Branchen | Taiwan | Wasserversorgung

Taiwan investiert ins Wassermanagement

Taiwan reagiert auf wachsende Wasserknappheit mit einem Maßnahmenpaket, das die Versorgungssicherheit stärkt und Chancen für Technologieanbieter eröffnet. 

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwan hat im Mai 2026 für den Zeitraum 2026 bis 2031 eine Wasserstrategie vorgestellt, welche die Versorgungssicherheit erhöhen und gleichzeitig Umwelt- sowie Klimarisiken mindern soll. Die Strategie umfasst vier Handlungsfelder: Schutz von Wasser, Boden und Wäldern, effizientere Nutzung der Wasserressourcen, Hochwasserschutz sowie Verbesserung der Wasserqualität. 

Umgerechnet 17,5 Milliarden US-Dollar (US$) sind für die wichtigsten und drängendsten Maßnahmen und Projekte vorgesehen, die die Water Resources Agency identifiziert hat. Sie sind Teil eines langfristigeren "Basic Plan for Water Resources Management in Every Region of Taiwan", den die Regierung 2021 genehmigt hat.

Taiwan hat trotz hoher Niederschläge regelmäßig Wasserengpässe. Ursache ist weniger ein Wassermangel als vielmehr eine unzureichende Speicherung, Verteilung und Nutzung. Dies könnte insbesondere die Industrie beeinträchtigen. Daher soll schnell Abhilfe geschaffen werden.

Taiwans Industrie treibt den Wasserbedarf maßgeblich 

Vor allem Taiwans große Halbleiterindustrie benötigt sehr große Wassermengen. Die riesigen Chipfabriken verbrauchen täglich so viel Wasser wie eine mittelgroße Stadt. Mit dem Ausbau der Halbleiter-Produktionskapazitäten bis 2030 steigt der Bedarf auf der Insel weiter. Wasserengpässe in Taiwan könnten somit die globale Chipversorgung beeinträchtigen. 

Wassersicherheit wird so zu einem entscheidenden Standortfaktor. Für Deutschland ist die Entwicklung doppelt relevant: Sie birgt Lieferkettenrisiken, eröffnet aber auch neue Marktchancen, da Taiwan stark in Wasserinfrastruktur, Recycling und Effizienz investiert. 

Anlagen und Komponenten gefragt 

Gefragt sind vor allem industrielle Wasseraufbereitung, Kreislaufsysteme, Wiederverwendungsanlagen, Leckageortung und intelligente Netzsteuerung. Deutsche Anbieter können mit integrierten Lösungen, Anlagen und Spezialkomponenten punkten. Bereits aktiv sind etwa Siemens bei Steuerungssystemen für die Wasserinfrastruktur, KSB und Wilo bei Pumpen und Armaturen sowie Krohne bei Messtechnik für Durchfluss, Druck und Wasserqualität. 

Kunden sind sowohl Kommunen als auch private Unternehmen. Laut dem Marktforschungsunternehmen Mobility Foresights soll der Umsatz im Segment Abwasserbehandlung in Taiwan von 2025 bis 2032 von 9,8 Milliarden US$ auf 18,3 Milliarden US$ steigen. Zudem muss Taiwan Effizienzprobleme im System lösen: Leitungsverluste, eine niedrige Quote der Wiederverwendung und geringe Wasserpreise mit schwachen Sparanreizen. Daher laufen eine Vielzahl von Projekten zur Diversifizierung von Wasserquellen und zur Verbesserung des Wassermanagements. 

Branchenbehörden und -organisationen

 Branchenpläne

Wiederverwendung im Fokus 

Besonders dynamisch entwickelt sich das Recycling von Wasser. Industrieunternehmen, vor allem die Halbleiterbranche, investieren in die Wiederverwendung von Prozesswasser. Regulatorische Vorgaben und Preisanreize unterstützen dies. Der größte Chiphersteller, TSMC, will bis 2030 rund 60 Prozent seines verbrauchten Wassers zurückgewinnen. 

Allein die drei Wissenschaftsparks, in denen ein Großteil der Halbleiter- und Elektronikindustrie sitzt, verbrauchen täglich 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser. Bislang gibt es in Taiwan sieben Wasseraufbereitungsanlagen, die Betriebswasser recyceln (reclaimed water). Zu deren insgesamt 194.000 Kubikmeter Tageskapazität sollen neun weitere Anlagen hinzukommen. Ziel sind Kapazitäten von insgesamt mehr als 600.000 Kubikmeter pro Tag. 

Infrastruktur wird ausgebaut und modernisiert 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steigerung der Effizienz. Dazu zählen die Verminderung von Leitungsverlusten, modernere Bewässerungssysteme sowie der Einsatz digitaler Technologien rund um Sensorik, Big Data und KI-gestützte Steuerung. Drohnen- und Satellitenüberwachung sollen als Frühwarnsystem dienen und dabei helfen, den Verbrauch zu optimieren und Engpässe zu erkennen.

Parallel baut die Regierung die Infrastruktur aus. Ein landesweites Verteilsystem entlang der Westküste soll Wasser zwischen Nord-, Mittel- und Südtaiwan transportieren und so regionale Ungleichgewichte nivellieren. Das hat sich während der Frühjahrsdürre 2026 bereits bewährt, als hunderte Millionen Kubikmeter Wasser durch bereits bestehende Pipelines geleitet wurden. Laut Water Resources Agency sind zehn der insgesamt 16 Pipelines in dem sogenannten "Pearl Chain Project" fertiggestellt.  

Taiwan diversifiziert Wasserquellen

Stauseen bleiben ein zentraler Bestandteil der Wasserversorgung in Taiwan. Sie verlieren jedoch durch Sedimentierung an Kapazität. Bis 2031 soll die Sedimentierung um 1,6 Millionen Kubikmeter verringert werden.

Taiwan will auch andere Wasserquellen stärker nutzen und baut weitere Meerwasserentsalzungsanlagen. Diese Anlagen stehen bislang hauptsächlich auf den Inseln, die Taiwan vorgelagert sind. Große Entsalzungsanlagen werden aber auch in der Nähe der Wissenschaftsparks gebaut, um deren Wasserversorgung zu sichern. Informationen zu Wassermanagementplänen und Ausschreibungen finden Interessierte auf der Webseite der Water Resources Agency und der Public Construction Commission (PCC) sowie auf der GTAI-Webseite.

Wasserengpässe in Taiwan sind meist natürlich verursacht 

Mit rund 2.500 Millimetern Jahresniederschlag verfügt Taiwan grundsätzlich über ausreichende Wasserressourcen. Rund 80 Prozent fallen jedoch in der Regenzeit zwischen Mai und Oktober; im Winter und Frühjahr treten dagegen oft längere Trockenperioden auf. Zudem fließt Regenwasser wegen steiler Gebirge und kurzer Flüsse rasch ins Meer ab. Die Speichermöglichkeiten sind begrenzt.  

Der Klimawandel verschärft die Lage. In den vergangenen zwei Jahrzehnten kam es wiederholt zu Dürren und Wasserrationierungen, zuletzt im Frühjahr 2026. Niederschläge aus Taifunen, traditionell wichtig für die Wasserversorgung, gehen zurück. Zugleich nehmen andere Starkregen und sonstige Extremereignisse zu. Außerdem ist der Norden der Insel vergleichsweise wasserreich, während der Süden deutlich trockener ist.