Branche kompakt | Polen | Ernährungswirtschaft

Markttrends

Angesichts steigender Exporte dürfen sich Polens Lebensmittelhersteller über ein spürbares Umsatzplus freuen. Im Inland bleibt hingegen der Preis das entscheidende Kriterium.

Von Christopher Fuß | Warschau

Die Hersteller von Nahrungsmitteln in Polen befinden sich im Aufwind. Nach Daten der Statistikbehörde GUS wuchsen die Umsätze der Branche 2025 um über 11 Prozent. Gemeinsam mit den Getränkeherstellern erwirtschaftete die Lebensmittelindustrie einen Rekordwert von 107,4 Milliarden Euro.

Wachstumstreiber waren die Auslandsmärkte. Wie aus Eurostat‑Daten hervorgeht, legten die Exportumsätze rund doppelt so stark zu wie die Inlandsverkäufe. Die staatliche Landwirtschaftsagentur KOWR berichtet, dass Polen 2025 so viele Agrar- und Lebensmittelwaren exportierte wie nie zuvor, darunter insbesondere Fleisch‑ und Getreideprodukte. Besonders dynamisch entwickelte sich der Absatz in europäische Länder.

Umsatz der polnischen Produzenten mit Nahrungs-, Genussmitteln und GetränkenIn Milliarden Euro, Veränderung in Prozent
Kategorie2025 *)

2024 *)

2023 *)

Veränderung 2025/2024

Nahrungsmittel96,6

86,8

84,9

11,3

Getränke10,8

10,8

10,6

0

Tabakwaren5,8

k.A.

5,1

k.A.

* Umgerechnet zum jeweiligen Durchschnittskurs 2023: 1 Euro = 4,5420 Złoty, 2024: 1 Euro = 4,3058 Złoty, 2025: 1 Euro = 4,2397 Złoty.Quelle: Statistisches Hauptamt GUS 2026

Starkes Wachstum dank Catering und Lieferdiensten

Im Inland entwickelten sich die Absatzkanäle uneinheitlich. Die realen, also inflationsbereinigten Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel stagnierten 2025. Włodzimierz Wlaźlak, Vorstandsvorsitzender der polnischen Lidl‑Tochter, führt dies auf die hohen Inflationsraten der vergangenen Jahre zurück. Zwar habe sich die Teuerung inzwischen normalisiert, doch "die Jahre der Unsicherheit seit 2020 haben dazu geführt, dass die Kunden vorsichtiger sind", sagte Wlaźlak der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Stark entwickelte sich hingegen das Marktsegment HoReCa (Hotel, Restaurant, Catering). Die Zahl der Restaurants stieg 2025 laut der Marktforschungsagentur Dun & Bradstreet im Jahresvergleich um 4,1 Prozent. Bei Cateringunternehmen und Lieferdiensten lag das Plus sogar bei rund 13 Prozent. Gibt es mehr HoReCa-Unternehmen, steigt der Absatz der Zulieferer aus der Lebensmittelindustrie.

Das HoReCa‑Gewerbe profitiert vom Bau neuer Bürozentren in polnischen Großstädten. Lieferdienste sind hier besonders aktiv. Parallel dazu wächst auch das Angebot von Convenience‑ und Ready‑to‑Eat‑Produkten im Einzelhandel, wie Analysten der Beratungsagentur PMR Market berichten.

Gleichzeitig drängen neue HoReCa-Anbieter in den Markt. So hat 2025 die deutsche Burgerkette Burgermeister ihren ersten Standort in Polen in der Hafenstadt Szczecin eröffnet.

Funktionale Lebensmittel besonders beliebt

Auch auf Produktebene gibt es Entwicklungen. Nach Angaben der Marktforschungsagentur NielsenIQ greifen polnische Verbraucherinnen und Verbraucher im Einzelhandel zunehmend zu frischen Milchprodukten mit einem erhöhten Proteingehalt. Dazu zählen Joghurts, Quark und Frischkäse.

Getragen von dieser Entwicklung wuchs der Absatz frischer Milchprodukte 2025 um 8,5 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Zulegen konnte zudem das Segment der pflanzlichen Milchersatzgetränke. Besonders gefragt sind laut NielsenIQ sogenannte Barista‑Varianten, deren Schaumeigenschaften und Geschmack jenen herkömmlicher Tiermilch nahekommen.

Eine Besonderheit des polnischen Marktes ist der weiter steigende Fleischkonsum, der sich vom Trend in vielen anderen europäischen Ländern abhebt. Gefragt sind vor allem Wurstwaren sowie Schweine‑ und Geflügelfleisch. Fleischersatzprodukte bleiben hingegen eine Nische. Nach Daten der Marktforschungsagentur YouGov erreichen vegetarische und vegane Alternativen weniger als 2 Prozent des Marktvolumens klassischer Fleischprodukte.

