Wirtschaftsumfeld | Indonesien | Arbeitskräfte

Fachkräfte

Arbeitskräfte sind in Indonesien günstiger als in Malaysia oder Thailand, sind aber im Durchschnitt auch weniger ausgebildet und produktiv. 

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Mit fast 200 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter bietet Indonesien ein großes Potenzial an Arbeitskräften. Diese sind in Indonesien weitaus günstiger als in Singapur, Malaysia oder Thailand. Gleichzeitig ist indonesische Arbeitskraft teurer als in klassischen Niedriglohnländern wie Kambodscha oder Bangladesch. 

Die Lohnunterschiede innerhalb des Inselreiches sind beträchtlich: In der Hauptstadt Jakarta und den östlich angrenzenden Industriegebieten in Bekasi sind die monatlichen Mindestlöhne bis zu zweieinhalb mal so hoch wie im ländlichen Zentraljava.

Die Konkurrenz um Arbeitsplätze ist hoch

Die unternehmerfreundliche Reform des Arbeitsrechts durch den damaligen Präsidenten Joko Widodo im Jahr 2021, wird durch seinen Nachfolger Prabowo Subitanto teilweise wieder rückgängig gemacht. So sind betriebsbedingte Kündigungen wieder schwieriger und Abfindungen ansteigend. Insgesamt ist das Arbeitsrecht deutlich restriktiver als in Malaysia, Thailand oder Vietnam. 

Indonesien verfügt in geringerem Umfang als andere Länder der Region über eine exportorientierte Leichtindustrie, die hochwertige Jobs schafft. Der Anteil der verarbeitenden Industrie an der Bruttowertschöpfung ist von 30 Prozent um die Jahrtausendwende auf mittlerweile unter 20 Prozent gefallen. industrieerfahrene Arbeitskräfte sind vorrangig Jakarta mit den angrenzenden Provinzen Westjava und Banten, in Surabaya und Batam zu finden. 

Unter den Arbeitnehmern herrscht Konkurrenzdruck. Jedes Jahr kommen mehr als 2 Millionen Menschen neu auf den Arbeitsmarkt, von denen nur wenige eine adäquate Beschäftigung finden. Die offizielle Arbeitslosenquote lag Mitte 2026 zwar bei knapp unter 5 Prozent, doch diese Zahl geht weit an der Realität vorbei. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind ein großes gesellschaftliches Problem. Noch immer ist mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte in Indonesien im informellen Sektor tätig. Dass die Jugendarbeitslosigkeit laut ILO fast beim Dreifachen der allgemeinen Arbeitslosigkeit liegt und dass laut indonesischem Statistikamt rund 20 Prozent der 15-24jährigen weder angestellt noch in Ausbildung, zeigt den schwierigen Berufsstart junger Menschen, was oft keinen konsequenten Aufbau technischer Skills ermöglicht. Schätzungsweise ein Drittel der jungen Menschen ist in Jobs beschäftigt, die nichts mit ihren Qualifikationen zu tun haben. 

Arbeitskräfte müssen umfassend angelernt werden

Indonesiens komparative Lohnvorteile gehen vielfach durch die mangelnde Produktivität verloren. Der Inselstaat hat kein System der Berufsausbildung. Es gibt berufsvorbereitende Schulen (Sekolah Menangah Kejuruan; SMK), diese fangen aber oft nur schwächere Schüler auf und sind daher bei Arbeitgebern nicht sehr beliebt. Unter SMK-Absolventen ist die Arbeitslosenquote höher als bei solchen mit anderen Abschlüssen. Ein Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens gab an, aus Qualitätsgründen nur von drei indonesischen Universitäten rekrutieren zu können. 

Ausländische Unternehmen müssen daher ihre Arbeitnehmer umfassend anlernen. Es gibt in einigen Unternehmen, unterstützt durch die AHK Indonesien, Initiativen der dualen Ausbildung, allerdings schafft das nur eine punktuelle Verbesserung der Lage.

Hohe Digitalaffinität

In internationalen Bildungsstudien belegt der indonesische Nachwuchs meist die hinteren Plätze. Dennoch ist vor allem in den urbanen Zentren ein Wandel spürbar. Bildung gewinnt an Bedeutung und junge Indonesier lernen begierig Englisch.

Vor allem in der Digitalwirtschaft trägt das Früchte. Indonesier sind ausgesprochen digitalaffin. Allerdings hat das zu einem Braindrain an indonesischen IT-Fachkräften geführt, denn die sind auch im Ausland begehrt, beispielsweise in Singapur, Australien, Japan, Südkorea, USA und Taiwan. Dort verdienen sie ein Vielfaches von dem, was sie in ihrer Heimat erhalten würden.

Indonesien im weltweiten Vergleich

Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

 

Arbeitskräfte bringen wenig Auslandserfahrung mit

Vergleichsweise wenige Menschen in Indonesien haben internationale Lebens- und Arbeitserfahrung, allerdings mit steigender Tendenz. Etwa rund 60.000 Indonesier sollen laut Medienberichten im Ausland studieren, ein großer Teil davon in Australien.

In Deutschland studieren laut DAAD zurzeit 5.113 indonesische Staatsbürger. Rund die Hälfte davon studiert Ingenieurswesen, Mathematik oder Naturwissenschaften. Für sie kann ein Studium an einer kostenfreien deutschen Universität inklusive Lebenshaltungskosten sogar günstiger sein als an einer teuren heimischen Hochschule. Zurzeit laufen Initiativen, um Fachkräfte aus Indonesien für den Pflegedienst in Deutschland zu qualifizieren. 

Verkehrsstaus sind ein Problem

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Arbeitsalltag hat die Verkehrssituation. In urbanen Zentren herrscht vor allem zu den Stoßzeiten morgens und abends extremer Stau. Dann ist die Zeitspanne für den Weg zur Arbeit unberechenbar. Von Jakartas Außenbezirken bis ins Zentrum kann eine Fahrt mehrere Stunden dauern. Flexible Arbeitszeiten könnten hier Mitarbeitende entlasten.

Weiterhin sollten Arbeitgeber beachten, dass für die circa 90 Prozent muslimischen Arbeitnehmer mindestens zwei Gebetszeiten in den Bürotag fallen. Wichtigste Gebetszeit ist Freitagmittag. Gegebenenfalls muss der Arbeitgeber extra Urlaubstage für Pilgerfahrten gewähren.

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