Branche kompakt | Japan | Ernährungswirtschaft

Branchenstruktur

Japans Nahrungsmittel und Getränke verarbeitende Industrie ist wettbewerbsintensiv. Sie wird von Großunternehmen geprägt. 

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

Japans Regierung will die Nahrungsmittelsicherheit stärken, die Importabhängigkeit senken und die Eigenversorgung erhöhen. Dazu setzt sie auf einen stärkeren Anbau von Rohmaterialien für die Agrarindustrie und auf mehr energiesparende Technologien. Diese Ziele hat das Land Ende 2022 im "Food Security Reinforcement Policy Framework" festgelegt.

Japan will höhere Selbstversorgung und mehr Smart Farming

Trotz dieser Ziele bleibt Japan bei vielen Rohprodukten und Vorleistungen auf Importe angewiesen. Der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln ist in Japan auf Kalorienbasis mit 38 Prozent im Fiskaljahr 2024 relativ gering. Hierfür ist vor allem die geographische Struktur des Landes verantwortlich. Laut dem neuen "Basic Plan" vom April 2025 will die Regierung bis 2030 die Selbstversorgungsrate auf 45 Prozent ausbauen. Dieses Ziel hatte sich die Regierung allerdings bereits für das Jahr 2025 gesetzt. 

Vor allem der Einsatz von Smart Farming, also von digitalen Anwendungen, soll die Effizienz der Agrarindustrie erhöhen. Allerdings muss das Land auch dann noch sowohl Rohprodukte zum eigenen Verzehr als auch solche zur Weiterverarbeitung überwiegend importieren. 

Die Bevorratung von Weizen und Sojabohnen soll kräftig steigen. Die Weizenernte soll von 1,1 Millionen Tonnen im Fiskaljahr 2023 auf 1,4 Millionen Tonnen im Fiskaljahr 2030 zulegen. Bei Phosphordünger hat die Regierung für das Fiskaljahr 2030 ein Ziel für die Eigenversorgung in Höhe von 40 Prozent ausgegeben. Im Fiskaljahr 2021 betrug diese 25 Prozent.

Großunternehmen prägen das Bild

Die Produktion von Agrarerzeugnissen findet in Japan vorwiegend in kleinen Betrieben statt. Dahingegen sind die verarbeitenden Unternehmen meist groß und stellen den Löwenanteil der Produktion. Der Wettbewerb ist sehr intensiv.

Wichtige Hersteller in ausgewählten Segmenten
SegmentAnbieter
Süßwaren, SnacksCalbee, Lotte, Morinaga, Ezaki Glico, Fujiya
GefrierkostNissui, Umios, Ajinomoto, JT
alkoholische GetränkeSuntory, Kirin, Asahi, Sapporo
alkoholfreie GetränkeSuntory, Coca Cola, Yakult, Otsuka, Ito En
FleischverarbeitungNH Foods, Itoham Foods, Prima Meat Packers, Starzen, S Foods
BackwarenYamazaki Baking, Fuji Baking, Pasco Shikishima, First Baking, Nichiryo Baking
MolkereiprodukteMorinaga, Megmilk Snow Brand, Yakult, Meiji Holdings, Koiwai Dairy Products
GewürzeAjinomoto, Kikkoman, Mizkan, Kagome, House Foods
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2026

Die umsatzstärksten Akteure in Japan sind die drei Getränkekonzerne Suntory, Asahi und Kirin. Unter den ausländischen Anbietern liegt Coca-Cola in der Spitzengruppe. Der US-Konzern betreibt über ganz Japan verteilt mehrere Getränkeabfüllanlagen. Ansonsten sind internationale Branchengrößen wie Mondelez, Nestlé und Unilever mit ihren Nahrungsmitteln in verschiedenen Produktgruppen stark vertreten.

Deutschlands Lieferanteil bleibt gering

Japan ist stark auf die Einfuhr von Lebensmitteln angewiesen. Die wichtigsten Lieferländer sind die USA, China, Australien, Thailand und Brasilien. Für die EU war Japan 2025 der fünftgrößte Abnehmer europäischer Agrarausfuhren. Für europäische und deutsche Anbieter von Lebensmitteln und Getränken hat das seit Februar 2019 geltende  Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan die Lieferbedingungen verbessert.

Japans Nahrungsmittel- und Getränkeimporte beliefen sich 2025 auf 56,5 Milliarden US-Dollar (US$). Der Importmarktanteil Deutschlands blieb unter 1 Prozent. Deutschland lieferte vor allem Käse und andere Molkereierzeugnisse, Süßwaren und Schokolade, Hopfen und Malz, Wein und Bier sowie Nahrungsergänzungsmittel. Potenzial besteht auch bei Fleisch, vor allem wenn die japanischen Behörden die Einfuhren von deutschem Schweinefleisch wieder ermöglichen. Zurzeit sind die Importe aufgrund der Afrikanischen Schweinepest zum Erliegen gekommen. Noch 2019 importierte Japan Schweinefleisch für etwa 126 Millionen US$ aus Deutschland.

Japans Exporte von Nahrungsmitteln und Getränken legten 2025 um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 8,2 Milliarden US$ zu. Die japanische Regierung will die Ausfuhren des Agrarsektors stärken. Die größten Abnehmer japanischer Nahrungsmittel und Getränke waren die USA, Hongkong, Taiwan und China.

Distribution ist komplex

Der Zugang zu Japans Lebensmittelmarkt erfolgt über ein vielschichtiges System aus Importeuren, Großhändlern, Handelshäusern und Distributionsfirmen. Für ausländische Anbieter ist es daher wichtig, die passenden Vertriebswege zu erschließen und das Erzeugnis bei den Zwischen- oder Endkunden bekannt zu machen. Hierfür ist ein gut vernetzter Partner wichtig.

Der Absatz importierter Lebensmittel konzentriert sich in Japan auf die drei großen Ballungsräume rund um die Metropolen Tokyo (Kanto-Region), Osaka (Kansai-Region) und Nagoya (Tokai-Region). In diesen Regionen leben etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Sie weisen zudem das höchste Einkommensniveau auf.

Dieser Inhalt gehört zu