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Grüner Strom ist für Kambodscha ein Standortvorteil

Kambodscha investiert verstärkt in Photovoltaik. Auch allgemein wird auf grüne Energie gesetzt, um nachhaltige Unternehmen ins Land zu holen.

Von Frank Malerius | Bangkok

Kambodscha zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens – und der Stromverbrauch steigt noch dynamischer. Nach Berechnungen des Energieministeriums hat er sich zwischen 2015 und 2025 vervierfacht. Die Spitzenlast liegt bei rund 3 Gigawatt – ein vergleichsweise geringer Wert für ein Land mit 18 Millionen Einwohnern. Gründe sind der niedrige Entwicklungsstand und das Fehlen energieintensiver Schwerindustrien.

Die Konjunktur schwächt sich aktuell zwar etwas ab. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2025 bis 2028 nur noch jährliche Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes von 4 bis 5 Prozent. Dennoch erwartet das Energieministerium, dass sich die Stromnachfrage in den kommenden 15 Jahren mindestens verdoppelt.

Masterplan zeigt konkrete Ausbaupläne auf

Das bedeutet, die Erzeugungskapazitäten und die Stromnetze müssen ausgebaut werden. Die Autoren des Masterplans für die Stromerzeugung (Power Development Masterplan) aus dem Jahr 2022 rechnen damit, dass dafür bis 2040 Investitionen im Wert von 9 Milliarden US-Dollar (US$) nötig sein werden.

Dabei setzt das Land am Mekong auf Strom aus erneuerbaren Energien. Dessen Anteil an der installierten elektrischen Leistung liegt bei circa 60 Prozent der zweithöchste Wert innerhalb der Gruppe der ASEAN-Länder. Nur das Nachbarland Laos, das wegen seiner noch zahlreicheren Wasserkraftwerke als Batterie Südostasiens bezeichnet wird, kommt auf einen höheren Anteil.

Photovoltaik steht im Fokus

Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 70 Prozent steigen. Photovoltaik spielt dabei die Schlüsselrolle. Der Masterplan sieht bis 2040 zahlreiche Solarkraftwerke mit Kapazitäten zwischen 50 und 100 Megawatt vor.

Die bereits realisierten Projekte wurden überwiegend von chinesischen, gelegentlich auch von kambodschanischen Unternehmen errichtet. Auch die Technik für Photovoltaikanlagen kommt fast ausschließlich aus China. Für einige Projekte stellt die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) Finanzierungen bereit. Ihr zufolge gibt es im Land nach internationalen Standards vorbereitete und realisierte Energieprojekte.

Auch in die Windkraft will Kambodscha investieren: Im Osten des Landes ist bis 2028 der Bau von zwei Windparks mit Leistungen von jeweils 150 Megawatt geplant. Im Jahr 2026 sollen die Projekte ausgeschrieben werden. Experten erwarten, dass auch hier chinesische Technik zum Einsatz kommt.

Auch in den anderen ASEAN-Ländern sorgen überwiegend chinesische Ausrüster für die technische Ausstattung von Photovoltaikprojekten und für Onshore-Wind-Anlagen. Allenfalls bei Kleinanlagen der Bioenergie oder bei Offshore-Wind seien Ausrüstungen aus Deutschland gefragt, schätzt ein deutscher Energieexperte ein.

Als Herausforderung gelten die Strompreise

Kambodscha will eigentlich für Industriebetriebe attraktiver werden, ein Problem sind aber die hohen Strompreise. Laut einer Studie des Energieministeriums der Philippinen sind Kambodschas Tarife für Industriestrom hinter denen Singapurs die zweithöchsten in Südostasien und somit auch deutlich höher als die Strompreise in den Nachbarländern Thailand und Vietnam. Auch der Strom für kambodschanische Gewerbetreibende und Haushalte zählt zu den teuersten in der Region. Der teure Strom ist ein Wettbewerbsnachteil bei der Ansiedlung von Unternehmen.

Kambodschas Energieminister Keo Rottanak betonte im November 2025 gegenüber einer Delegation von deutschen Unternehmen aus der Energiewirtschaft, dass sein Land auf den Ausbau grünen Stroms setze und nicht in einen regionalen Wettbewerb um die billigsten Tarife treten werde. Er vertritt die Ansicht, dass Solarstrom teurer sei als Strom aus fossilen Quellen, weil dieser anders als bei konventionellen Kraftwerken nicht rund um die Uhr zu produzieren sei. Kambodscha will aber explizit um Unternehmen werben, die Umweltauflagen im Rahmen der Umweltkriterien der Environmental, Social, and Governance (ESG) einhalten wollen.

Wer sich zur Nutzung von grünem Strom verpflichtet, wird in Kambodscha fündig.

 sagt Keo Rottanak, Minister für Bergbau und Energie.

Kambodscha setzt auf dezentrale Versorgung statt auf Großkraftwerke

In Kambodscha könnten große konventionelle Kraftwerke nicht im selben Maße Skaleneffekte ermöglichen, wie in den Nachbarländern, erklärt der Minister. Die Zukunft des Landes liege in einer dezentralen Stromversorgung.

Eine Absage erteilte Minister Keo Rottanak einer großangelegten Netzeinspeisung von Solardachanlagen. Jenseits der Großanlagen sollen nur 15 Prozent der installierten Solarkapazitäten ihren Strom in die öffentlichen Netze einspeisen dürfen. Unternehmen, die Solaranlagen auf ihren Fabrikdächern installieren, müssen daher den Strom selbst nutzen. Denn eine ungeregelte Einspeisung würde hohe Investitionen in die Netze erfordern. Dann müsste die Allgemeinheit die Lasten für den Vorteil weniger tragen, erklärte der Minister vor der deutschen Delegation.

Regionale Vernetzung gilt als Perspektive

Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, setzt Kambodscha auf die Integration in die geplante Verbindung der nationalen Stromnetze im länderübergreifenden ASEAN Power Grid. Das Projekt steht jedoch erst am Anfang und erfordert enorme Investitionen. Ob diese sich amortisieren werden, ist fraglich, denn nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur würden sich die Stromkosten in der ASEAN durch das gemeinsame Netz nur um bis zu 5 Milliarden US$ pro Jahr verringern, viel weniger als zu investieren wäre.

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