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Markttrends

Kenias Gesundheitssektor entwickelt sich zügig weiter. Chronische Krankheiten und Digital Health sind zentrale Zukunftsthemen im Gesundheitssystem.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Kenias Gesundheitssektor ist bei einem geschätzten Jahresumsatz von 180 Millionen US-Dollar zwar global gesehen von geringer Bedeutung. Innerhalb Afrikas stellt er jedoch einen bedeutenden Absatzmarkt dar. Unter den 49 Staaten Subsahara-Afrikas liegt Kenia bei Medizintechnik aktuell auf Platz 3 hinter Südafrika und Ghana. Der Medizintechnikmarkt in Kenia wird laut dem Marktforschungsinstitut BMI jährlich um 6 bis 7 Prozent bis 2029 wachsen. Das ist deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft in Kenia.

Treiber für das Wachstum im Gesundheitssektor:

  • Die Anfang 2026 verbesserte Gesamtkonjunktur Kenias.
  • Ein im Vergleich zum US-Dollar stabiler Kenya Shilling (nach einer volatilen Phase bis 2024), der Importgeschäfte berechenbarer macht.
  • Ein erstmals seit Jahren wieder erhöhtes Gesundheitsbudget der Regierung für das Haushaltsjahr 2025/26 mit etwa 1,1 Milliarden US-Dollar.
  • Eine schnell wachsende Bevölkerung. Zu den aktuell rund 59 Millionen kommen jährlich rund 1,2 Millionen Menschen hinzu.
  • Die Verbreitung von chronischen "Wohlstandskrankheiten".

Mehrere Faktoren sorgen für Wachstum im Gesundheitssektor

Das Umfeld für steigende Beschaffungen und Investitionen im Sektor ist gut, wenngleich der staatliche Sektor insgesamt an Unterfinanzierung leidet und überwiegend schlecht ausgestattet ist.

Abgesehen von ein paar medizinischen Verbrauchsgütern muss Kenia fast den gesamten Bedarf an Medizintechnik importieren. In den letzten Jahren pendelte der Import um die 150-Millionen-US-Dollar-Marke. 

Mit Abstand größter Lieferant ist China, dessen Unternehmen auf einen Lieferanteil von fast 40 Prozent kommen. Weitere signifikante Liefernationen sind Indien, die Niederlande und Deutschland, allerdings mit großem Abstand. 

Wachsende Mittelschicht nutzt den Privatsektor

Kenia hat eine der größten städtischen Mittelschichten Subsahara-Afrikas. Diese kaufkräftige Gruppe kann es sich leisten, die deutlich besser ausgestatteten privaten Gesundheitseinrichtungen zu nutzen. Gerade in dieser Gruppe nehmen chronische Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislaufkrankheiten rapide zu. Das führt zu Investitionen in diesen Bereichen. Auch die Gruppe der über 65-Jährigen wächst.

Die Diagnostik und Therapie chronischer Erkrankungen, die Kinderheilkunde sowie die Fachbereiche Zahnmedizin, Orthopädie, Schönheitschirurgie und Augenheilkunde stehen daher im besonderen Fokus privater Gesundheitseinrichtungen. Gerade in den privaten Krankenhäusern, Laboren und Praxen verfügen deutsche Medizintechniklieferanten über gute Lieferchancen, weil dort auf Qualität geachtet wird.

Staatliche Käufer achten vor allem auf den Preis

Andere Prioritäten herrschen bei Ausschreibungen für den staatlichen Gesundheitssektor, die aufgrund ihres Umfangs interessant sind. Entscheidungen, wer den Zuschlag erhält, sind oft preisgetrieben und laut Angaben von Zulieferern unter Compliance-Aspekten nicht immer sauber.

Häufig finanzieren internationale Geberorganisationen die Beschaffungen von Medizintechnik in Kenia. Nachdem Geber wie China schon immer darauf gepocht haben, dass bei chinesischen Zulieferern gekauft wird, verstärkt sich dieser Trend nun auch unter westlichen Gebern.

Gleichzeitig aber werden die Budgets der Geber weltweit heruntergefahren, eine Entwicklung, die insbesondere den Gesundheitssektor in den ländlichen Bereichen treffen wird. USAid, das unter der Trump-Regierung im Jahr 2025 weitgehend geschlossen wurde, war bis dahin einer der wichtigsten Akteure im Gesundheitsbereich.

SHIF soll neues Geld in den Sektor spülen

Neue Mittel für den staatlichen Sektor soll der Social Health Insurance Fund (SHIF) bringen, der im Jahr 2023 unter Präsident William Rutos Regierung neu gegründet wurde und die Vorgängerorganisation NHIF ablöste. In den SHIF sollen die Kenianer nun deutlich mehr einzahlen und damit würde auch mehr Geld für Beschaffungen zur Verfügung stehen.

Allerdings zeigt sich, dass dies nicht von heute auf morgen geht. Die Kenianer leben seit Jahren in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit stagnierenden Reallöhnen und steigenden Lebenshaltungskosten. 

Für deutsche Zulieferer sind staatliche Ausschreibungen trotz der geschilderten Nachteile dennoch mitunter interessant. Allein der Umfang der Beschaffungen ist deutlich größer als bei privaten Beschaffungen. Vielfach beschafft der Staat auch gute Qualität, gerade wenn ein westlicher Geber mit im Boot ist.

20 Sept. 2026
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Mehr Effizienz durch digitale Gesundheitslösungen

E-Health spielt eine zunehmende Rolle bei den Beschaffungen, insbesondere Softwarelösungen sind gefragt. Seitens der staatlichen und auch privaten Krankenhäuser besteht Nachholbedarf bei der Erfassung und Transparenz von Patientenakten. Auch die Krankenversicherungen benötigen intelligente Softwarelösungen für die Erfassung ihrer Mitglieder sowie der eingereichten Arztrechnungen. Der Staat hat zudem Interesse an einer verbesserten datenbasierten Analyse des Gesundheitszustands der Bevölkerung. Das kann er zum Beispiel nutzen, um zu prüfen, in welchen Bereichen des Gesundheitssystems investiert werden soll.

Darüber hinaus spielen unter anderem Telemedizin, Gesundheitsapps, Onlinevertrieb von Medikamenten und die Belieferung mit Drohnen eine Rolle, insbesondere in ländlichen Regionen, in denen die Gesundheitsversorgung deutlich schlechter ist. Um dem E-Health-Sektor einen rechtlichen Rahmen zu geben, wurde im Jahr 2023 der Digital Health Act verabschiedet. 

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