Wirtschaftsumfeld | Iran | Investitionsklima
Krisenmodus bestimmt Irans Investitionsklima
Für westliche Unternehmen spielt Iran als Investitionsziel kaum eine Rolle. Der Krieg verschärft die Lage. Geld kommt aus Russland, China und anderen asiatischen Ländern.
09.06.2026
Von Heena Nazir | Dubai
Sanktionen, Finanzierungsprobleme und hohe politische Risiken: Bereits vor dem Ende Februar 2026 begonnenen Krieg war das Investitionsklima in Iran von Krisenstimmung geprägt. Neue deutsche Direktinvestitionen sind kaum absehbar. Im Vordergrund stehen die Absicherung bestehender Engagements und enges Risikomanagement.
Bei Investitionen bleibt Iran weit vom Niveau entfernt, das das Land vor dem Rückzug der USA aus dem Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) im Jahr 2018 erreicht hatte. Kurz darauf verhängten die USA erneut Sanktionen gegen das Land. Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) lagen die ausländischen Direktinvestitionszuflüsse 2024 bei rund 1,45 Milliarden US-Dollar (US$). Der Höchststand im Jahr 2017 lag bei rund 5 Milliarden US$.
Deutschland setzt die Neuübernahme staatlicher Investitionsgarantien für Iran seit Januar 2023 aus. Diese Garantien schützen Unternehmen gegen politische Risiken wie Enteignung, politische Gewalt, Zahlungsverbote oder Einschränkungen beim Kapitaltransfer. Nach Inkrafttreten des Abkommens über das iranische Atomprogramm Anfang 2016 waren solche Absicherungen für Iran zunächst wieder möglich.
Rechtlich ist Iran damit nicht grundsätzlich als Investitionsstandort ausgeschlossen. Entscheidend bleibt jedoch die politische Risikobewertung. Ohne diplomatische Entspannung, spürbare Sanktionslockerungen und ein stabileres regionales Umfeld ist eine Rückkehr zu neuen Absicherungen kaum absehbar. Laut Internetportal der Investitionsgarantien des Bundes kann aktuell nicht über neue Iran-Anträge entschieden werden kann.
Ausbleibende westliche Investitionen aufgefangen
Die Wiedereinführung der US-Sanktionen ab 2018 erschwerte Finanzierungen, Zahlungsabwicklung, Versicherungen und die Zusammenarbeit mit westlichen Partnern erheblich. Auch Unternehmen aus Ländern ohne eigene Beschränkungen müssen prüfen, ob Banken, Zulieferer oder Logistikpartner indirekt betroffen sind. Das erhöht Kosten, verlängert Prüfprozesse und schränkt Investitionsentscheidungen ein.
Aktuelle Zahlen von unabhängigen Stellen liegen kaum vor. Berichten zufolge dürfte seit etwa 2023 aber Russland wichtigstes Herkunftsland von ausländischen Direktinvestitionen sein, gefolgt von China. Weitere wichtige Herkunftsländer waren zuletzt die VAE, die Türkei und Indien. So wurde trotz des weitgehenden Investitionsstopps aus westlichen Ländern der Zufluss aufrechterhalten oder sogar leicht gesteigert. Projekte gab es unter anderem in die Öl-, Gas- und Transportinfrastruktur. So nimmt der Hafen von Tschahbahar im äußersten Südosten Irans beispielsweise für Indien eine wichtige strategische Rolle ein.
Im Jahr 2017 zählte Iran bei den Bundesgarantien noch zu den fünf wichtigsten Zielländern. Damals wurden sechs Anträge mit einem Volumen von 77,2 Millionen Euro bewilligt, 2018 folgten neun weitere Vorhaben. Zwischen 2016 und 2018 summierten sich die Garantien auf 123 Millionen Euro; darunter waren auch Solarkraftwerke. Inzwischen spielt Iran im Neugeschäft keine Rolle mehr. Die Bundesregierung übernahm 2025 Investitionsgarantien von rund 1,2 Milliarden Euro, jedoch nicht für Iran.
Bestehende Projekte erfordern enges Krisenmanagement
Für laufende Garantien bleibt Iran dennoch relevant. Seit mehreren Jahren gehört das Land zu den Märkten mit abgesicherten Investitionsvorhaben unter Krisenmanagement. Ziel ist es, Entschädigungsfälle möglichst zu vermeiden. Im Mittelpunkt stehen enteignungsgleiche Maßnahmen sowie Konvertierungs- und Transferrisiken.
Bislang kam es laut den Angaben zu Iran-Garantien nicht zu einem Schadens- beziehungsweise Entschädigungsfall. Bestehende Projekte verschwinden also nicht aus dem Blickfeld, sie werden aber vor allem verwaltet und eng begleitet.
Bundesbank-Zahlen zeigen begrenztes deutsches Engagement
Auch die Zahlen der Deutschen Bundesbank deuten auf Zurückhaltung hin. Für 2025 weist sie bei deutschen Direktinvestitionstransaktionen gegenüber verbundenen Unternehmen in Iran einen Wert von 338 Millionen Euro aus. Im Jahr 2024 hatte der entsprechende Betrag bei 380 Millionen Euro gelegen. Der Zufluss blieb damit zwar positiv, beruhte aber vor allem auf Beteiligungskapital und reinvestierten Gewinnen. Direktinvestitionskredite spielten kaum eine Rolle.
Noch deutlicher zeigt sich die Zurückhaltung beim Direktinvestitionsbestand. Nach dem erweiterten Richtungsprinzip lag der deutsche Bestand in Iran Ende 2024 bei 410 Millionen Euro. Erfasst wurden 20 deutsche Unternehmen, rund 1.000 Beschäftigte und ein Jahresumsatz von etwa 450 Millionen Euro. Ende 2023 hatte der Bestand noch bei rund 1,1 Milliarden Euro gelegen. Solche Bestandswerte können auch durch Bewertungs-, Konzernstruktur- oder Statistikänderungen beeinflusst werden. Eine breite Rückkehr ausländischer Investoren zeichnet sich derzeit nicht ab.