a futuristic modern buildings in denmark by the water A futuristic modern buildings in denmark | © Johny Kristensen/magann- stock.adobe.com

Dänemark | Architekturdienstleistungen

Willige Partner, schwieriger Markt

Nachhaltigkeit und die schwächelnde Baukonjunktur verändern die dänische Architekturlandschaft. Für ausländische Büros bestehen weiterhin hohe Eintrittshürden.

Von Michał Woźniak | Stockholm

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) kürte Kopenhagen zur Weltarchitekturhauptstadt 2023. Als Inspiration lohnt sich der Blick auf Deutschlands nördlichen Nachbarn auf jeden Fall - es gibt viel zu lernen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Baustil. Doch kann Dänemark deutschen Firmen auch mehr Aufträge bringen?

  • Der Abschwung in der Baubranche schmälert das Betätigungsfeld für Architekten. Dänische Firmen suchen Partner, um ihr Auslandsgeschäft zu stärken.

    Die dänische Architekturwelt durchlebt zurzeit eine Wende. Die grüne Agenda der Regierung verändert, wie gebaut wird. "Neu ist nicht mehr gut - man könnte sogar fragen, ob es noch den gleichen ästhetischen Wert hat", sagt Dorte Sibast, Leiterin der Entwicklungsabteilung beim Architektenverband Arkitektforening.

    Entsprechend legte die Regierung 2020 ein Gebäuderenovierungsprogramm mit einem Budget von etwa 4 Milliarden Euro bis 2026 auf. Damit beschleunigt sie den Trend zum Modernisieren, Umfunktionieren und Revitalisieren. Dieser kommt in der realen Welt allerdings oft an seine Grenzen. "Das Baurecht und -Anforderungen stehen in gewisser Weise dem Trend entgegen", erklärt Lars Emil Kragh, stellvertretender Direktor des dänischen Verbandes der Architekturbüros Danske Ark.

    Betätigungsfelder für Architekten bieten sich aufgrund der strikten rechtlichen Vorgaben weiterhin im Neu- und Bestandsbau. "Wir sind in einer volatilen Situation. In 2022 stiegen die Umsätze der Architekturfirmen noch gegenüber dem Vorjahr. Für dieses Jahr wird ein leichter Rückgang prognostiziert", warnt Kragh. Im Gewerbebau sei die Lage weiterhin gut, denn der Bedarf an Büros ist noch immer vorhanden. Der Trend hin zum Homeoffice hat sich nur bedingt etablieren können.

     

    Der Bau neuer Gebäude wird durch den Einfluss der Coronapandemie auf den Einzelhandel gehemmt. Der E-Commerce boomt seitdem und es müssen weniger Ladenflächen gebaut werden. Dem Wohnungsbau machen hingegen hohe Zinsen und gestiegene Baukosten zu schaffen. "Die Auftragsvergaben der Bauträger sind zusammengebrochen - vor allem im Kopenhagener Einzugsgebiet sowie in Aarhus", sagt Kragh. Im Einfamilien- und Doppelhaussegment ist die Lage nicht ganz so schlimm. Der Abschwung vertiefte sich im 1. Quartal 2023 aber weiter, wie aus Daten des dänischen Statistikamtes DST hervorgeht.

    Konsolidieren und Kooperieren

    Die Architekturwelt verändert sich auf mehreren Ebenen. Der Trend zur Unternehmenskonsolidierung ist vor allem bei den großen und mittelgroßen Studios sichtbar. Erst Anfang 2023 integrierte das Nordic Office of Architecture die Studios Rubow Arkitekter sowie Norconsult Arkitektur und schuf laut eigenen Angaben "den Marktführer für Wohn-, Gesundheits-, Flughafen- und Bildungsprojekte im Norden". Mittelgroße Unternehmen wie No.57 und BK Nord bündeln derweil ihre Kräfte, um ihr Dienstleistungsportfolio und Kapazitätspotenzial auszubauen.

    "Kleinere Spieler wollen sich alleine durchschlagen und setzen dabei auf Kooperationen", erklärt Kragh. Schon wegen der Marktgröße sind enge Netzwerke ein fester Bestandteil der dänischen Geschäftswelt. In der Architektur werden sie auch dadurch begünstigt, dass es im Land nur zwei maßgebliche Ausbildungsstätten gibt: die Aarhus School of Architecture sowie die Königliche Dänische Kunstakademie in Kopenhagen. "Jeder kennt jeden" heißt es einstimmig in der Branche. Das macht nicht nur die Zusammenarbeit einfacher. Wenn ein Studio nicht genug Aufträge bekommt, helfen die Eigentümer oft ihren schlecht ausgelasteten Mitarbeitern, einen neuen Job bei einem anderen Unternehmen zu finden.

