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Markttrends

Rumäniens Automobilindustrie vollzieht ihren Wandel zur Elektromobilität. Kfz-Zulieferer investieren zunehmend in Forschung und Entwicklung. Der Automarkt in Rumänien wächst.

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

Rumäniens Automobilindustrie zeigt sich stabil. Der Übergang zur Elektromobilität erhöht den Wettbewerbsdruck auf die rumänischen Autobauer Dacia (Renault Group) und Ford Otosan. Beide können sich gegen die Konkurrenz aus China behaupten.

Autotrends in Rumänien: Dacia und Ford behaupten sich gegen Konkurrenz aus China

Dacia plant, ab dem 2. Halbjahr 2026 ein neues BEV-Modell (BEV, englisch battery electric vehicle), einzuführen, das Renault in Slowenien zusammen mit dem Renault Twingo und ausschließlich in Europa produzieren will. Dafür wird das Unternehmen Zulieferungen von Komponenten aus Rumänien benötigen. "Wir glauben, dass wir die chinesische Konkurrenz im A-Segment bekämpfen und begrenzen können", sagt Frank Marotte, Vertriebs- und Marketingleiter von Dacia, bei einer Pressekonferenz am 20. Januar 2026. 

 

Produktion in Rumänien: Zuliefererindustrie erwartet mittelfristiges Wachstum

Die rumänischen Autohersteller investieren weiter und bauen europäische Lieferketten aus. Die Branche erwartet, dass Ford Otosan und Dacia in den kommenden Jahren das Produktionsniveau steigern werden. Dies verspricht Zulieferern von Kfz-Teilen für Hybrid und batterieelektrische Autos eine mittelfristige Wachstumsperspektive. Dazu gehören überwiegend deutsche Unternehmen wie Continental, Dräxlmaier, Schaeffler, Forvia Hella, Bosch und weitere.  

Euro-7-Norm befeuert Nachfrage nach Sensoren, Batterien und effizienten Reifen

Zusätzlich befeuert die EU-Politik die Nachfrage nach lokaler Fertigung von Komponenten sowie nach Tests und Messungen vor Ort. Denn ab 29. November 2026 müssen alle neuen Autos, die in der EU auf den Markt kommen, die neue Abgasnorm Euro-7 erfüllen. Besonders betroffen sind Reifenhersteller und Zulieferer elektronischer Komponenten wie Sensoren oder Batterien, da die neue Abgasnorm die Emissionen von Bremsen und Reifen regelt.

Automobilindustrie sucht zunehmend hoch qualifizierte Fachkräfte

Dennoch spürt die rumänische Automobilindustrie den globalen Wettbewerbsdruck. Steigende Arbeitskosten und Steuern verringern besonders im verarbeitenden Gewerbe den Standortvorteil Rumäniens als kostengünstiges Produktionszentrum. Unternehmen reduzieren daher lohnintensive Fertigungsschritte. So haben bereits Kfz-Zulieferer wie Schaeffler, Faurecia oder das Softwareunternehmen NTT Data Mitarbeiter entlassen. Ein weiterer Grund für Entlassungen ist eine rückläufige Auftragslage von Autoherstellern aus anderen europäischen Ländern. Denn europäische Autohersteller beziehen Komponenten, von Erstausrüstern (Original Equipment Manufacturer, auch OEM, genannt), die in Rumänien produzieren. Die rumänische Automobilindustrie exportiert rund 90 Prozent ihres Ausstoßes.

Zulieferer benötigen andererseits neue Mitarbeitende, zunehmend mit Ingenieursausbildung. Die Suche nach akademisch ausgebildeten Fachkräften verschärft sich weiter. Rumänien benötigt über 100.000 neue hoch qualifizierte Fachkräfte.

Rumänien entwickelt sich zu einem Hochtechnologiestandort

Ein strategischer Meilenstein dafür ist das Mikrochip-Projekt. Dabei geht es darum, Rumänien als Forschungs- und Entwicklungsstandort für eine europaweite Halbleiterindustrie zu etablieren. Bosch und Continental sind daran zusammen mit dem rumänischen Unternehmen NXP Semiconductor beteiligt. Rumänien gibt dafür Staatsbeihilfen in Höhe von 195 Millionen Euro. Ziel dabei ist, in Rumänien ein Mikrochip-Cluster für die Forschung und Entwicklung von Halbleitern und Kommunikationstechnologien im Bereich Automotive zu entwickeln. Dies hat eine strategische Bedeutung, denn mit einer eigenen Halbleiterproduktion wäre die Automobilindustrie weniger abhängig von Lieferungen aus Asien. Zudem verschmilzt die Kfz-Industrie zunehmend mit dem IT-Sektor. 

Automarkt Rumänien: Mittelfristige Aussicht verspricht Erholung

Der Automarkt in Rumänien ist aktuell rückläufig, verspricht sich aber künftig zu erholen. Die Verkäufe sind 2025 um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Grund dafür waren die Erhöhung der Mehrwertsteuer im August 2025 um 2 Prozent sowie ein generell verlangsamtes Lohnwachstum. Zudem fehlten Kaufanreize, weil die Regierung die Abwrackprämie für den Kauf umweltfreundlicherer Autos ausgesetzt hatte.

Die Abwrackprämie setzt wichtige Wachstumsimpulse für den heimischen Automarkt, der mittelfristig noch weiter wachsen wird. Der Grad der Motorisierung der rumänischen Bevölkerung liegt aktuell mit 0,39 Autos pro Einwohner weit unter dem EU-Durchschnitt von 0,56 Autos pro Einwohner, berichtet Eurostat. Lediglich in der Hauptstadt Bukarest entspricht die Dichte der Fahrzeuge dem EU-Durchschnitt. 

Deutsche Autobauer haben nach Angaben des Verbands der Automobilhersteller in Rumänien (ACAROM) einen Marktanteil von rund 13,2 Prozent. Alle deutschen Marken kommen zusammen auf 20.701 neu zugelassene Pkw im Jahr 2025. 

Dacia bleibt MarktführerAbsatz von Pkw nach Herstellern in Rumänien (Stückzahl; Veränderung und Marktanteil in Prozent)

Hersteller

Absatz

Veränderung 2025/2024

Marktanteil 2025

Dacia 

45.756

2,9

29,4

Toyota

14.418

13,9

9,3

Renault

11.440

26,6

7,3

Skoda

11.299

13,9

7,2

Hyundai

9.352

6,5

6

Sonstige

63.590

 

40,8

Quelle: Automotive Manufacturers and Importers Association APIA, Januar 2026

 

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