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Investitionsklima lockt ausländische Unternehmen an
Saudi-Arabien liegt bei ausländischen Direktinvestitionen auf Platz 2 der Golfstaaten. Kapital fließt vor allem in den Chemiesektor. Künftig sollen weitere Branchen profitieren.
21.01.2026
Von Heena Nazir | Dubai
Saudi-Arabien hat seine frühere Spitzenposition bei ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) in der Golfregion bereits 2023 an die Vereinigten Arabischen Emirate verloren. Dieser Abstand konnte bislang nicht wieder geschlossen werden. Nach Angaben der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) lagen die akkumulierten FDI-Bestände der VAE 2024 bei rund 270 Milliarden US-Dollar (US$), während Saudi-Arabien mit etwa 260 Milliarden US$ weiterhin Rang 2 in der Region einnimmt. Zwar wuchs auch der FDI-Bestand in Saudi-Arabien, jedoch weniger stark als beim wichtigsten regionalen Wettbewerber.
Bei den jährlichen Zuflüssen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Trotz eines globalen Rückgangs der FDI-Ströme konnten die Nettozuflüsse nach Saudi-Arabien 2024 wieder zulegen. Die Marktgröße, die staatliche Investitionskraft sowie großvolumige Industrie- und Infrastrukturprojekte sichern dem Königreich weiterhin eine hohe Relevanz für internationale Investoren.
Vision 2030 setzt ambitionierte Investitionsziele
Im Zentrum der nationalen Entwicklungsstrategie "Vision 2030" steht eine deutliche Ausweitung der Investitionen. Der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll zwischen 2020 und 2030 von rund 22 auf etwa 30 Prozent steigen. Gleichzeitig soll der Beitrag ausländischer Direktinvestitionen zum BIP von unter 1 Prozent in 2022 auf rund 5,7 Prozent wachsen. Diese Zielmarken gelten als sehr ambitioniert. Um sie zu erreichen, wären über mehrere Jahre hinweg zweistellige Wachstumsraten bei den Gesamtinvestitionen erforderlich. Bei den ausländischen Direktinvestitionen ergibt sich daraus eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und bislang realisierter Entwicklung.
Industrie- und Downstream-Projekte als FDI-Schwerpunkt
Der Schwerpunkt ausländischer Direktinvestitionen liegt weiterhin in den nachgelagerten Industrien der Öl- und Gaswirtschaft. Petrochemie, Raffinerien, Gasverarbeitung und energieintensive Grundstoffindustrien ziehen den Großteil des internationalen Kapitals an. Treiber sind staatliche Industriepolitik, langfristige Abnahmeverträge sowie Joint Ventures mit nationalen Energiekonzernen.
Aktuelle Beispiele sind der geplante integrierte Ausbau des Petrochemiestandorts Yanbu durch Saudi Aramco und Sinopec sowie der Einstieg eines internationalen Konsortiums in die Midstream-Infrastruktur des Jafurah-Gasfeldes. Beide Projekte unterstreichen die strategische Bedeutung des Energie- und Industriesektors für ausländische Investoren.
Relevante Investitionsaspekte für ausländische Investoren
- Schwerpunkt auf kapitalintensiven Industrie- und Energieprojekten mit langfristigem Horizont
- Markteintritt häufig über Joint Ventures oder Co-Investments mit staatlichen Unternehmen
- Attraktive Projektgrößen, aber hohe Anforderungen an Finanzierungskraft und Projektmanagement
- Investitionsanreize durch staatliche Industriepolitik, Abnahmegarantien und Förderinstrumente
- Zunehmende Bedeutung von Local Content, Beschäftigungseffekten und Technologie-Transfer
| Förderinstrument / Institution | Zielsetzung | Relevanz für Investoren |
|---|---|---|
| Ministry of Investment of Saudi Arabia (MISA) | Zentrale Anlaufstelle für ausländische Investoren, Investitionslizenzen, RHQ-Programm | Markteintritt, Genehmigungen, Standortwahl |
| Vision 2030 Programme | Strategische Leitlinie für Investitionen in priorisierten Sektoren | Politischer Rahmen, langfristige Planungssicherheit |
| Public Investment Fund (PIF) | Staatsfonds, Co-Investments und Großprojekte | Joint Ventures, Großprojekte, Infrastruktur |
| National Investment Strategy | Erhöhung der in- und ausländischen Investitionen | Investitionsanreize, Sektorprioritäten |
| Saudi Industrial Development Fund (SIDF) | Finanzierung von Industrie- und Fertigungsprojekten | Kredite, Projektfinanzierung |
| National Infrastructure Fund (NIF) | Finanzierung von Infrastrukturprojekten | PPP-Modelle, langfristige Finanzierung |
| Special Economic Zones (SEZ) | Steuerliche und regulatorische Erleichterungen | Standortvorteile für Industrie, Logistik, IT |
| IKTVA-Programm (Saudi Aramco) | Lokalisierung von Lieferketten | Local Content, Lieferantenzugang |
| Nusened-Programm (SABIC) | Förderung lokaler Wertschöpfung | Industriepartnerschaften |
Wachsende Anforderungen an Investoren: Lokale Wertschöpfung und Regional-Headquarter
Parallel zur Öffnung für ausländisches Kapital verschärft Saudi-Arabien die Anforderungen an lokale Wertschöpfung. Zentrale Rolle spielt das Programm "In Kingdom Total Value Add“ (IKTVA)" von Saudi Aramco, das eine schrittweise Lokalisierung der Lieferketten vorsieht. Vergleichbare Programme existieren auch bei anderen staatsnahen Unternehmen.