    Ein Netzwerk ist Trumpf

    Kleine Architekturbüros müssen ein etabliertes Netzwerk haben, um erfolgreich Kunden zu gewinnen. Private Investoren - ob klein oder groß - suchen Auftragnehmer und vergeben Aufträge vor allem über Kontakte. Auch öffentliche Vorhaben, die unter der Ausschreibungsschwelle liegen, werden laut Experten oft Dienstleistern direkt angeboten. Ausgeschriebene Projekte setzen derweil eine Mindestmitarbeiterzahl oder eine Mindestumsatzgröße des Bieters voraus. Kleinere Firmen können dies meist nicht aufbringen und benötigen dazu Partner.

    Viele Aufträge der öffentlichen Hand bleiben großen Unternehmen vorbehalten. Kommunen vergeben oftmals mehrjährige Rahmenverträge, die entweder die gesamte Gebäudeplanung für drei bis vier Jahre oder gar Planung und Bau für diesen Zeitraum umfassen. Es zählen somit nicht nur Kapazitäten, sondern auch der Umfang der angebotenen Dienstleistungen. Hier bieten sich jedoch vereinzelt Chancen für kleinere Unterauftragnehmer.

    Um die öffentlichen Auftraggeber zu sensibilisieren, startete die Dreyers Foundation zusammen mit der Architektenvereinigung das Projekt START. Die 35 ausgewählten jungen Designstudios sollen an konkrete Aufgaben in Kommunen vermittelt werden. "Ziel ist es, neue Kooperationen zu erleichtern sowie das Talent und die Fähigkeiten neu gegründeter Designstudios, die noch über wenige Referenzen und Erfahrung verfügen, aufzuzeigen", erklärt Sibast.

    Einseitige Internationalisierung

    Die dänische Architekturbranche expandiert international, um sich den Marktbedingungen anzupassen. Laut dem dänischen Statistikamt DST sind die Auslandsumsätze dänischer Architekturfirmen zwischen 2013 und 2021 fast viermal schneller gewachsen als die im Inland. "Der dänische Markt ist klein und hart umkämpft. Man kann nur Geld verdienen, wenn man hochproduktiv ist. Die dafür notwendige Mentalität hilft natürlich auch im Ausland", erklärt Kragh. Zudem sind Kreativität und die Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen, wichtige Eigenschaften, die während der Ausbildung gefördert werden und in eine Kooperation eingebracht werden können.

    Einen Partner braucht es in Dänemark: Jemanden, der die dänische Gesetzgebung verinnerlicht hat und die hauptsächlich in der Landessprache gehaltenen Abläufe mitgestalten kann. Selbst ein Global Player wie Zaha Hadid Architects entschied 2022 den Architekturwettbewerb für ein neues Stadion in Aarhus nur in Zusammenarbeit mit den lokalen Unternehmen Sweco und Tredje Natur. Obwohl dänische Architekturstudios zahlreiche Mitarbeiter aus aller Welt beschäftigen, kommen sie mit ausländischen Architekturbüros eher auf Drittmärkten zusammen.

    Geplant wird fast ausschließlich digital

    Das Building Information Modeling (BIM) ist in Dänemark gängige Praxis. Öffentliche Auftraggeber setzen es voraus. Laut dem Baumaterialienhersteller Xella werden auf 90 Prozent aller Baustellen in Dänemark keine Papierpläne mehr verwendet. Von der Planung über den Entwurf bis hin zum Bau und Betrieb - alles läuft am (mobilen) Bildschirm. "Es geht nicht nur um die Konstruktion, der virtuelle Zwilling kann auch Informationen über Energieverbrauch, Wartung und vieles mehr enthalten. Das 3D-Modell macht diese Daten für uns vorstellbar", sagt Rasmus Jensen, Xella's Digital Transformation Manager.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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  • Der dänische Markt für Architekturdienstleistungen bietet Vielfalt, aber nur wenig Chancen für ausländische Akteure. Besonders Nischenprojekte sind gefragt.

    Thomas Ringhof, Wuttke & Ringhof Dies ist ein eingebettetes Bild | © Wuttke & Ringhof

    Großflächige Revitalisierungsprojekte, neu aufgeschüttete Inseln mit nahezu unbegrenzten Kreativitätsspielraum und prestigeträchtige öffentliche Bauten - auf den ersten Blick erscheint Dänemark wie ein Architekten-Nirvana mit vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten.

