Zollbericht Kanada Zolltarif, Einfuhrzoll
Zölle, Antidumpingzölle, Zusatzzölle, erhöhte Zölle
Aufgrund des Freihandelsabkommens CETA können deutsche Hersteller ihre Produkte zollfrei in Kanada einführen.
25.08.2026
Zolltarif
Der Zolltarif Kanadas (Customs Tariff) ist nach dem Internationalen Übereinkommen über das Harmonisierte System zur Bezeichnung und Codierung der Waren (HS) aufgebaut (97 Zolltarifkapitel).
Die Struktur des Harmonisierten Systems umfasst vier Codenummern mit zwei weiteren Codenummern (Unterposition). Im kanadischen Zolltarif sind diese vielfach noch um weitere zwei Stellen erweitert (Tariff Item). Ferner weist der Zolltarif zwei Stellen für statistische Zwecke aus (SS).
Der Zolltarif umfasst die Zollsätze, die gegenüber allen Nicht-Präferenzländern angewendet werden (Spalte "MFN Tariff") sowie Präferenzzölle für Waren aus Entwicklungsländern und Ländern, mit denen Kanada Freihandelsabkommen geschlossen hat (Spalte "Applicable Preferential Tariffs"). Waren, für die Kanada im Rahmen des umfassenden Wirtschafts- und Handelsabkommens CETA mit der EU Zollpräferenzen gewährt, sind in dieser Spalte mit "CEUT" (Canada-European Union Tariff) gekennzeichnet.
Für Produkte mit Ursprung in Ländern, die nicht der WTO (Welthandelsorganisation) angehören beziehungsweise denen der Most Favoured Nation Status entzogen wurde, gelten höhere Zölle (General Tariff). Dies kann mithilfe des Tools Customs Tariff 2026: List of countries and applicable tariff treatments recherchiert werden.
Viele Produkte der Kapitel 50-59, 72, 84 und 85 des Zolltarifs (unter anderem Textilien, Eisen und Stahl sowie Maschinen) sind zollfrei oder unterliegen niedrigen Zollsätzen. Für bestimmte Textilprodukte der Kapitel 61-63 werden hingegen weiterhin vergleichsweise hohe Zölle erhoben, die häufig bei etwa 16 bis 18 Prozent liegen.
Für einige landwirtschaftliche Waren bestehen Einfuhrkontingente. Werden diese überschritten, fallen sehr hohe Einfuhrzölle an. Ein Beispiel ist lebendes Hausgeflügel (Unterposition 0105). Innerhalb des Kontingents gilt ein niedriger Zollsatz, während bei Überschreitung der Kontingente sehr hohe Zollsätze Anwendung finden.
Außer den international vereinbarten 97 Zolltarifkapiteln (Kapitel 1 bis 97, Kap. 77 offen) weist der Zolltarif zusätzlich die Kapitel 98 und 99 auf. Diese Kapitel enthalten keine klassischen Warenlisten, sondern Sonderregelungen für die Einreihung und Verzollung. Kapitel 98 beinhaltet Sonderbestimmungen für nicht‑kommerzielle oder besondere Einfuhren und Kapitel 99 fasst zeitlich befristete Maßnahmen, wie etwa Zusatzzölle, zusammen.
Verschiedene Methoden der Zollwertberechnung
Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Einfuhrzolls ist der Transaktionswert, also der tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis. In Kanada entspricht dieser dem FOB-Wert (Free on Board). Kann der Zollwert auf diese Weise, also mit der Transaktionswertmethode, nicht festgelegt werden, muss er mit alternativen Methoden ermittelt werden. Es kann zum Beispiel der Transaktionswert identischer Waren herangezogen werden (transaction value of identical goods method).
Zu weiteren Details, die bei der Ermittlung des Zollwertes wichtig sind, hat die Canada Border Service Agency (CBSA) eine Reihe von Merkblättern veröffentlicht. Hier sollte zum Beispiel insbesondere das Thema der Behandlung von Hilfsmitteln ("assists") bei der Bestimmung des Zollwertes beachtet werden.
Weitere Informationen finden Sie im Handbuch zur Zollwertermittlung.
Antidumping- und Ausgleichszölle
Auf bestimmte Waren erhebt Kanada Antidumpingzölle, darunter auf raffinierten Zucker.
Die kanadischen Behörden stellen ausführliche Informationen zu den Antidumping- beziehungsweise Ausgleichszölle zur Verfügung.
Erhöhte Zölle für Produkte mit Ursprung in Russland und Belarus
Kanada erhöhte mit Wirkung vom 2. März 2022 die Zölle auf Waren mit Ursprung in Russland und Belarus deutlich. Hintergrund ist der Angriff Russlands auf die Ukraine. Kanada entzog beiden Ländern mit der Most-Favoured-Nation Tariff Withdrawal Order den WTO‑Meistbegünstigungsstatus. Seither werden ihre Waren überwiegend nach dem sogenannten "General Tariff“ behandelt, der häufig bei etwa 35 Prozent liegt und damit deutlich über den regulären Zollsätzen. Neben Russland und Belarus betrifft dieser ungünstigere Status im Wesentlichen nur noch Nordkorea.
Zusatzzölle auf US-Produkte
Kanada hat auf die von den USA verhängten Zusatzzölle gegenüber Waren mit kanadischem Ursprung mit gezielten Gegenmaßnahmen reagiert. Die kanadische Regierung führte unter anderem eigene Zusatzzölle auf ausgewählte US-Importe ein. Welche Produkte konkret von Zusatzmaßnahmen betroffen sind, können Sie der Liste U.S. products subject to counter tariffs entnehmen.
Weitere Informationen zu Kanadas Gegenmaßnahmen