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Indonesien investiert in maritime Sicherheit

Neue Schwerpunkte sind Überwachung und Erkundung. Die Investitionen eröffnen ausländischen Firmen aus zivilen und militärischen Bereichen zahlreiche Lieferchancen.

Von Oliver Döhne | Jakarta

Indonesien ist mit über 17.000 Inseln die größte nationale Inselgruppe der Welt. Die Lage zwischen Indischem und Pazifischem Ozean sowie zwischen Asien und Australien macht das Land geopolitisch und wirtschaftlich zu einem maritimen Schlüsselakteur.

Maritime Sicherheit hat höchste Priorität 

Die Regierung verfolgt mehrere Ziele: Sie will die Ernährungssicherheit durch den Ausbau von Fischereiflotten und Kühlketten verbessern, illegale Fischerei eindämmen und entschlossener gegen Schmuggel, Drogenhandel und Piraterie vorgehen. Frühwarnsysteme sollen vor Überschwemmungen und Naturgefahren schützen.

Trotz eines allgemeinen Sparkurses erhält der maritime Sektor zusätzliche Haushaltsmittel. Staatliche Investitionen in den maritimen Sektor werden von Experten auf 4 Milliarden bis 5 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt. 

Staatliche Organisationen schreiben die Vorhaben aus. Neben der Marine spielt insbesondere die dem Präsidenten unterstellte Küstenwache Bakamla eine zentrale Rolle: Sie überwacht die Küsten, koordiniert maritime Sicherheitsbehörden und fungiert als operatives Rückgrat der maritimen Sicherheitspolitik. 

Nationale Plattform für Beschaffungen und Ausschreibungen ist das Portal Pencarian LPSE Indonesia, nur lokal registrierte Gesellschaften können sich dort anmelden. Bei öffentlichen Beschaffungen gelten zudem Mindestanforderungen an die lokale Wertschöpfung. Die Suche nach passenden lokalen Partnern ist daher für den Geschäftserfolg entscheidend. 

Die Deutsch-Indonesische Industrie- und Handelskammer in Jakarta unterstützt Unternehmen, die in den Markt einsteigen wollen. Die Kammer sucht passende Geschäftspartner und hilft bei der Teilnahme an Messen. 

Türöffner für deutsche Firmen

Viele internationale Partner

Indonesien setzt auf ein breites internationales Netzwerk, um in einem Konfliktfall nicht von einem Partner abhängig zu sein. Die Partnerschaften sollen auch Technologien und Kompetenzen an den heimischen Schiffbau und die maritime Wirtschaft übertragen. 

Ein Beispiel ist das 2025 vereinbarte Partnerschaftsprogramm mit dem Vereinigten Königreich im Umfang von rund 5 Milliarden US‑Dollar. Technologiepartner ist die britische Firma Babcock. Zu den zwei Fregatten, die zurzeit nach britischem Design in Surabaya gebaut werden, kommen noch zwei weitere. Sie werden mit modernen AESA-Schiffsradaren des türkischen Unternehmens Aselsan ausgerüstet und voraussichtlich mit Bewaffnung von Leonardo (Italien) sowie Rheinmetall (Deutschland) ergänzt. 

Das Vereinigte Königreich finanziert zudem den Aufbau eines maritimen Sicherheitssystems, das illegale Aktivitäten auf See identifiziert. Zum Paket gehören unter anderem Multi-Sensor-Überwachungstürme, Datenzentren und Kommandozentren. Die Technologie kommt von der britischen SRT Marine Systems Solutions. Das Vorhaben soll bis 2035 ausgerollt sein und dann Satellitensensordaten auf einer Plattform integrieren. 

Auch die USA engagieren sich. Laut Presseberichten lieferten US-Unternehmen 2025 IT‑Ausrüstung für das Information Fusion Center von Bakamla und unterstützten das neue Anambas Maritime Training Center in Batam, das moderne Simulationstechnik bereitstellt. 

Deutsche Technologie an Bord

Deutsche Unternehmen sind aktiv und erfolgreich. Die Kieler Firma Anschütz modernisiert nach Presseangaben die Navigationssysteme von 41 Kriegsschiffen – inklusive umfassender Know‑how‑Transfers und Trainingsprogramme. Zusätzlich rüstete Anschütz zwei Minenabwehrschiffe mit integrierten Brücken-, Kommando- und Kontrollsystemen sowie Minen-Sonar aus, welche die niedersächsische Werft Abeking & Rasmussen an die indonesische Marine 2023 lieferte. 

Die Münchener Firma Rohde und Schwarz ist mit einer Tochtergesellschaft in Jakarta vertreten und bietet Produkte der maritimen Kommunikation, der Überwachung von Küstengewässern und Integration von Sensordaten an. Weitere deutsche Branchenfirmen, die in Indonesien vertreten sind, sind Weatherdock und Helzel Messtechnik. Weatherdock entwickelt Geräte für die maritime Sicherheit, Navigation, das Tracking und die Bootsüberwachung. Helzel bietet unter anderem Schiffsverfolgungs‑Radarsysteme an.

Neue U‑Boote, Patrouillenboote und Satellitensensorik

Indonesien will seine überschaubare U-Boot-Flotte erweitern, die auf deutscher Technologie basiert. Zwei U-Boote wird die staatlich kontrollierten Militärwerft PT PAL in Surabaya bauen. Die Technologie stammt von der französischen Firma Naval Group

Parallel prüft Indonesien den Kauf hochmoderner japanischer U‑Boote der Tagei‑Klasse mit Lithium-Ionen-Batterietechnik, berichtete The Japan Times, nachdem der indonesische Verteidigungsministers Sjafrie Sjamsoeddin den Marinestützpunkt Yokosuka im November 2025 besuchte. 

Die erwogene Beschaffung gebrauchter chinesischer Schiffe wurde offenbar aus Qualitätsgründen verworfen. Zusätzlich ist der Bau von 30 unbemannten U‑Booten vorgesehen. Japan finanziert zudem ein Patrouillenboot, das von Mitsubishi gebaut wird und 2027 eintreffen soll. Bakamla betreibt derzeit rund zehn bewaffnete Patrouillenboote. 

Auch die zivil-maritime Überwachung wird ausgebaut: Die meteorologische, klimatologische und geophysische Agentur BMKG erweitert ihr maritimes Radarsystemnetzwerk, insbesondere um Naturgefahren früh zu erkennen. Zudem steht die Entwicklung eines Ozean-Monitoring-Systems bis 2027 auf dem Programm. 

Gemeinsam mit Dänemark will das Ministerium für Marine Angelegenheiten und Fischerei Satelliten mit Signalaufklärungssensoren einsetzen, unter anderem um illegale Fischerboote zu erkennen und Schiffsbewegungen in abgelegenen Gewässern zu überwachen. Die Satelliten sollen auch Daten von Schiffen, die gemäß dem Automatischen Identifikationssystem (AIS) gesendet werden, mittels Triangulation überprüfen.

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