    Doch der Markt bevorzugt große Unternehmen und die Bau- und Sprachpraxis stellen hohe Anforderungen an ausländische Baukünstler. Im Interview mit Germany Trade & Invest (GTAI) spricht Thomas Ringhof über die Herausforderungen und Realitäten des dänischen Marktes für Architekturdienstleistungen. Mit seinem Architekturbüro Wuttke & Ringhof Architekten ist er 2007 von Berlin nach Kopenhagen umgezogen.

    Herr Ringhof, auch wenn Ihr Portfolio Projekte in Dänemark und Deutschland umfasst, finden sich größere Realisierungen wie das preisgekrönte Inklusionshotel in Eutin vor allem in Ihrer alten Heimat. Woran liegt das?

    Durch seine Organisation ist der dänische Markt für ausländische Architekturbüros schwer zu erschließen. Mir fällt auch keines ein, das hier derzeit im größeren Umfang tätig wäre.

    Vor allem kleinen Büros bieten sich kaum Möglichkeiten in den wichtigen öffentlichen Markt einzusteigen. Offene Architekturwettbewerbe sind sehr selten. Kommunen und Gemeinden schreiben solche überhaupt nicht aus. Zwar werden auch in Deutschland offene Wettbewerbe mit einem Kostenrahmen bis 2 oder 3,5 Millionen Euro immer seltener. Aber es gibt diese für kleinere Studios interessanten Möglichkeiten beispielsweise im Bildungs- oder Kulturbau immer noch.

    In Dänemark werden solche Projekte hingegen oft von mehrjährigen Rahmenverträgen abgedeckt. Eine Kommune sucht einen Dienstleister für drei oder vier Jahre aus, der alle Bauprojekte in dem Zeitraum entweder plant oder gar plant und ausführt. Um diese Rahmenverträge - genau wie die noch vereinzelt separat ausgeschriebenen Einzelprojekte - können nur große Unternehmen buhlen: Die Teilnahmekriterien setzen hohe Mindestanforderungen bezüglich Umsatz oder Mitarbeiterzahl.

    Ihr Restaurierungsprojekt neben der Frederikskirche in der Kopenhagener Innenstadt oder der unweit gelegene Dachterrassenausbau in Østerbro lassen erahnen, dass es einfacher ist, mit privaten Investoren ins Geschäft zu kommen?

    Diese Projekte zeigen vor allem, dass der Bedarf in Nischen, wie Instandsetzung und Denkmalpflege, am größten ist. Und ja, private Aufträge sind für kleine Architekturbüros theoretisch einfacher zu gewinnen. Nur sind die Prozeduren einerseits weniger transparent als öffentliche Ausschreibungen. Andererseits sind sie ohne entsprechendes Netzwerk nur schwer auszumachen. Deswegen ist zumindest ein Partner vor Ort unabdinglich. Der hilft dann auch bei der Kommunikation: Wie in allen Ländern werden auch in Dänemark Bauprojekte bevorzugt in Landessprache abgewickelt.

    Ein Einfallstor können auch Generalunternehmer darstellen, die zumindest teilweise einzelne Projektphasen an Unterauftragnehmer vergeben, beispielsweise an Planer, Ingenieure oder Architekten. Allerdings kommen auch hier Netzwerke zum Tragen.

    Wenn wir schon bei Planern, Ingenieuren und Architekten sind: Unterscheidet sich die Arbeitsteilung stark von der in Deutschland?

    Dem dänischen Ausbildungssystem geschuldet ist die Rolle von Architekten hierzulande anders, "kleiner", als in Deutschland. Während des Architekturgrundstudiums liegt der Fokus fast gänzlich auf künstlerischen und kreativen Aspekten. Das in Deutschland zusätzlich vermittelte Ingenieur- und Materialwissen fehlt. Anders als in Deutschland, wo Architekten die Federführung bis hin zur Bauüberwachung übernehmen, steht diese Rolle in Dänemark deswegen eher den Ingenieuren zu.

    Wäre ein dänisches Ingenieurbüro ein geeigneter Partner, um auf dem Markt Fuß zu fassen?

    Leider nur in der Theorie, da es kaum noch unabhängige Ingenieure in Dänemark gibt. Die meisten arbeiten bei den großen Planungsberatern wie Ramboll, Cowi oder Sweco. Oder direkt bei Bauunternehmen, die oft selbst über große Architektur- und Ingenieursplanungsabteilungen verfügen.

    Kommt ein ausländischer Architekt überhaupt alleine mit der dänischen Baurealität zurecht?

