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Iraks Häfen zwischen Ausbau und Krise
Neue Terminals, mehr Kapazität und ein LNG-Projekt sollen Iraks Häfen stärken. Doch der Konflikt, Geldmangel und die schwierige Betreibersuche bremsen den Ausbau.
01.10.2026
Bei Iraks großem Hafenprojekt Al Faw Grand Port steht die Lieferung von Containerkranen weiter aus. Ein Vertrag fehlt noch, teilt die staatliche Hafenbehörde General Company for Ports of Iraq (GCPI) auf Anfrage mit. Das Terminal soll einmal rund 3 Millionen Standardcontainer (TEU) abfertigen.
Die erste Phase des Al Faw Grand Port kostet rund 6 Milliarden US-Dollar (US$). Laut Meed Projects ist sie zu 89 Prozent umgesetzt. Entstanden sind fünf Liegeplätze, eine rund 20 Meter tiefe Fahrrinne, Wellenbrecher und zuletzt zur Anbindung des Hafens die Unterquerung eines Wasserarms (Khor Al-Zubair Waterway Tunnel).
Fast fertiger Tiefseehafen sucht Betreiber
Der neue Hafen soll als Tiefseehafen auch sehr große Schiffe abfertigen können. Iraks aktuell zwei Seehäfen Umm Qasr und Khor al Zubair liegen etwas landeinwärts an einem künstlichen Kanal und sind relativ flach. Nach Branchenangaben finanzierte die irakische Regierung Al Faw bisher allein. Sie erhofft sich nach den teils jahrzehntealten Plänen einen weiteren Ausbau und nennt dafür auf der Webseite des Hafenprojekts eine Jahreskapazität von 25 Millionen TEU.
Iraks Transportministerium sucht mangels eigener Mittel private Betreiber. Deren Fehlen erklärt auch, warum die Anlage noch nicht fertiggebaut ist. Das Transportministerium kann keine Einnahmeströme in Aussicht stellen wie das Ölministerium. Dieses gilt mit seinen Build-Operate-Transfer-Modellen (BOT) als Vorbild. Zudem haben Iraks Häfen absehbar genügend Containerkapazitäten. "Da einen Betreiber zu finden, ist bestimmt nicht einfach", sagt ein naher Beobachter. Auch andere Experten kennen kein Interesse ausländischer Investoren.
Hafen Umm Qasr erhöht Containerkapazität
Im Hafen Umm Qasr soll die Kapazität des Terminals 2 von 550.000 auf 830.000 TEU steigen. Der Betreiber Aloreen erhielt dafür eine Finanzierung von bis zu 120 Millionen US$ der International Finance Corporation. Die Mittel wurden unter anderem für die Beschaffung von 14 Kränen genutzt, die nach Pressemeldungen vom Juli 2025 vom chinesischen Hersteller ZPMC geliefert wurden. Auf die Frage zum Stand des Projekts antwortet die GCPI nur allgemein.
Nach Presseangaben der GCPI von Anfang 2025 soll Umm Qasr mittelfristig rund 4 Millionen TEU pro Jahr abfertigen. Der mittelständische Düsseldorfer Logistiker Martrade, der im Hafen ein Terminal betreibt, hat aktuell aber keine Hinweise auf größere Ausbaumaßnahmen für den Containerumschlag. Für das eigene Terminal an Liegeplatz 16 plant Martrade Investitionen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Ziel ist hauptsächlich der Ausbau der Lagerfläche, die Anschaffung von Umschlaggerät, die Einrichtung von Kühlcontainern und einer Tankstelle sowie die Modernisierung der allgemeinen Hafeninfrastruktur.
Der neue Tiefseehafen, Hormus und die Logik der Reeder
Einige Beobachter halten Al Faw für einen "weißen Elefanten" und für ein hauptsächlich politisch motiviertes Projekt. Irak habe bereits mehr als genug Kapazität für Importcontainer durch den Hafen Umm Qasr. Zudem seien die dortigen Betreiber nicht auf weitere Konkurrenz aus. Zwar dürfte der Bedarf wegen der großen Bevölkerung wachsen. Dafür brauche es aber keinen Tiefseehafen, sondern eher einen Ausbau bestehender Terminals.
Bisher wurden Iraks Häfen für Importe von relativ kleinen Schiffen bedient, so die Beobachtung. Diese "Feeder" nahmen Ladung von großen Einheiten auf, die auf dem Weg von Ostasien nach Europa an einem großen Golfhafen, meist in den VAE, einen Stopp eingelegt hatten. Angesichts des Hormus-Schocks dürften internationale Reeder künftig vermehrt kleinere Schiffe aus den Ursprungsländern in den Golf schicken. Davon würden mehr Frachter Irak direkt anlaufen. Das Land würde demnach mehr Container umschlagen - allerdings immer noch von kleineren Schiffen.
Umm Qasr wickelt nahezu den gesamten Umschlag Iraks mit Seecontainern ab. Die meist privaten Betreiber der rund zwei Dutzend Liegeplätze des Hafens investieren laufend entsprechend ihren Verträgen mit der GCPI. 2025 gingen 1,95 Millionen TEU über Umm Qasr, so eine Aufstellung von Uwe Stupperich vom deutschen Logistiker M.G. International, der seit Jahrzehnten in Irak tätig ist. Für 2026 hält ein anderer Beobachter 1,2 Millionen TEU für möglich. Für ganz Irak nennt die GCPI für 2025 einen Hafenumschlag von 2,1 Millionen TEU. Über Umm Qasr wickelt Irak auch die meisten seegebundenen Importe von Fahrzeugen, Schüttgütern und anderen Waren außer Petrochemieprodukten ab.
