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Branchenstruktur

Unabhängige Stromproduzenten haben den staatseigenen Ex-Monopolisten überholt. Der Markt für erneuerbare Energien ist zur Gänze privat aufgestellt. Stromhändler haben es schwer.

Von Wladimir Struminski | Israel

Die Regierung ist um größere Vielfalt bei der Stromerzeugung bemüht. Daher nimmt der Marktanteil unabhängiger Stromerzeuger (IPPs) zu. Zudem ist auf dem Markt eine Reihe von Stromanbietern ohne Eigenerzeugung tätig.  

Private Stromerzeuger sind auf dem Vormarsch

Im Jahr 2024 verfügten IPPs laut Angaben der Strombehörde mit 53 Prozent erstmals über den größten Anteil an der installierten Gesamterzeugungskapazität. Diese Angabe umfasst auch den vollständig privatwirtschaftlichen Bereich erneuerbarer Energien. Deren tatsächliche Leistungsfähigkeit wurde von der Behörde unter Ansatz verschiedener Kapazitätsfaktoren berechnet.

Der ehemalige Stromversorgungsmonopolist, die Israel Electric Corporation (IEC), war 2024 mit einem Anteil von 47 Prozent der Gesamtkapazität zwar immer noch der führende Stromanbieter. Allerdings sinkt ihr Kapazitätsanteil weiter und soll 2030 bei nur noch 32 Prozent liegen. 

Das Gros der Investitionen in die Errichtung neuer konventioneller Kraftwerke entfällt auf private Stromversorger. Zu den wichtigsten IPPs gehören Dalia Power Energies, OPC Energy, die Edeltech Group und Dorad Energy. Zum Teil gehören die Kraftwerke großen israelischen Investment- oder Energie- und Baukonzernen, in bestimmten Fällen als Gemeinschaftsunternehmen. Insofern besteht ein Netzwerk von Querverbindungen.

Wichtige Akteure auf dem Markt für Photovoltaik und Energiespeicherung

Eine Reihe bedeutender Marktteilnehmer ist im Bereich erneuerbarer Energien tätig. Dazu gehören insbesondere Enlight Renewable Energy – eine Firma, die auch global tätig ist – MESHEK Energy, Shikun & Binui Energy, Teil des Shikun & Binui-Konzerns, und SolarEdge. Bei einem weiteren wichtigen Akteur handelt es sich um EDF Renewables Israel, einer Tochterfirma des französischen Energieunternehmens Électricité de France.

Es entstehen auch zunehmend Speicheranlagen. Sie werden im Einklang mit einer Lizenz der Strombehörde in photovoltaische Anlagen integriert oder als Speicher in Alleinstellung gebaut. Auch die letztere Kategorie zieht Investitionen von Erzeugern photovoltaischer Energie an, darunter Enlight, MESHEK Energy und Shikun & Binui Energy. Zugleich sind Unternehmen auf dem Markt tätig, die nur Speicheranlagen bauen. Sie erhalten keine Stromerzeugungslizenz, sondern werden als Netzdienstleister definiert. Das vereinfacht das Genehmigungsverfahren. Sie machen sich Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tageszeiten zunutze und können bei Netzengpässen einspringen.

Ferner sind Stromanbieter ohne eigene Energieversorgung auf dem Markt tätig. Sie kaufen Strom bei der IEC im Rahmen von Langfrist- oder Zeitblockverträgen und verkaufen ihn an Einzelkunden. 2025 waren in Israel sieben Stromhändler tätig: Partner, Bezeq, Electra Power, Amisragas, Pazgas, Cellcom und Hot. Vier von ihnen sind Tochterfirmen von Telekommunikationsunternehmen, zwei gehören Erdgashändlern und eines einem Infrastruktur- und Baukonzern.

Allerdings hat dieses Modell seine Probleme. Laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung Globes vom August 2025 beklagen Stromhändler, sie hätten nicht genügend Möglichkeiten, Strom günstig einzukaufen. Damit gerieten einige von ihnen in die Verlustzone und könnten zur Betriebsschließung gezwungen sein. Es bleibt abzuwarten, ob und wie das Energieministerium und die Strombehörde das Problem lösen.

Erdgas wird landesweit geliefert – aber nicht an jedermann

Israel deckt seinen Erdgasbedarf aus drei Offshore-Feldern vor seiner Mittelmeerküste. Das größte Feld, Leviathan, wird im Rahmen einer staatlichen Lizenz vom US-amerikanischen Konzern Chevron sowie den israelischen Unternehmen NewMed Energy und Ratio Energies betrieben. Diese Vorkommen ermöglichen Israel auch den Export von Erdgas an Ägypten.  

Chevron ist auch an Tamar, dem zweitgrößten Vorkommen, beteiligt – gemeinsam mit den israelischen Firmen Isramco und Dor Gas sowie mit Mubadala Petroleum aus Abu Dhabi. Das kleinere Karish-Feld wird von dem britischen Energieunternehmen Energean betrieben.

Die drei Förderplattformen sind mithilfe von Unterwasserleitungen an das nationale Erdgastransportnetz angebunden. Dieses wird von der staatlichen Erdgasgesellschaft Israel Natural Gas Lines (INGL) betrieben. Sie unterhält ein 1.100 Kilometer langes Hochdrucknetz.

Das Transportnetz von INGL ist mit sechs regionalen Verteilungsnetzen verbunden. Jedes von diesen wird von einem gewerblichen Unternehmen unter Staatslizenz betrieben und versorgt die ihm jeweils zugewiesene Region: Norden, Großraum Haifa, Landeszentrum, Großraum Tel Aviv, die Region Jerusalem und den Landessüden. Die regionalen Verteilungsnetze liefern Erdgas vor allem an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Dagegen werden Privathaushalte nach wie vor nahezu ausschließlich mit Kochgas versorgt – und zwar mit Tankwagen über gemeinschaftliche Druckbehälter. Angesichts des geringen Kochgasverbrauchs der Haushalte wäre der Aufbau großflächiger Verteilungsnetze mit Hausanschlüssen wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Wichtige Branchenunternehmen in IsraelUmsatz in Millionen US$

Unternehmen

Sparte

Umsatz 2024*)  

Israel Electric CorporationStromerzeugung

7.077

Solaredge TechnologiesBau von Photovoltaikanlagen

901

OPC EnergyPrivater Stromerzeuger

751

Enlight Renewable EnergyPrivaterr Stromerzeuger 

378

Israel Natural Gas LinesBetrieb des Erdgastransportnetzes

329

* Binnenpreisangaben, umgerechnet nach dem jahesdurchschnittlichen Wechselkurs.Quelle: Dun and Bradstreet Israel

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