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Markttrends
Polens Maschinenbau wächst, auch dank umfangreicher Investitionen in Rüstung und Energie. Neue industriepolitische Vorgaben könnten jedoch bald internationale Lieferanten treffen.
29.06.2026
Polens Maschinenbau befindet sich im Aufwind. Laut Eurostat steigerten die polnischen Hersteller von Maschinen und Anlagen ihre Umsätze im Jahr 2025 um 9,8 Prozent. Im 1. Quartal 2026 gab es ein weiteres Plus von 8,1 Prozent. Zum Vergleich: Im EU-weiten Durchschnitt wuchsen die Umsätze zum Jahresauftakt lediglich um 1,8 Prozent.
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist die Rüstungsindustrie. Polen gehört laut NATO‑Jahresbericht zu den Ländern mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Zusätzlich plant die Regierung, Niedrigzinskredite in Höhe von bis zu 43,7 Milliarden Euro aus dem europäischen Rüstungsprogramm SAFE zu nutzen. Als Reaktion bauen polnische Rüstungsunternehmen ihre Kapazitäten aus, um Bestellungen realisieren zu können. Dies steigert die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen.
Wachstum der Umsätze von Maschinenbauern in Polen im Jahr 2025
Maschinenbauer erweitern ihr Portfolio
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der Munitionshersteller Mesko, der zum staatlichen Rüstungskonzern PGZ gehört. Das Unternehmen erweitert seine Anlagen für großkalibrige Artilleriemunition. Der polnische Automatisierungsdienstleister Nextomation entwickelt dafür neue Fertigungsstraßen.
Auch Maschinenbaufirmen investieren, um Rüstungsprojekte umsetzen zu können. Der Hersteller von Hydrauliklösungen Ponar Wadowice kündigte im Januar 2026 an, sein Werk in Südpolen für rund 22 Millionen Euro zu erweitern. Ziel ist unter anderem, Kapazitäten für Dual-Use-Anwendungen zu schaffen, also für Produkte mit ziviler und militärischer Nutzung.
In diesem Kontext unterzeichnete Ponar Wadowice eine Absichtserklärung mit dem US-Unternehmen Moog. Moog liefert Komponenten für das Kampfflugzeug F‑35. Polen hat davon mehrere Modelle bestellt und will in Zukunft auch die Wartung übernehmen. Details zur Kooperation sind nicht bekannt. Sie könnte jedoch den Einstieg von Ponar Wadowice in internationale Rüstungsprogramme erleichtern.
Auch Branchenorganisationen suchen den Zugang zur Rüstungsindustrie. Das Maschinenbau-Cluster Evoluma aus dem ostpolnischen Białystok hat die Initiative "Bündnis für die Region" gestartet. Ziel ist es, die rund 150 Mitgliedsunternehmen als Zulieferer für Verteidigungs- und Dual‑Use‑Projekte zu positionieren.
Für einzelne Unternehmen aus Polens Maschinenbau werden Rüstungsaufträge zum Rettungsring. Der traditionsreiche Betrieb Rafako stellte ursprünglich Kessel und Öfen für Kohlekraftwerke her. Mit dem Rückgang der Kohleverstromung geriet das Unternehmen in die Krise und meldete 2024 Insolvenz an. Nach einer staatlichen Intervention produziert Rafako heute unter dem Namen RFK Komponenten für die PGZ‑Gruppe.
Neue Geschäftsfelder entstehen
Der Kohleausstieg und die Energietransformation setzen ebenfalls neue Impulse in Polens Maschinenbau. Der Hersteller von Bergbaumaschinen Grenevia hat gemeinsam mit Tochterfirmen wie Famur und Impact sein Geschäftsmodell erweitert. Die Gruppe baut inzwischen auch Energiespeicher sowie Komponenten für Windanlagen. Die Strategie zeigt Wirkung. Trotz der Schließung von Steinkohleminen konnte Grenevia den Nettogewinn 2025 um mehr als ein Viertel steigern.