Ähnlich begrenzt ist die Bedeutung von Biolebensmitteln. Zwar scheint sich der Markt nach mehreren schwachen Jahren zu stabilisieren: Fachhändler wie BioPlanet oder Organic Farma Zdrowia konnten ihre Umsätze 2025 sowie zu Beginn des Jahres 2026 steigern. Dennoch bleibt der Marktanteil gering. Nach Angaben des Branchenverbands PIŻE (Polska Izba Żywności Ekologicznej) entfällt lediglich rund 1 Prozent des gesamten Lebensmittelmarktes auf ökologische Produkte.

23,1 %

beträgt der Anteil der Nahrungsmittel-, Getränke- und Genussmittelindustrie an allen Umsätzen im verarbeitenden Gewerbe.

Kunden bleiben preisbewusst

Bei alkoholischen Getränken folgt Polen dem europäischen Trend. Zwischen Oktober 2024 und Oktober 2025 ging der Absatz laut NielsenIQ sowohl mengen‑ als auch wertmäßig zurück. Rückläufige Bier‑ und Weinverkäufe sorgten dafür, dass die Umsätze im gesamten Getränkemarkt auf dem Vorjahresniveau stagnierten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen.

Die Beliebtheit von funktionellen Lebensmitteln und Getränken dürfte nach Prognosen von YouGov weiter fortbestehen. Die Nachfrage nach Produkten mit reduziertem Zucker‑ sowie erhöhtem Proteingehalt wachse weiter. "Das ist kein vorübergehender Trend, sondern eine deutliche Veränderung in der Denkweise über Ernährung und Gesundheit", sagte Szymon Mordasiewicz, Geschäftsführer von YouGov, dem Industrieportal WNP.pl.

Gleichzeitig bleibt der Preis das wichtigste Kriterium für Kunden. Laut einer Umfrage der deutschen Payback-Gruppe geben bis zu zwei Drittel der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher in Polen an, primär auf den Preis zu achten. Daran dürfte sich mittelfristig wenig ändern.

Modernisierungswelle der Hersteller

Trotz des anhaltenden Preiskampfes investieren Lebensmittelhersteller in Polen. Sie bauen vor allem ihre Exportkapazitäten aus. So erweitert die Knorr‑Muttergesellschaft Unilever ein Werk für Fertiggerichte und Soßen in Poznań, das hauptsächlich den europäischen Markt beliefert. Auch der Fischverarbeiter Lisner, eine Tochter der Theo‑Müller‑Gruppe, baut seinen polnischen Standort für rund 50 Millionen Euro aus. Ein großer Teil der Produktion ist für den Export bestimmt.

Lebensmittelhersteller mit polnischem Eigentümer, wie der Fleischverarbeiter Tarczyński oder der Molkereikonzern Mlekpol, investieren ebenfalls. Bei den meisten Projekten stehen Energieeinsparungen, die Automatisierung von Produktions‑ und Lagerprozessen sowie die Entwicklung neuer Produkte im Vordergrund.

Polen fördert Investitionen zudem mit Zuschüssen aus EU‑Programmen. Ab September 2026 können kleine und mittelständische Agrarbetriebe sowie Lebensmittelverarbeiter bei der Landwirtschaftsagentur ARiMR Zuschüsse von bis zu 2,3 Millionen Euro für Modernisierungsprojekte beantragen. Das Förderprogramm verfügt über ein Gesamtbudget von mehr als 200 Millionen Euro.

Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
Projekt

Investitionssumme 

ProjektstandAnmerkungen
Ausbau und Automatisierung des Wurstwarenwerks in Ujeździec Mały bei Wrocław

165

Projektdurchführung, Fertigstellung bis Ende 2026Grupa Tarczyński
Ausbau der Fabrik für Süßwaren und Kekse in Płońsk

145

Projektdurchführung, Fertigstellung 2026Mondelēz International
Ausbau und Automatisierung des Werks für Molkereiprodukte in Grajewo

97

Projektdurchführung, Fertigstellung bis 2029SM Mlekpol
Ausbau des Werks für Geflügelfleisch in Olsztyn

66

ProjektdurchführungIndykpol
Ausbau und Modernisierung des Werks für Molkereiprodukte in Ostrołęka

61

Projektdurchführung, Fertigstellung bis 2028OSM Piątnica
Ausbau des Lebensmittelwerks und Bau eines automatisierten Hochregallagers in Poznań

47

Projektdurchführung, Fertigstellung bis Mitte 2027Unilever
Bau eines Logistikzentrums in Zawiercie

35

Projektdurchführung, Fertigstellung 2027Dino Polska
Ausbau und Automatisierung des Süßwarenwerks in Dobczyce

22

Projektdurchführung, Fertigstellung bis Ende 2027Wawel 
Bau eines Logistikzentrums in Skawina

k.A.

Projektdurchführung, Fertigstellung 2027Lidl Polska
Quelle: Pressemeldungen 2026, Firmenangaben, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Dieser Inhalt gehört zu