Wirtschaftsumfeld | Indonesien | Wirtschaftsstruktur
Mehr verarbeitende Industrie soll die Wirtschaftsstruktur stärken
Indonesien ist weniger breit industrialisiert als Vietnam, Malaysia oder Thailand. Aufgrund seiner Größe liegt das Land aber bei der industriellen Wertschöpfung insgesamt vorn.
09.07.2026
Auf Indonesien entfällt mehr als ein Drittel der Wirtschaftsleistung des südostasiatischen Wirtschaftsbundes Association of Southeast Asian Nations (ASEAN). Der Archipel ist jedoch schwächer industrialisiert als die anderen großen ASEAN-Mitglieder. Die Wachstumsmotoren Indonesiens sind der Rohstoff- und Agrarreichtum, denn das Land verfügt über große Vorkommen an Kohle, Nickel sowie Kautschuk- und Ölpalmen-Plantagen, die hohe Exportgewinne erzielen. Auch Kupfer, Zinn, Bauxit und Gold sind in großen Mengen vorhanden. Die Priorität der Regierung ist es, diese Rohstoffe stärker im eigenen Land weiterzuverarbeiten. Zudem ist ein Schwerpunkt von Präsident Prabowo Subianto, durch vermehrte Nutzung eigener Rohstoffe und Energiequellen unabhängiger von Importen zu werden.
Industrie ist nur punktuell wettbewerbsfähig
Bisher hat sich eine starke verarbeitende Industrie nur in einigen Bereichen entwickelt, zum Beispiel in der Lebensmittelproduktion. Diese ist für mehr als ein Drittel der industriellen Wertschöpfung im Land verantwortlich und wird von wenigen international tätigen Großkonzernen dominiert.
Der Archipel ist vor allem Standort für günstige Lohnfertigung – etwa in der Sportschuh- und Textilindustrie und bei einigen Produkten der Elektroindustrie. Unternehmen, die eine große Anzahl von Vorprodukten benötigen, stoßen in Indonesien oft auf Lücken in der Lieferkette. Zudem ist der Import aufwendig und auch an qualifizierten Arbeitskräften mangelt es.
Hochwertige Industriegüter werden daher in Indonesien kaum hergestellt. Angesichts marginaler Investitionen in Forschung und Entwicklung dürfte sich daran vorerst wenig ändern. Ein Ansatz ist ein verstärkter Know-how-Transfer internationaler Firmen an indonesische Fertigungspartner. In der Kfz-Industrie produzieren zum Beispiel indonesische Auftragsfertiger für japanische Erstausrüster Pkw und Motorräder für das Inland und den regionalen Export. Auch in der Elektroindustrie gibt es solche Beispiele.
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind ein großes Problem. Jedes Jahr drängen drei Millionen Menschen neu auf den Arbeitsmarkt, der sie nicht vollständig aufnehmen kann. Noch immer sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen im informellen Sektor beschäftigt.
Seit 2021 läuft eine Liberalisierung des Investitionsrechts. Der Archipel sollte insbesondere jene Produktionsunternehmen anziehen, die ihre Abhängigkeit von China verringern wollen. Noch bleiben die Erfolge weitgehend aus. Der Industrieanteil an der Wirtschaft ist mit 20 Prozent zu niedrig für ein Land mit dem Entwicklungsstand Indonesiens.
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Indonesien ist Nischenstandort für deutsche Unternehmen
Die deutschen Exporte nach Indonesien lagen 2025 bei unter 3 Milliarden Euro. Vor Ort sind laut AHK Indonesien/EKONID lediglich etwa 250 bis 300 deutsche Firmen aktiv. Nur wenige Dutzend haben eine eigene Produktion, die meisten unterhalten Büros für Vertrieb und Kundendienst. Deutsche Großkonzerne sind schon lange im Land und erzielen stabile, wenn auch begrenzte Geschäfte.
Für deutsche kleinere und mittlere Unternehmen ist es deutlich schwieriger, Fuß zu fassen.
Rohstoffweiterverarbeitung ist das Herz der Industriepolitik
Indonesien hat im Vergleich zu den anderen größeren ASEAN-Volkswirtschaften eine schwache Leichtindustrie. Ausnahmen sind das Elektronikcluster in der Freihandelszone Batam nahe Singapur sowie die exportorientierte Textilindustrie. Letztere leidet allerdings unter starkem Wettbewerbsdruck durch China, Vietnam, Kambodscha und Bangladesch.
Anders ist die Lage in der Rohstoffweiterverarbeitung (Downstreaming). Dem Investitionsboom in der Nickelverarbeitung folgt nun Ähnliches in der Aluminium-Wertschöpfungskette. Flankiert wird das durch Ausfuhrverbote unverarbeiteter Rohstoffe und staatlicher Kontrolle beim Export von Zwischenprodukten. Das Ziel der Regierung ist eine möglichst vollständige Wertschöpfungskette im Land. Als Flaggschiff der Branche gilt die Produktion nickelbasierter Batterien für Elektrofahrzeuge.
Sektoren | Anteil am BIP 2025 | Anteil an den Beschäftigten 2025 |
|---|---|---|
Dienstleistungen | 43,9 | 49,7 |
Verarbeitendes Gewerbe | 19,1 | 13,9 |
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 13,1 | 28,1 |
Baugewerbe | 9,8 | 6,5 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung) | 8,8 | 1,1 |
Energieversorgung | 1,0 | 0,2 |
Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen | 0,1 | 0,4 |
Java ist Schwerpunkt der Industrie
Java ist das wirtschaftliche Zentrum Indonesiens. Auf die Insel entfallen fast 60 Prozent der Bevölkerung und der landesweiten Wirtschaftsleistung. Die Insel hat die mit Abstand beste Infrastruktur des Landes. Die meisten Betriebe der verarbeitenden Industrie liegen um Jakarta herum, die chemische Industrie in der westlich angrenzenden Provinz Banten. Zentraljava punktet mit niedrigen Löhnen und Sonderwirtschaftszonen. Wirtschaftszentrum Ostjavas ist Surabaya.
Bei den anderen indonesischen Hauptinseln liegt der Schwerpunkt auf Landwirtschaft und Rohstoffen. Sumatra ist das Zentrum der Palmölindustrie, fast 20 Prozent der Insel sind mit Plantagen bedeckt. Kalimantan hat große Kohlevorkommen und darüber hinaus große Palmöl- und Kautschukplantagen und baut auch die Bauxitverarbeitung aus. Sulawesi und die Nordmolukken sind Zentren für Nickelabbau und Verarbeitung. Papua soll künftig eine stärkere Rolle spielen, unter anderem in der Agrar-, Erdöl- und -gasproduktion.
Gebiet | Anteil am BIP (in %) | BIP pro Kopf (in Euro) * | Bevölkerung (in Mio.) |
|---|---|---|---|
Jakarta | 16,6 | 18.615 | 10,7 |
Ostjava | 14,4 | 4.095 | 42,3 |
Westjava | 12,9 | 3.032 | 50,8 |
| Zentraljava | 8,2 | 2.572 | 38,2 |
| Nordsumatra | 5,2 | 3.964 | 15,8 |
| Riau | 5,1 | 9.930 | 6,8 |
| Banten | 4,0 | 3.782 | 12,5 |
| Ostkalimantan | 3,8 | 10.545 | 4,5 |
| Südsulawesi | 3,2 | 3.984 | 9,6 |