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Wirtschaftsausblick | Kenia

Kenias Wirtschaft erlebt einen leichten Aufschwung

Das Wirtschaftswachstum steigt leicht. Nach Jahren der Flaute werden vermehrt große Infrastrukturprojekte angegangen.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Mehr Tempo bei Investitionen in die Infrastruktur

Mit Blick auf die Wahlen 2027 steigt der politische Druck auf Präsident William Ruto, spürbare wirtschaftliche Impulse zu setzen. Der finanzielle Spielraum des Staates ist jedoch begrenzt: Die hohe Staatsverschuldung erlaubt bislang kaum mehr als Mindestinvestitionen. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren nur wenige große Infrastrukturprojekte realisiert.

Die Zurückhaltung könnte nun einem Kurswechsel weichen. Mehrere Infrastrukturvorhaben mit einem Gesamtvolumen von mehreren Milliarden US‑Dollar (US$) werden derzeit vorangetrieben, intensiv diskutiert oder bereits umgesetzt. Die meisten Projekte stehen seit Jahren auf der politischen Agenda.

  • Hafen Mombasa: 

    Die staatliche Kenya Ports Authority (KPA) will die Kapazität von rund 2,3 auf über 3 Mio. TEU ausbauen. Dafür sind knapp 1 Milliarde US$ vorgesehen, teilweise staatlich finanziert, ergänzt durch Konzessionen an private Betreiber geplant. Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Containerumschlag nahezu verdoppelt.

  • Rironi (bei Nairobi) – Nakuru – Mau Summit Expressway: Die bestehende Verkehrsachse in den Westen des Landes wird von der China Road & Bridge Corporation (CRBC) im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) zu einer 175 Kilometer langen Mautautobahn ausgebaut. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen, die Projektkosten belaufen sich auf rund 1,4 Milliarden US$.
  • Naivasha – Malaba (Grenze zu Uganda) Standard Gauge Railway (SGR): Die seit 2017 betriebene Bahnstrecke soll um weitere 475 Kilometer bis zur Grenze mit Uganda verlängert werden. Die Finanzierung des Projekts – veranschlagt mit 3 bis 5 Milliarden US‑Dollar – ist offen. Erwartet wird ein Mix aus Staatsanleihen, darunter Panda-Bonds in China, sowie privaten Mitteln. Uganda baut den
  • Nairobi – Mombasa Expressway: Die Nationalstraße N8 soll im PPP-Verfahren zu einer 417 Kilometer langen vierspurigen Mautautobahn ausgebaut werden. Die Kosten sind mit 3,1 Milliarden US$ veranschlagt. Interesse signalisiert unter anderem der US-Investor Everstrong Capital.
  • Energiesektor - Aufhebung des Moratoriums für Stromabnahmeverträge: Mit der Aufhebung des Moratoriums für Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPA) im November 2025 können private Kraftwerksinvestoren wieder Verträge mit dem staatlichen Energieversorger KPLC schließen – eine zentrale Voraussetzung für neue Erzeugungskapazitäten und mehr Dynamik im Energiesektor.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur zeigt verhaltenen Aufwärtstrend

Die Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 liegen bei nahezu allen Instituten leicht über dem Vorjahresniveau. Weltbank und IWF erwarten einen Zuwachs von 5 Prozent, der Informationsdienstleister Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet sogar mit 5,4 Prozent.

Ein Wachstum von rund 5 Prozent gilt in einem Land mit starkem Bevölkerungsanstieg nur als mäßig. Nach Wachstumsraten von über 7 Prozent in den 2010er Jahren hat die Dynamik seit 2020 nachgelassen – bedingt durch die Coronapandemie, hohe Staatsverschuldung und externe Faktoren wie gestiegene Importpreise.

Die gelockerte Geldpolitik wirkt positiv: Anfang 2026 liegt der Leitzins bei 9,0 Prozent nach 13,0 Prozent Mitte 2024. Davon profitiert vor allem der Bausektor durch steigende Kreditvergabe. Die Inflation könnte 2026 moderat auf etwa 5 Prozent steigen. Der kenianische Shilling zeigt sich nach den Abwertungen der Vorjahre stabil, wovon auch deutsche Exporteure profitieren.

Hochverschuldeter Staat bleibt investitionsschwach 

Wegen der hohen Staatsverschuldung kürzt die Regierung Investitionen und öffnet größere Infrastrukturprojekte stärker für private Partner. Zugleich berichten Unternehmen über steigende Abgaben. Trotz des Marktpotenzials bleiben ausländische Investoren zurückhaltend - mindestens bis zu den Wahlen.

Um zusätzliche Mittel zu mobilisieren, belastet der Staat zunehmend auch private Haushalte. In Verbindung mit hohen Lebenshaltungskosten und stagnierenden Reallöhnen dämpft dies den Konsum spürbar. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung bleibt entsprechend groß, sowohl mit der wirtschaftlichen Lage als auch mit der Regierungspolitik.

Westliche Produkte verlieren Marktanteile an China

Da sowohl kenianische Verbraucher als auch Unternehmen zunehmend auf ihre Ausgaben achten müssen, gewinnen preisgünstige Produkte – vor allem aus China – weiter an Marktanteilen. Westliche Anbieter verlieren hingegen an Bedeutung, da ihre Produkte preislich oftmals nicht mit der kostengünstigen Konkurrenz aus Asien mithalten können.

Deutsche Perspektive: Leichtes Exportwachstum lässt auf Trendwende hoffen

Die deutschen Exporte zwischen Januar und November 2025 erreichten laut dem Statistischen Bundesamt 253,3 Millionen Euro, ein Plus von etwa 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zunahme lässt hoffen, dass der Markt wieder in Schwung kommt. Seit Jahren stagnieren die deutschen Exporte nach Kenia wertmäßig auf einem geringen Niveau.    

Mit rund 120 Unternehmen bleibt die deutsche Präsenz in Kenia weiterhin bemerkenswert hoch. Eine größere Dichte deutscher Firmen findet sich in Subsahara-Afrika lediglich in Südafrika. Trotz niedriger Exportvolumina und eines teilweise herausfordernden Geschäftsumfelds halten deutsche Unternehmen dem Standort bislang die Treue – in der Hoffnung, dass die kenianische Wirtschaft wieder an Dynamik gewinnt. Hinzu kommt die Lage Nairobis als regionaler Hub, über den wachstumsstarke Nachbarmärkte wie Tansania und Uganda effizient bedient werden.

Deutsche Anbieter konzentrieren sich vor allem auf zahlungskräftige Kundengruppen wie multinationale Lebensmittelproduzenten, große Blumenexportfarmen sowie Privatkliniken. Zudem sind deutsche Ingenieurbüros sowie Hersteller von Baumaschinen und Baustoffen regelmäßig an durch westliche Geber finanzierte Infrastrukturprojekten beteiligt.

Hier finden Sie unser gesamtes Informationsangebot zu Kenia

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