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Neue Chancen für krisengeschüttelte Logistikfirmen in den USA
Der Logistiksektor leidet unter Kostensteigerungen und einer unvorhersehbaren Zollpolitik. Gleichzeitig ergeben sich neue Geschäftsfelder und KI-basierte Einsparmöglichkeiten.
03.08.2026
Die Krise wird in der Logistikbranche zum Dauerzustand. Auf Transportprobleme im Suezkanal und dem Roten Meer 2023/24 folgte 2025 die erratische Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Seit Ende Februar 2026 sorgt der Irankrieg für zusätzliche Belastungen. In den USA verteuerte sich Diesel zeitweise um bis zu 50 Prozent. Noch drastischer fielen die Auswirkungen auf die Seefracht aus.
Nach Angaben des Schifffahrtsberaters Drewry haben sich die Spotraten auf wichtigen Transportrouten in die USA zuletzt nahezu verdreifacht. Zwar sind sie inzwischen etwas zurückgegangen. Doch selbst bei einer raschen Entspannung dürfte es noch einige Zeit dauern, bis sie auf das Vorkrisenniveau zurückkehren.
Gut fürs Geschäft: Neue Datencenter und Fabriken benötigen mehr Logistikleistungen
Doch nicht alles läuft schlecht für die Logistikbranche. Trotz Irankrieg und Handelsstreit bleibt die US-Wirtschaft auf Wachstumskurs. Davon profitieren auch Konsum und Einzelhandel. Der Boom bei Rechenzentren, Pharma- und Halbleiterwerken treibt den Bedarf an Transport-, Lager- und Distributionsleistungen.
Auch der Außenhandel gewinnt wieder an Dynamik. Seit April 2026 steigen die Importe erneut, nachdem sie zuvor mehrere Quartale rückläufig gewesen waren. Viele Unternehmen haben die Zölle inzwischen "eingepreist". Bisher zurückgestellte Einkäufe und Investitionen werden nachgeholt, bestätigte eine Vertreterin des Verbandes Deutscher Anlagen- und Maschinenbau (VDMA) gegenüber Germany Trade & Invest (GTAI).
Lagerbau zieht wieder an
Entsprechend hat sich auch das Investitionsklima in der US-Logistikbranche aufgehellt. Darauf deutet die Entwicklung im Lagerbau hin. Nach Daten des Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield war die Bautätigkeit, gemessen an der Lagerfläche, seit Anfang 2023 regelrecht eingebrochen. Nach einem Tiefpunkt im 2. und 3. Quartal 2025 zeigt der Trend wieder nach oben.
Aufwärtstrend soll bis 2030 anhalten
Dabei bildet die Flächenentwicklung nur einen Teil des Marktes ab. Nach Angaben des Immobilienberaters CBRE investieren Unternehmen zunehmend in höhere und technisch anspruchsvollere Lagergebäude. Gemessen am Investitionsvolumen dürfte die Marktentwicklung daher noch dynamischer ausfallen als die Flächenstatistik vermuten lässt. Der FMI North American Engineering and Construction Outlook prognostiziert für den Lagerbau zwischen 2026 und 2030 einen nominalen Zuwachs der Bauleistungen um nahezu 40 Prozent.
Fachkräftemangel und Umweltaspekte verlieren dank KI und Trump an Bedeutung
Die Investitionstätigkeit wird auch durch technologische Fortschritte angetrieben. Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht eine immer effizientere Planung und Steuerung logistischer Prozesse. Automatisierte Hochregallager, optimierte Transportabläufe und ein schnellerer Warenumschlag senken Kosten und verbessern die Auslastung vorhandener Kapazitäten. Gleichzeitig helfen Automatisierung und Digitalisierung dabei, den anhaltenden Fachkräftemangel in der Branche abzufedern.
Weniger Dynamik zeigt sich dagegen bei Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen. Im Zuge ihrer Deregulierungsagenda hat die Trump-Regierung unter anderem Vorschriften zu Treibhausgasemissionen und zur Kraftstoffeffizienz zurückgenommen. Für Logistikunternehmen kann dies fallweise zu sinkenden Kosten führen. Ob sich daraus nachhaltige finanzielle Entlastungen ergeben, bleibt abzuwarten.
US-Handelspolitik sorgt für Planungsunsicherheit
Neben steigenden Kosten und geopolitischen Risiken bereitet der Branche vor allem die hohe Unsicherheit in der US-Handelspolitik Sorgen. Ende Juli 2026 verhängte die US-Regierung neue Zölle gegen zahlreiche Handelspartner, nachdem zuvor geltende Maßnahmen infolge eines Urteils des Obersten Gerichts außer Kraft gesetzt worden waren oder ausgelaufen waren. Bereits wenige Stunden später wurde dagegen Klage eingereicht; weitere Gerichtsverfahren dürften folgen. Davon zeigte sich Trump jedoch unbeeindruckt und stellte zusätzliche Zollmaßnahmen in Aussicht.
Für die Logistikbranche erschweren die häufigen Richtungswechsel langfristige Planungen und Investitionsentscheidungen. Zusätzliche Unwägbarkeiten ergeben sich aus der bevorstehenden Überprüfung des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Kanada und Mexiko (USMCA). Das birgt Konfliktpotenzial, da sich insbesondere in der Automobilindustrie über Jahrzehnte eng verflochtene grenzüberschreitende Lieferketten entwickelt haben. Viele Fahrzeuge und Komponenten passieren während des Produktionsprozesses mehrfach die Grenze. Neue Handelshemmnisse machen daher erhebliche Anpassungen bei Produktions-, Transport- und Lagerstrukturen erforderlich.
In einem solchen Szenario könnten etablierte Logistikstandorte an Bedeutung verlieren. Bereits getätigte Investitionen, etwa in Lager- und Distributionskapazitäten, würden an Wert einbüßen, während gleichzeitig neue Investitionen notwendig werden könnten. Bislang handelt es sich allerdings um ein Risikoszenario. Angesichts der hohen wirtschaftlichen Verflechtung Nordamerikas hat Trump in den Handelsstreitigkeiten mit Kanada und Mexiko bislang mehrfach Kompromissbereitschaft gezeigt und angekündigte Maßnahmen teilweise wieder zurückgenommen.