LNG-Terminal in Khor Al-Zubair im Bau
Im Hafen Khor Al-Zubair baut Excelerate Energy aktuell ein schwimmendes Terminal zur Rückumwandlung von importiertem Flüssiggas (LNG). Presseberichten von Anfang August 2026 zufolge arbeitet das US-Unternehmen trotz des andauernden Irankonflikts weiter am Projekt. Die Beschaffung für das 450 Millionen US$ teure Projekt stehe kurz vor dem Abschluss. Irak nutzt seine eigenen großen Gasreserven kaum. Das Land ist für seine Stromerzeugung bisher stark auf Pipelinegas aus Iran angewiesen.
Der Hafen Khor Al-Zubair importiert vor allem Raffinerieprodukte und exportiert in geringem Umfang Schweröl und Teer. Für weitere Investitionen im Hafen sieht Martrade angesichts der aktuellen Konfliktlage in der Region keine Anzeichen. Die Düsseldorfer betreiben dort seit 2011 zwei Liegeplätze. Sie importieren vorwiegend Röhren und sonstige Ausrüstungen für Pipelines, zunächst für die Durchleitung von Öl und Gas. Seit Ende der 2010er-Jahre ging es nach Firmenangaben zunehmend um die Wasserversorgung, bedingt durch wachsende staatliche Investitionen dafür. Nun stocke das Geschäft wegen des Ausfalls staatlicher Erdöleinnahmen.
| Betreiber | Kapazität (Mio. TEU) 3) | Anmerkungen |
|---|---|---|
Aloreen / Basra Multipurpose Terminal
| 0,55 | Aloreen betreibt 2 Terminals; Nr. 2 soll auf 0,82 Mio. TEU ausgebaut werden; IFC finanziert bis zu 120 Mio. US$, v.a. für leistungsfähigeres Umschlaggerät (lt. Pressemitteilung vom Februar 2026) |
| Gulftainer / ICT (Iraq Container Terminal) | 0,52 | aktuelle Firmenbroschüre nennt 0,65 Mio. TEU Kapazität |
Basra Gateway Terminal / ICTSI (International Container Services Iraq) | 0,9-1,0 | wurde unlängst ausgebaut; Gesamtkapazität geschätzt; Betrieb von 6 Terminals, 4 davon für den Containerumschlag |
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verweist zudem auf Pläne der Gouvernements Basra, den alten Stadthafen Al Maqal zu modernisieren. Ziel sei mehr Umschlag nicht containerisierter Güter und der Aufbau einer touristischen Infrastruktur. Eine Vormachbarkeitsstudie des Vorhabens, das andere Beobachter als eher unwahrscheinlich einschätzen, sei in Arbeit. Das Gouvernement Basra wolle selbst investieren und habe als Hauptstadt von Iraks wichtigster Ölprovinz auch ausreichend Mittel. Die GIZ kooperiert im Rahmen einer langfristigen Unterstützung von Iraks Wirtschaftsentwicklung mit der GCPI und hat für die Recherche zu diesem Bericht auch auf andere Experten verwiesen.
Iraks Häfen und der Traum von der Landbrücke
Der Irankonflikt hat auch den lange gehegten Plänen einen Dämpfer versetzt, Irak - und seine Häfen - für eine Landbrücke zwischen Asien und Europa zu nutzen. Dafür gibt es milliardenschwere Pläne zum Ausbau von Straßen und Eisenbahnen. Die Regierung hat diese "Development Road" auch nicht aufgegeben, sagen Beobachter mit Verweis auf aktuelle Gespräche mit Regierungsvertretern. Den für eine Landbrücke erforderlichen Austausch mit einigen Nachbarländern intensiviert Irak aktuell gezwungenermaßen. Ein kleiner Teil der Erdölexporte geht per Lkw an Häfen in Syrien. Für Importe sind diese Häfen nach Branchenangaben aber nicht geeignet. Sie kämen außer über die Türkei eher über das jordanische Aqaba ins Land - was deutlich teurer sei als der Import per Schiff.
Hormus-Blockade bremst
Die Sperrung der Straße von Hormus seit März setzt den irakischen Häfen zu. In Umm Qasr zählte Martrade 2026 in den ersten beiden Monaten 26 Schiffe. Von März bis Anfang September waren es noch zehn, in Khor Al-Zubair sogar nur zwei. Und "das Geschäft mit den Röhren ist momentan fast völlig zum Erliegen gekommen". Investitionen liegen ebenfalls auf Eis. Der Regierung fehlen die Öleinnahmen, die ihr zuvor 90 Prozent des Budgets sicherten. Die Hafenbehörde GCPI wiederum hatte im Juni "null Einnahmen", wird ein Gespräch mit der Behörde zitiert.
| Institution | Erläuterung |
|---|---|
| Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer / Deutsches Wirtschaftsbüro Irak | Für Irak zuständige Auslandshandelskammer |
| General Company for Ports of Iraq | Hafenbehörde |