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Kolumbien zieht Investitionen aus Deutschland an
Deutschland zählt bislang nicht zu den größten Investoren in Kolumbien. Doch das Potenzial des Landes lockt. Mehrere Projekte sind in der Pipeline.
22.12.2025
Von Janosch Siepen | Bogotá
Dank seiner Marktgröße, der günstigen geografischen Lage und zahlreichen internationalen Handelsabkommen ist Kolumbien ein attraktiver Standort für Unternehmen in Lateinamerika. In den vergangenen Jahren zog das Land pro Jahr ausländische Direktinvestitionen in Höhe von rund 15 Milliarden US-Dollar (US$) an.
Der mit Abstand wichtigste Investor waren 2024 die USA mit einem Anteil von fast 40 Prozent am Bruttozufluss, gefolgt von Spanien (20 Prozent) und Steueroasen wie Anguilla und Panama, so die Zahlen der kolumbianischen Zentralbank. Wichtige Sektoren sind Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, der Erdölsektor, das verarbeitende Gewerbe, Handel und Gaststätten sowie der Bergbau.
Die Investitionen aus Deutschland sind vergleichsweise gering. Laut Bundesbank beliefen sie sich 2023 und 2024 im Schnitt auf 140 Millionen US$; ihr Bestand lag 2023 bei 2,8 Milliarden US$. Schwerpunktbranchen sind unter anderem Logistik und Industrie.
Deutsche Firmen setzen auf Investitionen in erneuerbare Energie und Wasserstoff
Künftig könnten die deutschen Direktinvestitionen in Kolumbien aber steigen. Germany Trade & Invest (GTAI) liegen Details zu verschiedenen Investitionsprojekten vor, darunter zu Industrievorhaben mit geplanten Ausgaben von knapp 50 Millionen US$ sowie zu Investitionen in erneuerbare Energien in Höhe von fast 360 Millionen US$. In den letzten Jahren haben deutsche Firmen ihre Aktivitäten in dieser Branche ausgebaut. So baut der Projektentwickler ib Vogt den Solarpark Tamarino im Departamento de Antioquia mit einer Leistung von 200 Megawatt für 208 Millionen US$.
Deutsche Firmen interessieren sich auch für Wasserstoffprojekte im Land - und wollen Milliardensummen investieren. So plant das deutsch-kolumbianische Unternehmen Colibri zusammen mit dem deutschen Energieunternehmen Enertrag das größte Wasserstoffprojekt Kolumbiens, Waawaata. Viridi aus Neckarsulm arbeitet am Projekt AkuaippaHy, einer Anlage für grünen Wasserstoff und Methanol in La Guajira mit einer Elektrolysekapazität von 413 Megawatt.
"Diversifizierter und reifer Markt"
"Kolumbien birgt ein gutes Absatzpotenzial in der Region, gerade durch Geschäfte mit großen nationalen Firmen, die in Technologie investieren", sagt Oscar Isaza, Geschäftsführer von Weidmüller in Kolumbien. "Der Markt ist recht diversifiziert, wodurch sich viele Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Allerdings muss man Zeit investieren, um als Unternehmen im Markt akzeptiert zu werden." Juan Diego Galarza vom Logistikunternehmen Fr. Meyer’s Sohn betrachtet das Land als reifen und dezentralisierten Markt mit guten Industriekapazitäten. "Allerdings ist der bürokratische Aufwand in Kolumbien hoch, gerade bei Bankgeschäften und Zollverfahren."
Unternehmen | Branche |
|---|---|
| Kühne+Nagel | Logistik |
| Deutsche Post/DHL | Logistik |
| Henkel | Konsumgüter |
| Siemens | Infrastruktur, Industrie, Energie |
| Fresenius | Medizintechnik |
Investitionsförderung: Steuervergünstigungen als Anreiz
Ausländische Unternehmen genießen keine besonderen Vergünstigungen. Sie können jedoch in allen Sektoren investieren, mit Ausnahme von Bereichen, die die nationale Sicherheit oder Verteidigung betreffen, sowie die Behandlung giftiger und radioaktiver Abfälle. Weitere Beschränkungen bestehen in den Bereichen Medien, Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung, Banken, Fischerei, private Sicherheit, Transport und Telekommunikation. Für die Bereiche Finanzen und Versicherungen, Bergbau, Öl und Gas sowie Portfolioinvestitionen gelten einige Sonderregelungen, wie bestimmte Genehmigungen.
Um ausländische Investitionen anzuziehen, spielen Freihandelszonen (Zonas Francas) eine wichtige Rolle. Diese stehen auch Niederlassungen ausländischer Unternehmen offen. Innerhalb dieser Zonen beträgt die Einkommensteuer für berechtigte Unternehmen 20 Prozent (außerhalb: 35 Prozent). Darüber hinaus sind bestimmte Güter von der Mehrwertsteuer befreit, Zollverpflichtungen werden ausgesetzt und es gelten Vorteile aus Freihandelsabkommen. Freizonen können aus mehreren Unternehmen (Zonas Francas Permanentes, ZFP) oder aus nur einem Unternehmen (Zonas Francas Permanentes Especiales, ZFPE) bestehen.
Für bestimmte Sektoren gelten Vergünstigungen. Dazu zählen die Schifffahrt, Start-ups im Kreativbereich ("orange economy"), Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen (ZESE, für gezielte Investitionsanwerbung in strukturschwachen Regionen) zahlen geringere Steuern auf ihre Gewinne.
GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.