Auch deutsche Firmen werden in Saudi-Arabien immer häufiger von lokalen Unternehmen zu einem vertieften Engagement gedrängt. Lokale Vertriebspartner weisen darauf hin, dass angesichts des wachsenden Drucks zur verstärkten lokalen Wertschöpfung ein reines Liefergeschäft zukünftig nur noch beschränkt funktionieren dürfte. Zur Produktion von Waren und Erstellung von Dienstleistungen wird daher die Gründung von Joint Ventures vorgeschlagen.
Seit Anfang 2024 ist zudem die Einrichtung eines Regional Headquarters (RHQ) grundsätzlich Voraussetzung für die Teilnahme an staatlichen Ausschreibungen. Das regionale Hauptquartier muss für den gesamten Nahen Osten und Nordafrika zuständig sein und eine Mindestzahl qualifizierter Beschäftigter vor Ort aufweisen. Bis Ende 2025 hatten mehrere hundert internationale Unternehmen eine entsprechende Lizenz beantragt. Das Programm stärkt die lokale Präsenz internationaler Firmen, erhöht jedoch die Markteintrittskosten.
Was deutsche Unternehmen beim Markteintritt beachten sollten
- Markteintritt erfolgt meist über lokale Gesellschaft
- Niederlassung oder Joint Venture
- Lizenzierung und sektorale Genehmigungen bestimmen Zeitplan und Kosten
- Präqualifikationen sind häufig Voraussetzung für Projektgeschäft
- Saudisierungsvorgaben beeinflussen Personalplanung und Kostenstruktur
- Reine Exportmodelle verlieren an Bedeutung
Sonderwirtschaftszonen und regulatorische Rahmenbedingungen
Zur gezielten Förderung ausländischer Investitionen hat Saudi-Arabien mehrere Sonderwirtschaftszonen eingerichtet. Diese bieten steuerliche Erleichterungen, vereinfachte Zollverfahren und regulatorische Vorteile für ausgewählte Branchen wie Industrie, Logistik und Cloud-Computing.
Gleichzeitig gewinnen steuerliche, regulatorische und Compliance-Aspekte an Bedeutung. Für Investoren relevant sind insbesondere die Grundlogik der Unternehmensbesteuerung, indirekte Steuern, Anforderungen an Transparenz sowie Vorgaben zu Datenhaltung und Cybersecurity. Bei größeren Engagements spielen zudem Vertragsgestaltung und Streitbeilegung, häufig über Schiedsverfahren, eine zentrale Rolle. Einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen bietet die GTAI-Publikation Recht kompakt - Saudi-Arabien.
Unternehmen | Partner | Tätigkeitsfelder (Auswahl) |
|---|---|---|
Capton Energy | Siemens / Desert Technology (Saudi-Arabien) / Capton (Dubai) | Solarenergie |
Fresenius Medical Care Saudi Arabia | Fresenius / Saudi Arabian Trading Company | Gesundheitswesen |
BASF Saudi Arabia | BASF / Sabic | Petrochemie, Kunststoffe, Agrarchemikalien |
Linde Saudi Industrial Gases Compay | Linde / Saudi Industrial Gases Compay (SIGAS) | Technische Gase |
Linde Sipchem | Linde / Sahara International Petrochemical Company | Industriegase |