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Wirtschaftsausblick | Malaysia

Malaysias Wirtschaft entwickelt sich weiter positiv

Die malaysische Wirtschaft wächst stabil, vor allem dank eines starken privaten Konsums. Mittelfristig muss das Land jedoch einige Probleme lösen.

Von Werner Kemper | Kuala Lumpur

Top-Thema: Fachkräftemangel nimmt zu

Malaysia läuft Gefahr, Opfer seines eigenen Erfolges zu werden. Denn der Zustrom ausländischer Unternehmen verschärft den Wettbewerb um Fachkräfte. Hinzu kommt die Nähe zum Hochlohnland Singapur. Vor allem in den südlichen Landesteilen Malaysias wandern hochqualifizierte Arbeitnehmer zum Stadtstaat ab, weil sie dort für die gleiche Arbeit das Dreifache bekommen. Auch immer mehr deutsche Unternehmen verschieben Expansionspläne, weil es zunehmend schwieriger wird, Personal zu finden und zu halten.

Viele Unternehmen wollen neben einer Präsenz in China ein zweites Standbein in Asien aufbauen. Davon profitiert auch Malaysia. Das Land ist politisch stabil, bietet eine hohe Rechtssicherheit und verfügt über eine sehr gute Infrastruktur. Hinzu kommen gut ausgebildete Arbeitskräfte und sehr gute Englischkenntnisse.

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Wirtschaftsentwicklung: 2024 soll an das gute Jahr 2023 anknüpfen

Das malaysische Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll laut Angaben des IWF im Jahr 2023 real um knapp 4 Prozent gewachsen sein. Im laufenden Jahr 2024 gehen sowohl die Regierung als auch die meisten Marktbeobachter von einem Anstieg von 4 bis 5 Prozent aus. Zwar liegt diese Zahl deutlich hinter der von 2022, als mit 8,7 Prozent das stärkste BIP-Wachstum seit 20 Jahren erreicht wurde. Die Ausgangslage ist aber auch eine andere: 2022 war das erste volle Jahr nach den starken Einbrüchen durch die Coronapandemie, entsprechend groß war der Nachholbedarf in den meisten Sektoren.

Wirtschaftsexperten erwarten auch in den kommenden Jahren weiter gute Wachstumsraten in Malaysia. Bedroht wird die gute Entwicklung der heimischen Volkswirtschaft weiterhin hauptsächlich von externen Faktoren. Dazu gehören die Auswirkungen des Klimawandels und ein niedriges globales Wachstum, was vor allem durch rigidere Fiskalpolitik verursacht wird. Aber auch geopolitische Konflikte, wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, stellen die malaysische Volkswirtschaft vor große Herausforderungen.

Hinzu kommt, dass der chinesische Wachstumsmotor nach Ende der Coronamaßnahmen noch immer stottert. China ist der mit Abstand größte Handelspartner Malaysias. Eine schlechtere Wirtschaftsleistung in der Volksrepublik hat deshalb unmittelbare Auswirkungen auf das malaysische Wirtschaftsgeschehen.

Privater Konsum ist wichtigster Konjunkturtreiber

Diesen Risiken stellt die malaysische Zentralbank die besser als erwarteten Arbeitsmarktzahlen und die drastisch gesunkene Inflation gegenüber. Diese und die deutliche Erholung des Tourismus- und Bausektors überkompensieren die negativen Szenarien. Das stärkste Wachstum erwartet die Zentralbank jedoch, wie in Malaysia üblich, vom privaten Konsum. Der derzeit sehr schwache malaysische Ringgit kurbelt den Tourismus zusätzlich an. Gerade aus den Nachbarländern kommen aktuell sehr viele insbesondere Kurzzeitbesucher, um für "kleines Geld" malaysische kulinarische Spezialitäten zu genießen oder Luxusartikel zu erwerben.

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Der private Konsum, der in den letzten Jahren auf 60 Prozent des BIP gestiegen ist, birgt aber auch Risiken. Die Weltbank rät der malaysischen Regierung deshalb, Investitionen stärker zu fördern. 

Während der Coronapandemie hatte die Regierung der Bevölkerung erlaubt, private Rentenfonds anzuzapfen. Die Wirtschaft wurde dadurch stabilisiert. Die nun fehlenden Ersparnisse sind langfristig aber eine nicht zu unterschätzende Zeitbombe. Auch war der Anteil der Bevölkerung, der laut Weltbank in Malaysia im Jahr 2022 in absoluter Armut lebte bei 6,2 Prozent – vor der Pandemie lag der Wert noch bei 5,6 Prozent.

Deutsche Perspektive: Häfen gewinnen an Bedeutung

Im September 2023 stellte das malaysische Ministerium für Investitionen, Handel und Industrie (MITI) ihren New Industrial Master Plan 2030 (NIMP 2030) vor. Er schildert das ausdrückliche Ziel, den Wertschöpfungsanteil im Land zu erhöhen und hochwertigere Jobs zu schaffen. Insbesondere in den Prioritätssektoren Luft und Raumfahrt, Chemie, Elektronik und Elektrotechnik, Pharmazeutik und Medizinprodukte könnten sich Investitionen lohnen. 

Malaysia gewinnt auch als Handelsdrehscheibe immer mehr an Bedeutung für deutsche Exporteure. Von den weltweit 20 größten Seehäfen liegen zwei in Malaysia. Von dort aus werden die deutschen Erzeugnisse, die nicht im Land bleiben, weiter in ganz Asien verteilt. Eine Praxis, die der zweitgrößte Hafen der Welt in Singapur, schon seit Jahrzehnten erfolgreich ausübt.

Innerhalb der Staatengemeinschaft der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) ist Malaysia der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Das Handelsvolumen belief sich 2022 auf 19,9 Milliarden US$. Nahezu 50 Prozent der aus Malaysia bezogenen Güter sind elektronische Erzeugnisse, in aller Regel Halbleiter. Umgekehrt liefert Deutschland ebenfalls vor allem Halbleiter nach Malaysia. Diese werden dort getestet und verpackt und dann wieder zurück nach Deutschland geschickt.

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Mehr Informationen erhalten Sie auf unserer Länderseite Malaysia.

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