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Deutsche Wassertechnik als Antwort auf den Klimawandel
Lateinamerika beherbergt die weltweit größten natürlichen Wasserressourcen. Dennoch ist die Region starken Wasserrisiken ausgesetzt. Länder handeln - und schaffen Geschäftschancen.
Der Klimawandel, zunehmende Trockenheit, veraltete Infrastruktur und verschwendetes Wasser belasten die Wasserwirtschaft in der Region immer mehr. Weil gleichzeitig der Wasserbedarf bis 2050 um 43 Prozent steigen wird, investieren die Länder in neue Großprojekte – und bieten Absatzmöglichkeiten für deutsche Unternehmen.
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Wir haben besonders aussichtsreiche Wassermärkte in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa unter die Lupe genommen. Alle Länderanalysen finden Sie auf unserer Seite zum Wassersektor.
Die Region reagiert auf den Klimawandel
Ein entscheidendes Segment ist die Trinkwasserversorgung und -aufbereitung. In vielen Ländern verstärkt der Klimawandel Trockenheit und Wassermangel – gerade während des Extremwetterphänomens El Niño. Deswegen bauen diverse Länder ihre Wasserinfrastruktur aus.
In Mexiko soll der Nationale Wasserplan bis 2030 knapp 7 Milliarden US-Dollar (US$) mobilisieren. Vor allem in Regionen mit großer Wasserknappheit soll Geld in Wasserspeicher, Trinkwasseraufbereitung und Leitungen fließen. Fast die Hälfte der Investitionen geht in die Megacity Mexiko-Stadt. Die steigende Wasserknappheit sorgt dort mitunter für Wasserrationierung und Proteste. Damit der Metropole nicht das Wasser ausgeht, investiert die Stadt künftig 3,4 Milliarden US$ in vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen und neue Leitungen.
Auch Chile befindet sich seit Jahren in einer Wasserkrise. Um diese zu mildern, investiert etwa der Energieversorger Aguas Andinas rund 260 Milliarden in die Widerstandsfähigkeit des Wassersystems der Hauptstadt Santiago.
Brasilien privatisiert Abwassersektor weiter
Brasilien hat seine lokalen Regierungen 2020 gesetzlich dazu verpflichtet, bis 2033 seiner gesamten Bevölkerung aufbereitetes Trinkwasser bereitzustellen. Dadurch hat das Land einen rasanten Anstieg der Investitionen im Abwassersektor erlebt. Immer mehr staatliche Versorgerunternehmen werden privatisiert. Mitte 2026 soll eines der größten Abwasserunternehmen des Landes, Copasa, privatisiert werden. Insgesamt rechnet der Industrieverband ABDIB zwischen 2026 und 2028 mit jährlichen Investitionen von 5 bis 6 Milliarden US$ im Sektor. So will etwa das Abwasserunternehmen des Bundesstaates Paraíba, Cagepa, Mitte Mai Projekte im Wert von rund 600 Millionen US$ versteigern.
Neues Großprojekt sorgt für Optimismus in Kolumbien
In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sorgt die baldige Vergabe des Baus des Klärwerks Canoas für Aufsehen im Sektor. Die Kläranlage wird eine der größten in Lateinamerika sein. Das bayerische Unternehmen Flottweg versucht, Aufträge beim Projekt zu gewinnen. "Wir putzen derzeit viele Klinken und setzen auf das Kundenvertrauen in unsere Qualität und Erfahrung", sagt Flottweg-Vertriebsingenieur Carlos Olivo.
Zunehmender Fokus auf Kreislaufwirtschaft
In Ländern wie Mexiko oder Kolumbien liegen die Wasserverluste oftmals bei rund 40 Prozent. Um Wassereffizienz voranzutreiben, setzen diverse Länder der Region vermehrt auf Kreislaufwirtschaft (die OECD liefert einen Überblick). Mexiko verabschiedete Anfang 2026 ein entsprechendes Gesetz. Das sieht unter anderem vor, die Wassereffizienz im Land zu steigern. Auch Kolumbien hat sich Besserung verschrieben. Hier ist der jährliche Wasserverbrauch pro Kopf rund viermal so hoch wie der OECD-Durchschnitt. Deswegen schreibt Resolution 1.005 von 2024 neue Grenzwerte für den Wasserverbrauch von Verbrauchern und Versorgern vor, was eine effiziente Wassernutzung fördern soll.
Solche Trends bieten gerade für innovative Firmen aus Deutschland Geschäftschancen, zum Beispiel bei der Identifizierung von Leckagen. Phoenix Contact aus Blomberg etwa verkauft an mehreren Standorten in Kolumbien intelligente und datenbasierte Wassermanagementsysteme.
Auch im Nachbarland Peru treiben Trends zur Kreislaufwirtschaft die Modernisierung des Wassersektors an. Das bayerische Unternehmen Huber verkauft dort Filteranlagen, Technologie zur Feststoffabscheidung und Schlammbehandlung, die auf niedrigen Energieverbrauch ausgelegt sind. Schub kommt von neuen Plänen der Politik. Im Jahr 2025 brachte Peru gleich mehrere Roadmaps für die Kreislaufwirtschaft auf den Weg. Dadurch stehen bis 2030 mehr Gelder für nachhaltige Wassernutzung bereit und Wasserversorgern werden höhere Ziele für Kreislaufmodelle gesetzt.
Bergbau und Industrie setzen vermehrt auf Wassereffizienz
Die Trends zur nachhaltigen Wassernutzungen machen nicht bei der Trinkwasserversorgung halt. Auch im Bergbau spielt effiziente Wassernutzung eine immer wichtigere Rolle - was deutschen Firmen entgegenkommt. Laut der Unternehmensberatung McKinsey finden weltweit 30 bis 50 Prozent der Produktion von Kupfer, Gold, Eisenerz und Zink in Gebieten mit starker Wasserknappheit statt – Tendenz steigend. Unternehmen versuchen daher, nachhaltiger mit Wasserressourcen umzugehen, auch in Lateinamerika. Flottweg etwa liefert energie- und wassersparende Zentrifugen für verschiedene Bergbauprojekte in Peru, Chile und Nordmexiko.
Zudem setzen die Minen verstärkt auf die Nutzung von Meerwasser. In Chile sind drei Großprojekte für insgesamt 3,6 Milliarden US$ im Bau. Die Regierung unter Präsident Kast priorisiert dabei die Coquimbo Meerwasserentsalzungsanlage für 318 Millionen US$. Für mehr regulatorische Sicherheit im Sektor sorgt ein neues Meerwasserentsalzungsgesetz. Der chilenische Senat gab dafür Ende März bereits grünes Licht. Die Trends steigern künftig den Bedarf an entsprechender Technik, etwa zur Umkehrosmose.
Auch zu viel Wasser ist ein Problem
Der Klimawandel sorgt in Lateinamerika nicht nur für weniger Wasser, sondern führt in einigen Regionen mitunter zu mehr Regen und Überschwemmungen. Fast die Hälfte Perus etwa ist den Folgen von El Niño und des Klimawandels ausgesetzt, so die Weltbank. Überschwemmungen und Erdrutsche haben regelmäßig verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. Auch 2026 sorgte El Niño für Dutzende Tote in Peru. Dort starten daher neue Großprojekte zum Hochwasserschutz entlang der Flüsse. Das erfordert Abflusstechnik, den Bau von Schutzdeichen, modularen Brücken und Frühwarnsystemen.