Branche kompakt | Mexiko | Medizintechnik
Branchenstruktur
Als größter Hersteller von Medizintechnik in Lateinamerika bedient Mexiko vor allem den US-Markt. Die Handelsregeln könnten sich wegen der Revision des USMCA-Abkommens ändern.
05.03.2026
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Mit rund 53 Millionen behandelten Personen im Jahr 2024 ist das öffentliche IMSS Bienestar (vor 2023: Instituto de Salud para el Bienestar - INSABI) die bedeutendste Krankenkasse, sie deckt alle nicht versicherten Personen in Mexiko ab. Im IMSS (Instituto Mexicano del Seguro Social) hingegen sind formell angestellte Arbeitnehmer der Privatwirtschaft obligatorisch versichert (2025 rund 24 Millionen Versicherte).
Rund 10 Prozent der Bevölkerung sind privat versichert
Das ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado) steht den rund 14 Millionen Versicherten des öffentlichen Dienstes offen. Sowohl IMSS, IMSS Bienestar als auch ISSSTE verfügen über eigene Gesundheitseinrichtungen. Das Gesundheitsministerium, die Bundesstaaten sowie einige öffentliche Stellen wie der staatliche Erdölkonzern Pemex unterhalten ebenfalls eigene Kliniken und Praxen.
Knapp 10 Prozent der mexikanischen Bevölkerung sind privat versichert - fast 14 Millionen Personen (2024), so der Verband der Versicherungen AMIS (Asociación Mexicana de Instituciones de Seguros). Dies geschieht häufig über Zusatzversicherungen des Arbeitgebers. In der Praxis sind die Wartelisten bei den gesetzlichen Krankenkassen IMSS und ISSSTE nämlich häufig so lang, dass Patienten auf private Gesundheitseinrichtungen ausweichen. Dabei handelt es sich in der Regel um technisch und personell gut aufgestellte Einrichtungen. Zudem finden Schätzungen zufolge 48 Prozent der Gesundheitsausgaben aus der eigenen Tasche ("out-of-pocket") statt.
Indikator | Wert |
|---|---|
Einwohnerzahl (2025 in Mio.) | 131,9 |
Bevölkerungswachstum (2025 in % p.a.) | 0,8 |
Altersstruktur der Bevölkerung (2025) |
|
Anteil der unter 14-Jährigen (in %) | 24,1 |
Anteil der über 65-Jährigen (in %) | 8,5 |
Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2023 in Jahren) | 75,1 |
BIP-pro-Kopf (2025 in US$) | 13.967 |
Gesundheitsausgaben pro Kopf (2023 in US$) | 761 |
Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %) | 5,5 |
Ärzte/100.000 Einwohner (2022) | 259 |
Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2022), davon | 101 |
Mexiko ist wichtigster Lieferant von Medizintechnik der USA
Mexiko ist der größte Hersteller und Exporteur von Medizintechnik in Lateinamerika. Der Sektor beschäftigt aktuell rund 175.000 Personen, so Angaben des Verbandes der Medizintechnikhersteller AMID (Asociación Mexicana de Industrias Innovadoras de Dispositivos Médicos). Vorläufigen Schätzungen des Verbandes zufolge exportierte Mexiko 2025 Medizintechnik im Wert von 20,5 Milliarden US$ - rund doppelt so viel wie im Jahr 2020. Ein Großteil der Produktion ist für die USA bestimmt, wo Mexiko der wichtigste Lieferant ist. Die Exporte von Medizintechnik gehen zu über 90 Prozent in die USA, so AMID.
Der Handelsvertrag USMCA (USA-Mexico-Canada Agreement) zusammen mit kompetitiven Produktionsbedingungen und der geografischen Nähe zum US-Markt machen insbesondere Nordmexiko mit den Bundesstaaten Baja California, Sonora, Chihuahua, Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas interessant. Allein in Baja California mit der Großstadt Tijuana haben sich nach Aussage der Investitionsförderagentur ProBaja rund 80 Hersteller von Medizintechnik angesiedelt. Auch die Hauptstadt samt Umland sowie die zentralen Bundesstaaten Jalisco und Morelos sind bedeutend für die Produktion. Dank des Maquiladora-Programms können Bauteile für die Produktion von Medizintechnik zollfrei nach Mexiko eingeführt werden - unter der Voraussetzung, dass das Endprodukt exportiert wird.
