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Markttrends

Die slowakische Autoproduktion hat ihr Potenzial ausgeschöpft und stagniert bei 1 Million Fahrzeugen pro Jahr. Höhere Zahlen sind durch die Eröffnung der Volvo-Fabrik zu erwarten.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Bratislava

Wegen der schwächeren Nachfrage müssen die vier Pkw-Hersteller zwischen Donau und Tatra ihre Kosten senken und den Personalbestand optimieren, einige Zulieferer schließen ihre slowakischen Werke.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ist in den letzten Jahren erheblich gesunken. Zum einen wegen höherer Einfuhrzölle auf dem wichtigen Absatzmarkt USA. Zum anderen wegen der Steuer- und Abgabenlast in der Slowakei sowie gestiegener Energiepreise. Laut Branchenverband ZAP SR belasten auch der schwierige Zugang zu Fachkräften sowie der Rückstand bei nachhaltigen Produktionsverfahren die Autobranche.

Die slowakischen Werke internationaler Automobilkonzerne haben daher zuletzt weniger Zuschläge für den Bau neuer Fahrzeugmodelle erhalten. Volkswagen vergab den elektrischen Kleinwagen ID.1 ins portugiesische Palmela statt nach Bratislava. Stellantis verlagerte den Peugeot e‑208 von Trnava ins spanische Saragossa und wird auch den Leapmotor B10 dort bauen lassen.

Trotz der angespannten Lage gibt es einige neue Investitionen. Dafür sorgen besonders der Umstieg auf Elektroautos und die notwendige Automatisierung der Produktion. 

Der slowakische Automobilverband ZAP SR rechnet für 2026 mit einer Produktion von 1,02 Millionen Pkw. Für die beiden Folgejahre könnte der Ausstoß bei den bestehenden vier Fabriken leicht um 60.000 Fahrzeuge steigen. Hinzu kommt die Produktion im künftigen Volvo-Werk. Dort soll die Testphase im Frühherbst 2026 starten. Im Jahresverlauf 2027 könnte die Fabrik die Volllast von 250.000 Elektroautos pro Jahr erreichen. Außerdem erklärte Premierminister Robert Fico im Spätsommer 2026, dass ein chinesischer Autobauer Interesse an einem Fabrikbau in der Slowakei habe. Details wurden bislang nicht genannt.

Batterien und Robotaxis als Zukunftsfelder

Bei wichtigen Zukunftstechnologien für die Automobilindustrie versucht die Slowakei ,Anschluss zu halten. In Šurany entsteht eine 1,2 Milliarden Euro teure Batterieproduktion des chinesischen Herstellers Gotion zusammen mit der slowakischen InoBat. Ursprünglich sollte die Serienproduktion 2027 anlaufen. Trotz Verzögerungen betont der Investor, dass er an dem Projekt festhalte.

Außerdem möchte die Slowakei sich als Testmarkt für autonome Mobilität positionieren. Dafür haben die Technologiefirma DiusAI und die Initiative Elevate Slovakia eine Partnerschaft mit der chinesischen WeRide geschlossen. Geplant sind Tests mit Robotaxis, autonomen Bussen, Lieferfahrzeugen und Kehrmaschinen. Die Pilotphase ist im 1. Halbjahr 2026 in Bratislava gestartet.

93.000 Pkw

wurden 2025 in der Slowakei neu zugelassen.

Konjunkturschwäche lässt Neuzulassungen schrumpfen 

Das Neuwagengeschäft leidet unter der Konjunkturschwäche in der Slowakei und der relativ hohen Inflation. Sowohl 2025 als auch im 1. Halbjahr 2026 schrumpfte die Zahl der Pkw-Neuzulassungen. Starke zweistellige Zuwächse gab es allerdings bei Lkw und Bussen. Auch bei leichten Nutzfahrzeugen stabilisiert sich die Nachfrage.

Nur bei Nutzfahrzeugen und Bussen stabilisiert sich die NachfrageAbsatz von Kfz in der Slowakei; Stückzahlen; Veränderung in Prozent

Kategorie

2024

2025

1. Halbjahr 2026

Veränderung 1. Halbjahr 2026 / 1. Halbjahr 2025

Pkw (M1)

93.409

93.103

43.504

-3,6

Leichte Nutzfahrzeuge (N1)

9.061

8.415

4.250

5,4

Lkw (N2, N3)

3.412

3.096

1.966

24,4

Busse (M2, M3)

252

199

107

32,1

Quelle: ZAP SR; Motofocus.sk 2026

Vom Rückgang der Neuwagenverkäufe waren im 1. Halbjahr 2026 sieben der zehn führenden Marken betroffen. Beim Marktführer Škoda gingen die Zulassungszahlen um fast 7 Prozent zurück, bei Kia sogar um 24 Prozent. Auf ein Plus kamen Volkswagen, Ford und Suzuki. Von den drei deutschen Premiumherstellern verzeichnete nur Audi im 1. Halbjahr steigende Verkäufe (+6 Prozent), während Mercedes-Benz (-22 Prozent) und BMW (-24 Prozent) deutliche Einbußen verbuchten. 

