und 49 des Arbeitsgesetzes. Die Festsetzung des Mindestlohns erfolgt auf Provinzebene. Laut dem Ministerium für Human Resources and Social Security wurde der Mindestlohn 2025 in neun Regionen erhöht. Der höchste Mindestlohn besteht in Shanghai mit 381 US$ pro Monat, der niedrigste in Guangxi. Deutsche Unternehmen zahlen typischerweise deutlich über dem Mindestlohn, Details ergeben sich aus der GTAI Risikoanalyse zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

 

Mindestlöhne in China nach ausgewählten Regionen
Provinz/Stadt

RMB

US$ *)

zuletzt festgesetzt am

Beijing2.54035301.09.2025
Tianjin2.51034901.07.2025
Shanghai2.74038101.07.2025
Chongqing2.200 bis 2.330306 bis 32401.01.2025
Shenzhen2.52035001.03.2025
Innere Mongolei2.140 bis 2.270297 bis 31601.12.2024
Liaoning1.700 bis 2.100236 bis 29201.05.2024
Hebei1.800 bis 2.200250 bis 30601.01.2023
Shandong1.820 bis 2.200253 bis 30601.10.2023
Jiangsu2.010 bis 2.490279 bis 34601.01.2024
Zhejiang2.010 bis 2.490279 bis 34601.01.2024
Hubei1.800 bis 2.210250 bis 30701.02.2024
Fujian1.895 bis 2.265263 bis 31501.04.2025
Guangdong1.750 bis 2.500243 bis 34701.03.2025
Sichuan2.200 bis 2.330306 bis 32401.01.2025
Xinjiang1.750 bis 2.070243 bis 28801.01.2025
Guizhou1.890 bis 2.130263 bis 29601.02.2025
Qinghai2.08028901.05.2025
* Umrechnung zum Jahresdurchschnittskurs der Deutschen Bundesbank (2024: 1 US$ = 7,1947 RMB).Quelle: Lokale Arbeitsbehörden 2025; Deutsche Bundesbank 2025; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Weitere Lohnbestandteile

Zum Bruttogrundgehalt kommen vergleichsweise hohe Lohnnebenkosten hinzu, vor allem in Form von Sozialabgaben. Die gesetzliche Grundlage ist das "Social Insurance Law" (englische Fassung von 2011). Dabei wird zwischen den fünf Komponenten Kranken-, Arbeitslosen-, Mutterschafts-, Arbeitsunfall- und Rentenversicherung unterschieden. 

Sozialbeiträge 2025 in Beijing
Sozialversicherungsarten

Beitragssatz des Arbeitgebers 1)

Beitragssatz des Arbeitnehmers

Rentenversicherung16%8%
Krankenversicherung 2)

9,8%

2%

Arbeitslosenversicherung0,5%0,5%
Unfallversicherung

                         0,2 bis 1,9%

-
1 grundsätzlich 60 Prozent beziehungsweise 300 Prozent des örtlichen durchschnittlichen Bruttolohns jeweils als untere und obere Bemessungsgrenze; 2 Zusammenlegung von der früheren Krankenversicherung und Mutterschutzversicherung zum 01.01.2020.Quelle: Beijing Municipal Bureau of Human Resources and Social Security 2025

In den für deutsche Unternehmen besonders relevanten Provinzen wurde die Beitragsbemessungsgrenze für Sozialversicherungsbeiträge im Jahr 2025 angepasst. Die Beträge variieren stark, Spitzenreiter sind Shanghai und Beijing mit Obergrenzen über 35.000 RMB (umgerechnet 4.916 US$), während Städte wie Chongqing oder Wuhan unter 23.000 RMB (3.230 US$) liegen. Guangzhou und Dalian weisen differenzierte Werte je nach Versicherungsart aus. Der Arbeitgeber ist außerdem verpflichtet, Beiträge zur Wohnbaurücklage (Housing Fund) zu entrichten, die in China eine große Bedeutung besitzt. Arbeitnehmer können das Geld verwenden, um Wohneigentum zu erwerben.

Zudem werden Zulagen zum Chinesischen Neujahrs- oder Mittherbstfest sowie ein 13. oder sogar 14. Monatsgehalt gewährt. Weitere Halteprämien zur Mitarbeiterbindung sind möglich. Demgegenüber stehen Beschäftigte im informellen Sektor. Sie verfügen häufig nicht über einen schriftlichen Arbeitsvertrag und können ihre Lohnansprüche nur schwer durchsetzen.

Spitzenpersonal erhalten Anteile an IP und IPO 

In gehobenen Positionen und Branchen mit Bedarf an Fachpersonal sind weitere Zuwendungen üblich, etwa Zuschüsse zu privaten Kranken- und Lebensversicherungen, variable Boni, Leistungsprämien, Überstundenvergütung, Kinderzulagen oder Verpflegungs- und Fahrtkostenzuschüsse. Zusätzlich werden Gesellschaftsanteile an dem Unternehmen immer wichtiger, insbesondere bei Firmen, bei denen sich eine Börsennotierung abzeichnet. In der Forschung haben inzwischen auch deutsche Unternehmen die Praxis eingeführt, Mitarbeitern Anteile bei Patentanmeldungen auszuzahlen.

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