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Fachkräfte
In der Slowakei gibt es immer mehr Erwerbslose und zugleich mehr offene Stellen. Die Lücken werden zunehmend mit ausländischem Personal gefüllt. Der Umschulungsbedarf steigt.
06.08.2026
Am slowakischen Arbeitsmarkt macht sich die schwache Konjunkturentwicklung des Landes bemerkbar. Im Mai 2026 betrug die Erwerbslosenquote laut Eurostat 5,6 Prozent und erreichte ein Dreijahreshoch. Die Quote liegt leicht unter dem EU-Durchschnitt, ist aber höher als in den Nachbarländern Polen, Tschechien und Ungarn.
Während Eurostat die Berechnungsmethode der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) benutzt und die aktiv arbeitsuchenden 15- bis 74-Jährigen einbezieht, verwendet das slowakische Arbeitsministerium eine andere Definition. Die Behörde ermittelte für Juni 2026 eine Arbeitslosenquote von 4 Prozent unter den 15- bis 64-Jährigen, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Insgesamt waren bei den Arbeitsämtern Ende Juni 2026 rund 143.000 Menschen als arbeitssuchend registriert und damit 6.000 mehr als im Vorjahresmonat.
Zahl der Beschäftigten sinkt kontinuierlich
Für 2026 erwartet die slowakische Regierung im Jahresdurchschnitt 161.000 Erwerbslose. In den kommenden vier Jahren soll die Zahl sinken - bis auf 144.000 im Jahr 2030. Wegen zunehmender Alterung der Bevölkerung schrumpft die Zahl der Beschäftigten und wird ihren Höchststand von über 2,6 Millionen (2024) vorerst nicht mehr erreichen.
Kompensiert wird der Rückgang zum Teil durch Beschäftigte aus dem Ausland. Für Juni 2026 meldete das zentrale Arbeitsamt ÚPSVR 151.000 ausländische Arbeitnehmer, ein Plus von 24.000 gegenüber dem Vorjahresmonat. Ein Drittel von ihnen kam aus der Ukraine. Weitere 30.000 Personen waren EU-Bürger, vor allem aus Tschechien, Rumänien und Ungarn. Unter den Drittstaaten waren neben der Ukraine Indien, Serbien und Usbekistan die wichtigsten Herkunftsländer. Bis 2030 könnte die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer 200.000 erreichen, prognostiziert das slowakische Finanzministerium.
Die Unternehmen stellt das vor neue Herausforderungen bei der Integration. Die ausländischen Beschäftigten müssen für die konkreten Bedürfnisse geschult werden, brauchen Hilfe bei der Wohnungssuche, bei der Kommunikation mit den Behörden und bei profanen Dingen wie einer Kontoeröffnung. Die bestehenden Teams in den Fabriken müssen ebenfalls auf kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren vorbereitet werden.
Ausländisches Personal für Bau und Pflege
Das zentrale Arbeitsamt ÚPSVR führt eine Liste der Berufspositionen mit Arbeitskräftemangel für jede Region. Sie dient dazu, das Verwaltungsverfahren für die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen zu beschleunigen. In der Region Bratislava fehlten im Sommer 2026 laut der Behörde vor allem medizinisches und Pflegepersonal, technische Fachkräfte für Industrie und Bau, Fahrer- und Lagerarbeiter sowie IT-Spezialisten.
Slowakische Unternehmen berichten jedoch, dass die Antragstellung in den Auslandsvertretungen sehr langwierig ist. Außerdem beschränkt Bratislava den Zuzug von Arbeitsmigranten auf einige wenige Länder der ehemaligen Sowjetunion und in Asien.
Eine Sonderregel gilt für Ansässige aus Drittstaaten, deren Familien und für Geflüchtete mit Schutzstatus. Sie können ohne Arbeitsgenehmigung auf Basis einer "Informationskarte" (wird vom Arbeitgeber an die Arbeitsämter geschickt) arbeiten. Ende Juni 2026 nutzten 59.000 Drittstaatler diese Möglichkeit.
Die schwache Konjunkturlage schlägt sich in den Beschäftigungsplänen der Unternehmen nieder. Laut Befragungen des Personaldienstleisters Manpower planten für das 3. Quartal 2026 nur noch 21 Prozent der slowakischen Firmen Neueinstellungen, während 27 Prozent Personal abbauen wollen.
