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Taiwan investiert in Silizium-Photonik als neuen Wachstumstreiber
Getrieben von KI-Anwendungen baut Taiwan seine Photonikbranche aus, ein Fokus bildet Silizium-Photonik. Industriekooperationen mit Deutschland sind dafür eine wichtige Basis.
18.05.2026
Von Jürgen Maurer | Taipei
Taiwan zählt zu den zentralen Akteuren der globalen Photonikindustrie. In enger Verzahnung mit der Halbleiter- und Elektronikfertigung verfügt die Insel über ein leistungsfähiges Ökosystem, in dem deutsche Unternehmen seit vielen Jahren als verlässliche Partner etabliert sind. Insbesondere im Bereich der Silizium-Photonik eröffnen sich vielversprechende Wachstumsperspektiven. Dies ermöglicht zusätzliche Potenziale für vertiefte Kooperationen mit taiwanischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in zahlreichen optoelektronischen Anwendungen bereits eine starke Position einnehmen.
Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz treibt den Bedarf an höheren Datenübertragungsraten und energieeffizienten Lösungen. Silizium-Photonik bietet hierfür einen Ansatz, indem sie Daten mittels Licht anstelle von Elektronen überträgt und dadurch hohe Bandbreiten, geringe Latenzen und einen niedrigen Energieverbrauch ermöglicht.
Taiwan erwartet hohes Wachstumspotenzial
Marktanalysten erwarten für Silizium-Photonik ein dynamisches Wachstum: Prognosen von Yole Group sowie Markets and Markets zufolge soll der globale Markt für Silizium-Photonik von 2,3 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2024 auf bis zu 9,6 Milliarden US$ im Jahr 2030 steigen, bei durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten von über 30 Prozent. Wachstumsimpulse kommen insbesondere vom globalen Ausbau von Rechenzentren sowie von neuen Kommunikationstechnologien.
Für die Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien (6G) will Taiwans National Development Council zwischen 2025 und 2030 umgerechnet rund 918 Millionen US$ zur Verfügung stellen. Darüber hinaus entwickelt Taiwan weitere Photonikbereiche wie Optik, MicroLED und Displaytechnologien kontinuierlich weiter. Dabei verlieren Segmente wie die Produktion von Solarzellen und Monitore insgesamt an Bedeutung, weil sie gegenüber China kaum wettbewerbsfähig sind. Hingegen gewinnt die Erzeugung optoelektronischer Materialien und Komponenten sowie optischer Geräte als Hauptproduktionsfelder weiter an Anteilen.
Neue Strukturen entstehen rund um Silizium-Photonik
Da sich die Silizium-Photoniktechnologie noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet, strebt Taiwan eine frühzeitige Positionierung an. Entsprechend fördert die Regierung Co-Packaged Optics (CPO) auf Basis von Silizium-Photonik als Teil strategischer Innovationsprogramme. Dabei werden optische Komponenten direkt mit Prozessorchips integriert, um Effizienz und Leistung zu steigern.
TSMC plant, 2026 mit der Serienproduktion entsprechender Lösungen (COUPE – Compact Universal Photonic Engine) zu beginnen. Dadurch erwartet das Unternehmen, die Energieeffizienz zu verdoppeln und die Latenz um das Zehnfache gegenüber bislang üblichen Plattformen zu verringern.
Parallel entstehen neue industrielle Strukturen. Unternehmen wie TSMC, ASE und das Forschungsinstitut ITRI treiben die Entwicklung aktiv voran und haben 2024 die SEMI Silicon Photonics Industry Alliance mitgegründet. Sie soll eine Kooperations- und Innovationsplattform bieten, um Industriestandards zu setzen und die Kommerzialisierung der Technologie zu beschleunigen. Da CPO noch sehr neu ist, existieren noch keine Standards. In Kaohsiung entsteht zudem ein Silicon Photonics Hub mit modernen Fertigungs- und Testeinrichtungen, ergänzt durch Investitionen internationaler Unternehmen wie AMD.