    Für deutsche Dienstleister sollte zumindest das Baurecht keine allzu großen Fragen aufwerfen. Es ist dem deutschen sehr ähnlich. Allerdings sind die Vorschriften in Dänemark weniger klar gegliedert.

    Größere Unterschiede ergeben sich in der Baupraxis. Abgesehen von der bereits erwähnten Sprachfrage ist der Planungs- und Bauprozess in Dänemark sehr stark digitalisiert. Das BIM (Building Information Modeling) gehört zum Alltag. Gearbeitet wird "papierlos", ausschließlich an Bildschirmen. Bei öffentlichen Aufträgen sind digitale 3D-Modelle bereits seit etwa 15 Jahren Pflicht.

    Zudem gibt es weitreichende Vorgaben bezüglich der Nachhaltigkeit. Das bezieht sich vor allem auf die rechtlich festgeschriebenen Obergrenzen der Umweltbelastung durch eingesetzte Materialien, die anhand der LCA (Lebenszyklusanalyse) kontinuierlich verschärft werden. Daraus folgt beispielsweise, dass das bisherige Grundbaumaterial, der Beton, zumindest teilweise ersetzt werden muss. Das wiederum führt zu Experimenten mit einem immer breiteren Einsatz von Holz oder anderen alternativen und recycelten Baustoffen.

    Sind dänische Auftraggeber nachhaltigkeitsbegeistert oder setzen sie nur widerwillig die rechtlichen Vorgaben um?

    Die Nachhaltigkeit spiegelt sich zunehmend auch in den Anforderungen der Auftraggeber wieder. Zusammen mit der generellen Offenheit der Dänen für Innovationen bietet dies mehr Möglichkeiten, Alleinstellungsmerkmale in das eigene Projekt einzuarbeiten.

    Allerdings hat der Kostenfaktor - der auch hierzulande immer mitentscheidend war - durch die Inflation und den Wirtschaftsabschwung noch an Gewicht gewonnen. Dabei war schon vorher bei kleineren Aufträgen das Preisniveau für Architekturdienstleistungen niedriger als in Deutschland.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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  • Die Dienstleistungserbringung in Dänemark ist mit einigen Formalitäten verbunden - vor allem im Baubereich. Die Planungsvorgaben können lokal teils stark variieren.

    Dänemark hat die EU-Dienstleistungsrichtlinie primär durch das Gesetz zu Dienstleistungen im Binnenmarkt (Lov om tjenesteydelser i det indre marked) umgesetzt. Seither wurden weitere Rechtsvorschriften an die Vorgaben der Richtlinie angepasst. Eine Übersicht der dänischen Umsetzungsakte bietet das europäische Gesetzgebungsportal EUR-Lex.

    Der in der Richtlinie geforderte einheitliche Ansprechpartner ist die Danish Business Authority. Sie bietet Unternehmen, die in Dänemark vorübergehend eine Wirtschaftstätigkeit ausüben oder sich im Land niederlassen wollen, Informationen zu geltenden Vorschriften und Registrierungspflichten sowie Einzelheiten zu staatlichen Behörden und Arbeitsmarktorganisationen.

    Registrierung ist Pflicht

    Nicht in Dänemark niedergelassene Dienstleister, die nur zeitweise Dienstleistungen im Land ausführen, müssen sich vorab in das Register für ausländische Dienstleister (Registret for Udenlandske Tjenesteydere - RUT) eintragen lassen. Informationen zum RUT-Register stehen auch in deutscher Sprache zur Verfügung. Einen Leitfaden zur RUT-Registrierung stellt die Deutsch-Dänische Handelskammer (AHK) zur Verfügung.

    Neben der einmaligen Unternehmensregistrierung muss grundsätzlich jede in Dänemark zu erbringende Dienstleistung gemeldet werden (RUT-Meldung). Die im Rahmen der Meldung getätigten Angaben sind teilweise öffentlich einsehbar: Hierzu zählen insbesondere der Name des Unternehmens, die Geschäftsadresse sowie das Datum des Beginns und der Beendigung der Dienstleistungserbringung. Zudem sind Änderungen spätestens am nachfolgenden Arbeitstag mitzuteilen; andernfalls drohen hohe Geldstrafen. Die Registrierungspflicht gilt unabhängig davon, ob in Dänemark Umsatzsteuer zu entrichten ist oder nicht. Darüber hinaus müssen ausländische Dienstleister eine Kontaktperson für dänische Behörden aus dem Kreis derjenigen Mitarbeitenden bestimmen, die die Dienstleistung in Dänemark erbringen, § 7a Arbeitnehmerentsendegesetz (Lov om udstationering af lønmodtagere m.v.).