Bei den in Mexiko hergestellten Medizinprodukten handelt es sich zu rund zwei Dritteln um nicht-elektronische Verbrauchsprodukte und zu einem Drittel um höherwertige Komponenten (Class III nach Einteilung der US-Behörde FDA). Bei Letzteren ist in Mexiko besonders die Herstellung von chirurgischen und zahnmedizinischen Instrumenten sowie von orthopädischen Produkten und Röntgengeräten relevant.
| SITC | Import (2024) | Anteil Import aus Deutschland | |
|---|---|---|---|
| 774.1 | Elektrodiagnoseapparate und -geräte | 616,2 | 6,3 |
| 774.2 | Röntgenapparate etc. | 896,8 | 9,7 |
| 741.83 | Sterilisierapparate | 8,6 | 0 |
| 872.1 | Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g. | 89,0 | 9,7 |
| 872.21 | Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc. | 1.399,7 | 2,8 |
| 872.25 | Ophthalmologische Instrumente | 74,6 | 16,9 |
| 872.29 | Andere Instrumente, Apparate und Geräte | 3.121,2 | 4,1 |
| 872.3 | Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc. | 359,3 | 3,7 |
| 872.4 | Medizinmöbel etc. | 82,1 | 6,6 |
| 899.6 | Orthopädietechnik, Prothesen etc. | 954,8 | 4,5 |
Regeln könnten sich aufgrund von USMCA-Revision ändern
Die seit März 2025 von den USA erhobenen Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent (10 Prozent seit Februar 2026) auf Importe aus Mexiko gelten auch für Medizintechnik, insofern die Produkte nicht über das USMCA-Abkommen gehandelt werden. In der Praxis geht Medizintechnik dank des USMCA zum Großteil weiterhin zollfrei über die Grenze. Hinsichtlich der für Juli 2026 anstehenden Revision des Abkommens hofft der Medizintechnikverband AMID, dass die aktuellen Regeln nicht geändert werden. "Es besteht das Risiko einer Einführung von Ursprungsregeln, ähnlich wie im Automobilsektor", so Joao Carapeto, Präsident von AMID auf einer Konferenz Ende 2025. Auch US-amerikanische Medizintechnikfirmen, die in Mexiko produzieren, setzen sich für eine Fortführung der Zollfreiheit ein.
Dennoch ist der Sektor optimistisch, dass Mexiko als Produktionsstandort von Medizintechnik für den US-Markt weiter an Bedeutung gewinnt, weil sich die USA stärker von China und anderen asiatischen Ländern abwenden. Die Eröffnung eines neuen Werks des US-Gesundheitskonzerns Abbott im Januar 2026 im zentralmexikanischen Querétaro belegt die weiterhin geltende Attraktivität des Standortes. Abbott wird dort Geräte zur Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen herstellen und investierte 200 Millionen US$ für den Aufbau der Produktion. "Man habe den Standort Querétaro aufgrund der qualifizierten Arbeitskräfte, der industriellen Kapazitäten und des wettbewerbsfähigen Geschäftsumfelds ausgewählt", so Robert B. Ford, Geschäftsführer von Abbott, bei der Einweihung.
Zahlen des Statistikamtes INEGI zufolge gab es 2022 landesweit insgesamt 143 Hersteller von Medizintechnik. Die in Mexiko produzierenden Firmen stammen häufig aus dem Ausland. Dazu gehören Medtronic, Baxter, Fresenius, GE Healthcare, Johnson & Johnson, Siemens Healthineers, 3M, ZEISS, Philips, Roche, Covidien, Cardinal Health, Becton Dickinson (BD), Smiths Medical, Flextronics, Abbott, ConvaTec, Dentsply Sirona, DJO, Essity, Integer, Össur, Teleflex und Boston Scientific. Hinzu kommen lokale Hersteller wie Biossmann, Corporativo DL, DEGASA, Grupo Pisa, IPM, Le Roy, Mextrauma und Vizcarra.
Unternehmen | Beschreibung | Umsatz (2024) |
|---|---|---|
| Grupo Ángeles Servicios de Salud | Private Krankenhauskette; landesweit 27 Kliniken | 2.896 |
| Christus Muguerza | Private Krankenhauskette; 15 Kliniken mit Fokus auf Nordmexiko | 625 |
| Hospitales MAC | Private Krankenhauskette; landesweit 25 Kliniken | 263 |
| Médica Sur | Privates Krankenhaus in Mexiko-Stadt | 241 |
| Birmex | Staatliches Unternehmen zuständig für den Einkauf und die Distribution von Gesundheitsprodukten | 238 |
| Star Médica | Private Krankenhauskette; landesweit 16 Kliniken | n.v. |
| Hospitales Puerta de Hierro | Private Krankenhauskette; 4 Kliniken in Guadalajara und Umgebung | n.v. |