"Die Arbeitgeber reagieren auf die Kombination aus schwachem Konsum, geopolitischer Unsicherheit und gedämpfter Industrienachfrage mit größerer Vorsicht bei Neueinstellungen", erklärte Zuzana Rumiz, General Managerin von ManpowerGroup Slowakei laut einer Pressemitteilung. Trotz des allgemeinen Rückgangs sieht der Personaldienstleister aber positive Signale in der Automobilindustrie, im Gastgewerbe und im verarbeitenden Gewerbe. Die Regierung unterstützt zum Beispiel einen Neustart der Metallurgiebranche, wo unter anderem die Aluminiumschmelze Slovalco ab Ende 2026 die Produktion wieder aufnehmen soll und Personal benötigt.
"Die deutliche Verbesserung im Bereich der professionellen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften hin", betont Arbeitsmarktexpertin Rumiz.
Anders sieht es in den Bereichen IT und Telekommunikation, Gesundheit und öffentlicher Sektor, Logistik und Bauwirtschaft aus: Hier wollen die Unternehmen in den kommenden Monaten laut Befragung von Manpower deutlich mehr Personal abbauen als neu einstellen.
Die Slowakei im weltweiten VergleichFolgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können. |
Mehr offene Stellen trotz steigender Arbeitslosigkeit
Trotz der gestiegenen Arbeitslosenquote wächst die Zahl der Jobangebote. Ende Juni 2026 registrierte die Arbeitsbehörde Ústredie práce fast 153.000 offene Stellen, 40 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das zeigt, dass bei bestimmten Berufsgruppen weiterhin großer Personalmangel herrscht, der durch die relativ niedrige Arbeitslosigkeit, den demographischen Wandel (immer weniger erwerbsfähige Bevölkerung) und die regionalen Ungleichgewichte verschärft wird.
Fast die Hälfte der Vakanzen entfiel Ende Juni 2026 auf den Bezirk Bratislava. Vergleichsweise wenig Jobangebote gibt es in den Regionen Prešov und Banská Bystrica.
Die meisten offenen Stellen entfallen auf Anlagen- und Maschinenbediener sowie Montageberufe (fast 66.000). Außerdem sind Handwerker und Hilfsarbeitskräfte stark gefragt.
Junge Talente suchen sich Jobs im Ausland
Zum Fachkräftemangel trägt auch die anhaltende Abwanderung von Talenten bei. Im Jahresdurchschnitt 2025 arbeiteten 121.400 Slowakinnen und Slowaken im Ausland, im 1. Quartal 2026 bereits 124.000. Sie begründen dies mit höheren Gehältern, attraktiveren Jobangeboten und zum Teil mit der politischen Situation im Heimatland. Dem Statistikamt zufolge arbeiten sie vor allem im Baugewerbe, in der Industrie, im Logistiksektor und im Gesundheitswesen. Die beliebtesten Länder sind Deutschland, Tschechien und Österreich.
Die Erwerbsemigration hängt auch mit dem West-Ost-Gefälle bei Löhnen und angebotenen Arbeitsplätzen zusammen, mit dem die Slowakei seit dem Start der Marktwirtschaft kämpft. Während die Arbeitslosenquote in den westslowakischen Regionen Bratislava, Trenčín und Trnava unter 3 Prozent beträgt, liegt sie in den Regionen Banská Bystrica, Prešov und Košice zwischen 5 und 6 Prozent. Die drei Kreise mit der höchsten Erwerbslosigkeit sind Rimavská Sobota (Region Banská Bystrica, 10,4 Prozent im Juni 2026), Kežmarok (Region Prešov, 9,8 Prozent) und Vranov nad Topľou (Region Prešov, 8,7 Prozent). Die Kreise sind schlecht an die wichtigen Verkehrsadern angebunden, haben einen hohen Anteil von Langzeitarbeitslosen und eine teilweise hohe Konzentration sozial benachteiligter Roma-Gemeinschaften. Wie in anderen Regionen auch, entsprechen die Qualifikationen der Erwerbslosen häufig nicht dem Bedarf der Unternehmen.