Die im Frühjahr 2025 gestartete Verkaufsoffensive des chinesischen Anbieters BYD zahlt sich bereits aus. Die Neuzulassungen stiegen von 10 (1. Halbjahr 2025) auf 576 Einheiten (1. Halbjahr 2026). Zweitstärkste chinesische Marke war MG, deren Verkäufe allerdings gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf 572 Autos schrumpften. Leapmotor (155 Neuzulassungen im 1. Halbjahr) und Chery (141) konnten erstmals nennenswerte Pkw-Verkäufe in der Slowakei realisieren.

Bei leichten Nutzfahrzeugen (Kategorie N1) waren Toyota, Renault und Ford im 1. Halbjahr 2026 die erfolgreichsten Marken. Bei Volkswagen schrumpften die Verkaufszahlen um 44 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Die Marke belegte bei Nutzfahrzeugen Rang 7 in der Slowakei. Mercedes-Benz verbuchte ein Plus von 11 Prozent und kam im 1. Halbjahr 2026 auf Rang 8.

Ein Drittel Marktanteil für die Volkswagen-GruppeAbsatz von neuen Pkw in der Slowakei nach Herstellern
Hersteller

Absatz 2025

Absatz 1. Halbjahr 2026

Marktanteil 1. Halbjahr 2026 in %

Škoda

18.721

8.841

20,3

Volkswagen

8.810

4.380

10,1

Toyota

8.547

3.818

8,8

Hyundai

7.442

3.346

7,7

Kia

8.702

3.269

7,5

Dacia

3.623

1.517

3,5

Citroen

3.417

1.505

3,5

Quelle: ZAP SR; Motofocus.sk 2026

Dieselautos verlieren weiter Marktanteile

Reine Benzinmotoren bleiben die beliebteste Antriebsart, verlieren aber Marktanteile an Hybridmodelle. Im 1. Halbjahr 2026 waren 40 Prozent der Neuwagen mit Benzinmotoren ausgestattet und damit ähnlich viele wie Hybridfahrzeuge (inklusive Plug-in-Hybriden). Dieselantriebe rutschen weiter ab (1. Halbjahr 2026: 12 Prozent Marktanteil). Batterieautos kamen auf 6 Prozent. 

Mehr als die Hälfte der Neuwagenverkäufe (52 Prozent) waren im 1. Halbjahr 2026 SUV-Fahrzeuge. Auf die Kompaktklasse entfielen 19 Prozent der Neuwagenzulassungen, auf Kleinwagen 11 Prozent.

Einen Boom erlebt derzeit der Markt für Zweiräder. Über die offiziellen Händler wurden im 1. Halbjahr 2026 fast 5.000 Mopeds, Scooter und Motorräder verkauft. Im Gesamtjahr könnte der bisherige Rekord von 2024 (8.119) übertroffen werden. Meistverkaufte Marke ist Honda mit fast einem Drittel Marktanteil. BMW verkaufte in den ersten sechs Monaten 2026 in der Slowakei 286 Motorräder.

Chinesische Marken spielen beim Neuwagengeschäft bisher nur eine Nebenrolle. Im Gebrauchtwagengeschäft legen sie dagegen kräftig zu: Im 1. Halbjahr 2026 wurden über 600 chinesische Gebrauchtwagen verkauft, fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Sie sind meist jünger und deshalb teurer als der Marktdurchschnitt.

Motorisierungsgrad noch unter dem EU-Durchschnitt

Insgesamt waren in der Slowakei Ende Juni 2025 laut Polizeistatistik über 3,8 Millionen Fahrzeuge registriert, davon 2,7 Millionen Pkw. Auf 1.000 Einwohner kamen 2024 in der Slowakei 503 Autos. Damit war der Motorisierungsgrad nach Angaben des Europäischen Autoindustrieverbandes ACEA niedriger als im EU-Durchschnitt (570). Das Durchschnittsalter der Pkw lag 2024 bei 14,6 Jahren.

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