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Deutschland ersetzt Kohlelieferungen aus Russland

Die EU sanktioniert die Einfuhr russischer Kohle, erlaubt aber deren Transport in Drittländer. Russland lenkt seine Kohlelieferungen nach Asien, um den Exportrückgang abzufedern.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Berlin

Russland gehörte vor Beginn seines Angriffskrieges auf die Ukraine zu den drei größten Kohleexporteuren der Welt. Die Europäische Union (EU) deckte mit rund 52 Millionen Tonnen einen Großteil ihres Bedarfs aus den Vorkommen des östlichen Nachbarlandes. Im Jahr 2021 betrug der Marktanteil russischer Steinkohle an den EU-Importen 46,7 Prozent – das war der höchste Anteil eines russischen Energieträgers in der Union. Nach dem Überfall auf die Ukraine löst sich die EU von dieser Abhängigkeit. Der Marktanteil russischer Kohle ging bis Ende 2022 auf 22 Prozent zurück und wird 2023 weiter sinken.

Deutschland reduzierte im Jahr 2022 den Import russischer Kohle auf ein Minimum. Stattdessen bezieht die Bundesrepublik den Energieträger nun verstärkt aus Indonesien, Kolumbien und Südafrika sowie aus eigenen Vorkommen.

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Europa lockert Sanktionen auf russische Kohle

Nach Inkrafttreten des 5. Sanktionspakets im April 2022 gilt seit 10. August 2022 ein Einfuhrverbot für russische Kraftwerks- und Kokskohle in die EU. Ab dem gleichen Tag wurde auch der Weitertransport russischer Kohle unter Strafe gestellt. Doch seit September 2022 gelten Ausnahmeregelungen, die europäischen Reedereien den Transport russischer Kohle per Schiff in Drittstaaten sowie die Versicherung und Finanzierung der Ladung erlauben.

Kohle aus Russland findet neue Abnehmer in Asien

Russland lenkt seit Kriegsbeginn seine Kohleausfuhren nach Asien um. Zum wichtigsten Abnehmer russischer Kohle entwickelt sich China. Das Reich der Mitte steigerte seine Kohleeinfuhren aus Russland 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent auf 69,5 Millionen Tonnen. China will seinen wachenden Bedarf weiterhin aus seinem Nachbarland decken.

Ein weiterer wichtiger Abnehmer russischer Kraftwerkskohle ist Indien. Der Subkontinent nutzt Kohle als wichtigsten Energieträger zur Stromerzeugung und steigerte seit Kriegsbeginn seine Einfuhren aus Russland um das 3,5-fache auf 8,4 Millionen Tonnen.

Südkorea stockte 2022 die Einfuhr von Kraftwerkskohle aus Russland um ein Viertel auf rund 26,5 Millionen Tonnen auf, meldet der Branchendienst Argus Russian Coal. Auch Staaten in Afrika und dem Nahen Osten zählen zu den Abnehmern russischer Kohle.

Hauptgrund für die wachsenden Kohleimporte asiatischer Abnehmer aus Russland ist deren günstiger Preis. Ende Dezember 2022 kostete eine Tonne russischer Kohle mit 244 US-Dollar (US$) beinahe halb so viel wie australische Kohle (409,5 US$). Kürzere Lieferwege und niedrigere Transportkosten aus den Abbaugebieten in Sibirien bringen russischen Kohleexporteuren weitere Wettbewerbsvorteile. Das größte Hindernis für eine weitere Steigerung der Ausfuhren nach Asien liegt aktuell im russischen Schienennetz. So verhindern die Überlastung sowie Engstellen auf der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale die Erhöhung der Exportmengen nach Asien.

Russlands Kohleausfuhr geht mittelfristig zurück

Der Export russischer Kohle sank 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent auf 211 Millionen Tonnen. Gleichzeitig wurde russische Kohle auf dem Weltmarkt mit beträchtlichen Preisabschlägen gehandelt. Russland ist es nicht gelungen, die sanktionierten Lieferungen nach Europa komplett in Richtung Asien umzuleiten, analysiert die Zentralbank. Doch konnte die gestiegene Inlandsnachfrage den Exportrückgang teilweise kompensieren.

Bis 2025 werden die russischen Kohleausfuhren weiter abnehmen auf rund 150 Millionen Tonnen, schätzt die Internationale Energieagentur. Hauptgründe hierfür sind der Rückgang der Weltmarktpreise auf Erdgas, für welches zeitweise Kohle als Ersatz zur Stromerzeugung verfeuert wurde, die Auswirkungen des EU-Einfuhrembargos und der weltweite Trend hin zur Dekarbonisierung.

Russland muss Förderniveau herunterfahren

Russland baute im Jahr 2022 rund 443,6 Millionen Tonnen Kohle ab, etwa so viel wie im Vorjahr. Bei den hauptsächlich in die EU gelieferten Kohlesorten ging die Produktionsleistung 2022 zurück, so etwa bei Steinkohle um 3,6 Prozent. Bei Anthrazit betrug der Rückgang 3,5 Prozent und bei Koks 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Jahr 2023 wird die Kohleförderung um 9 Prozent zurückgehen, schätzt das russische Wirtschaftsministerium. Neben dem weggebrochenen Absatzmarkt in der EU hemmen Sanktionen auf die Lieferung westlicher Bergbautechnik den Abbau.

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