Deutsche Firmen sind wichtige Partner
Deutsche Unternehmen spielen dabei eine wichtige Rolle als Technologie- und Kooperationspartner, insbesondere in den Bereichen Präzisionsoptik, Sensorik und Lasertechnologie. Deutsche Firmen profitieren vom Bedarf taiwanischer Firmen an Vorprodukten, Herstellungsausrüstung und Instrumenten. Taiwans Branchenimport aus Deutschland zogen 2024 stark an, weil neue Halbleiteranlagen ausgerüstet wurden und insbesondere die Firma Zeiss Präzisionsoptik lieferte. Dadurch stieg Deutschland 2024 zum größten Lieferland vor den Konkurrenten USA und Japan auf. Der Importrückgang 2025 dürfte nur eine Ausnahme darstellen, denn die taiwanische Nachfrage nach optoelektronischen Komponenten und Geräten wird zukünftig weiter steigen und Deutschland ist in dem Bereich sehr gut positioniert.
Langjährige Kooperationen – etwa zwischen Allos Semiconductors und Ennostar (vormals Epistar) seit 2015 – unterstreichen die enge Zusammenarbeit. Beide Firmen haben ihre strategische Partnerschaft im Januar 2026 verlängert. Unternehmen wie Zeiss, Micro-Epsilon und Trumpf sind ebenfalls fest in die Lieferketten integriert. Zeiss hat 2024 ein Innovationszentrum für die Halbleiterindustrie in Hsinchu eingerichtet, das unter anderem gemeinsame Forschung und Entwicklung von Ausrüstung für fortgeschrittene Verpackungslösungen unterstützen soll.
Laut einem Branchenexperten wird Silizium‑Photonik in der Praxis gegenwärtig überwiegend bei Rack‑to‑Rack‑Anwendungen zur schnelleren optischen Datenübertragung genutzt. Viele Unternehmen arbeiten jedoch an der Umsetzung auf der Chip‑to‑Chip‑Ebene, darunter auch deutsche Branchenunternehmen.
Für Entwicklungskooperationen bieten sich eine Reihe von Brancheninstitutionen an:
Photonics Industry & Technology Development Association (PIDA)
SEMI Silicon Photonics Industry Alliance (SiPhIA)
Taiwan Semiconductor & Optronics Materials Devices Association (TSOMDA)
Taiwan NextGen Communications Alliance (TNGCA)
Taiwan Semiconductor Research Institute
Quantum Taiwan Team, Academia Sinica
Industrial Technology Research Institute (ITRI)
Photonik-Ökosystem entwickelt sich weiter
Taiwanische Branchenunternehmen sind sehr aktiv in der Herstellung von LEDs und OLEDs, Displays sowie einer Vielzahl anderer optoelektronischer Teile und Geräte. Smartphone-Kameralinsen und elektromedizinische Ausrüstung zählen ebenso zum Branchenportfolio wie optische Sensoren für Fahrerassistenzsysteme und Robotik. Dabei zeichnet sich Taiwans Ökosystem durch eine hohe Fertigungsqualität sowie vollständige Wertschöpfungsketten aus, die Materialien, Komponenten und Systeme umfassen.
Als eine weitere zukunftsweisende Anwendung investiert Taiwan in die Quantentechnologie, die eng mit der Photonik und neuester Chipentwicklung zusammenhängt. Taiwan hat 2024 seinen ersten selbst entwickelten supraleitenden 5-Qubit-Quantencomputer vorgestellt und will bei der Entwicklung von Kernkomponenten und -systemen schnelle Fortschritte erzielen.
Branchenveranstaltungen in Taiwan:
- Laser & Photonics Taiwan 2026 - jährlich; nächster Termin 19. bis 22. August 2026
- Semicon Taiwan 2026 - jährlich; nächster Termin 2. bis 4. September 2026
- Optics & Photonics: Taiwan International Conference 2026 - jährlich; nächster Termin 4. bis 6. Dezember 2026