Auch der geplante Einstieg Polens in die Kernenergie eröffnet neue Geschäftsfelder. In der Nähe von Gdańsk soll das erste Kernkraftwerk des Landes entstehen. Der US-Technologiepartner Westinghouse verlangt von Zulieferern spezielle Zertifikate. Das polnische Unternehmen ZBUD, ein Hersteller von Hebe- und Fördertechnik, will ein entsprechendes Verfahren durchlaufen. Im Erfolgsfall könnte der Maschinenbauer Kräne für den Materialtransport im Kraftwerk liefern.
Die weiteren Absatzchancen für Maschinenbauer unterscheiden sich je nach Abnehmerbranche deutlich. Das zeigt der Siemens MiU-Index vom Juni 2026, der das Investitionsklima in verschiedenen Industriezweigen in Polen erfasst. Während nur wenige Kunststoffverarbeiter in den kommenden zwölf Monaten Investitionen planen, zeigt sich die Lebensmittelindustrie deutlich ausgabenfreudiger. Rund 41 Prozent der befragten Unternehmen wollen in Maschinen investieren.
Wachsende Exporte nach Polen
Deutsche Maschinenbauer profitieren vom Investitionsboom in Polen. Während die Exporte in die USA und nach China spürbar zurückgehen, entwickelt sich Polen zu einem Stabilitätsanker, berichtet der Branchenverband VDMA. Maschinenausfuhren nach Polen stiegen 2025 um 1,6 Prozent und legten im 1. Quartal 2026 erneut zu.
Größere Kooperationen im Rüstungsbereich sind bislang selten. Im Energiesegment ergeben sich jedoch konkrete Projekte. Das Unternehmen Singulus Technologies aus Kahl am Main liefert Beschichtungsanlagen für eine Photovoltaikfabrik des polnischen Herstellers Roltec. Siemens Energy erhielt gemeinsam mit einem polnischen Partner den Auftrag zum Bau von zwei Gaskraftwerken in Rybnik und Gryfino. Der Kranbauer Liebherr lieferte Anfang 2026 zudem erstmals einen 800‑Tonnen‑Kran nach Polen. Auftraggeber ist das Bauunternehmen Błażej & Roman, das den Kran beim Bau von Windparks einsetzen will.
Neue Einkaufspolitik in Staatsfirmen
Internationale Lieferanten können jedoch schon bald mit neuen Hürden konfrontiert werden. Polens Ministerium für Staatsunternehmen will, dass staatliche Betriebe verstärkt Aufträge an Unternehmen mit polnischem Eigentümer vergeben. Unter dem Stichwort "Local Content" würden polnische Anbieter bei Ausschreibungen zusätzliche Bewertungspunkte erhalten. Obwohl es sich um Empfehlungen handeln soll, will das Ministerium mit den Staatsfirmen Zielvereinbarungen festlegen. Ob diese neuen Vorgaben die Auftragsvergabe tatsächlich beeinflussen werden, ist offen.
Ein weiterer Nachteil für internationale Maschinenbauer ist, dass eine Steuererleichterung für Roboter zum Jahreswechsel 2027 enden wird. Unternehmen, die Roboter für ihre Produktion einkaufen, erhalten bislang zusätzliche steuerliche Abzüge. Wirtschaftsverbände setzen sich für eine Verlängerung und Ausweitung der Regelung ein, etwa auf die automatisierte Intralogistik. Polens Finanzministerium hält sich jedoch bedeckt.
| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Jelcz | 180 | Planung | Bau einer Fabrik für Militärfahrzeuge |
| Pratt & Whitney | 85,5 | Bau | Ausbau eines Flugzeugmotorenwerks |
| Homag | 54 | Bau | Bau eines Industriekomplexes für Holzbearbeitungsmaschinen |
| Ponar Wadowice | 24 | Bau | Ausbau einer Fabrik für Krafthydrauliksysteme |
| Hitachi Energy | 15 | Bau | Ausbau einer Fabrik Transformatoren |