    Entsendung

    Die Tätigkeit als Architekt fällt in Dänemark nicht unter die reglementierten Berufe. Deutsche Dienstleister benötigen keine gesonderte Anerkennung der Berufsqualifikation. Nichtdestotrotz müssen die geltenden Regeln für die Arbeitnehmerentsendung beachtet werden. Im Baubereich ergeben sich zusätzliche Auflagen, beispielsweise bei Versicherungen, Arbeitssicherheit oder der Einhaltung geltender Tarifverträge. Auch hierzu bietet die AHK Dänemark einen Leitfaden.

    Sollte kein lokaler Partner für die Durchführung des Auftrags zur Verfügung stehen, stellt sich zumindest die Frage nach lokalen Arbeitskräften - Bauprojekte werden grundsätzlich auf Dänisch abgewickelt und Netzwerke können eine große Rolle spielen. Das dänische Arbeitsrecht macht durch seine Flexibilität sowohl die Einstellung als auch die Beendigung eines Arbeitsvertrages vergleichsweise einfach.

    Ausländische Unternehmen, die Mitarbeitende nach Dänemark entsenden, werden durch die dortigen Gewerkschaften bezüglich des Abschlusses eines Tarifvertrags kontaktiert. Dies kann entweder über individuelle Absprachen mit der Gewerkschaft selbst oder durch die Mitgliedschaft bei einem Arbeitgeberverband, deren Tarifvertrag übernommen wird, erreicht werden. Das Entscheidende dabei ist jedoch, dass der Basislohn für entsandte und lokale Angestellte gleich sein muss.

    Verträge nach Muster

    Im Baubereich geschlossene Verträge orientieren sich in Dänemark häufig an den Allgemeinen Arbeits- und Lieferbedingungen im Bau und Baugewerbe (AB 18), den Allgemeinen Bedingungen für die Beratung und Unterstützung im Bau- und Tiefbaugewerbe (ABR 18) beziehungsweise den Allgemeinen Geschäfts- und Lieferbedingungen im Bau- und Tiefbaugewerbe (AB 92). Diese regeln unter anderem:

    Sie können ferner gesetzlich nicht vorgeschriebene Pflichten einführen, wie den Abschluss einer Haftpflichtversicherung (AB 92, § 8). Die Standardbedingungen müssen ausdrücklich vereinbart werden. Die Abbedingung einzelner Klauseln ist möglich.

    Bau- und Planungsrecht

    Ist der Auftrag sicher, müssen bei der Planung zahlreiche Vorgaben berücksichtigt werden. Wie Praktiker bescheinigen, gestaltet sich die Suche nach den notwendigen Vorgaben dabei schwieriger als in Deutschland - sie sind oft nicht zusammenhängend erfasst und müssen an mehreren Stellen ausfindig gemacht werden.

    Für die technischen Aspekte ist in erster Linie die Durchführungsverordnung zu den Bauvorschriften (BR 18) zu beachten. Diese stellt die Agentur für Arbeitsumfeld auch in einer - allerdings inoffiziellen - englischsprachigen Version zur Verfügung. Ferner sollten die Kommunalpläne, die vor allem die Prioritäten der Gemeinden bei der Flächennutzung festhalten, sowie die als ihre Erweiterung ausgelegten lokalen Bauleitpläne beachtet werden. Ein lokaler Plan kann beispielsweise bestimmen, wofür ein Gebiet und die darauf befindlichen Gebäude genutzt werden sollen, wo und wie neugebaut werden darf, welche Gebäude erhalten bleiben müssen oder wie unbebaute Flächen angeordnet werden sollen.

    Ein in den letzten Jahren zunehmender Trend ist die Entwicklung von sogenannten Architekturstrategien auf Kommunalebene - von der Hauptstadt bis zur 60.000 Einwohner-großen Stadt Kolding. Deren Umfang kann unterschiedlich sein, dreht sich aber meist um Qualität, Nachhaltigkeit, Räume für neue Wohnkonzepte und Verdichtung. Begleitet teilweise durch luftige Ansprüche, wie es beispielsweise bei der Kommune Odense heißt: "Architektur bildet den Rahmen unseres Lebens und beeinflusst uns alle – bewusst und unbewusst. Bei [unserer] Architekturstrategie geht es daher um viel mehr als nur um die Architektur selbst. Es geht um alles, was Architektur in unserem Leben und Alltag für uns tun kann".

    Von Michał Woźniak, Nadine Bauer | Stockholm, Bonn

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