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Wirtschaftsumfeld | Taiwan | Außenhandel

Zoll-Deal mit USA wird Taiwans Außenhandel 2026 beflügeln

Gesenkte US-Zölle stärken Taiwans Außenhandel und sichern die Exportdynamik. Das ist auch ein Vorteil für deutsche Firmen, die in Lieferketten für den US‑Markt eingebunden sind.

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwan hat sein Ziel erreicht: Der US-Strafzoll auf Erzeugnisse aus Taiwan sinkt von 20 auf 15 Prozent. Dies dürfte den taiwanischen Außenhandel 2026 und darüber hinaus weiter beflügeln. Für deutsche Unternehmen in Taiwan ist dies positiv, denn es stärkt die Wettbewerbsposition der Insel und damit die Wirtschaftsentwicklung.

Mit 15 Prozent liegt der "reziproke" Zolltarif für Taiwan nun auf gleichem Niveau wie der von Japan, Südkorea und der EU. Das senkt das Risiko einer abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit gegenüber wichtigen Handelspartnern. Der taiwanische Wirtschaftsverband CNAIC (Chinese National Association of Industry and Commerce) reagierte zustimmend: 

„Die Sicherstellung einer Zollbehandlung auf dem gleichen Niveau wie Japan, Südkorea und die EU ist entscheidend, um Taiwans globale Wettbewerbsfähigkeit in der Hightechindustrie zu erhalten.“

Zölle auf Taiwan-Halbleiter vorläufig vom Tisch

Auf Halbleiter und ähnliche Elektronikprodukte aus Taiwan wollen die USA auch weiterhin keine Zölle erheben. Taiwan sagte im Gegenzug zu, in den USA circa 500 Milliarden US-Dollar (US$) in die Stärkung der US-Lieferketten zu investieren. Davon sollen Unternehmen aus Taiwan 250 Milliarden US$ direkt in den Aufbau neuer Produktionsstätten stecken.

Im Zentrum stehen zusätzliche Chipfabriken von TSMC in Arizona. Außerdem soll die Produktion von Elektronikausrüstung in den USA ausgebaut werden, die die Entwicklung von künstlicher Intelligenz unterstützt – zum Beispiel Hochleistungsserver für Rechenzentren. Weitere 250 Milliarden US$ sind als staatliche Kreditgarantien für Investitionen von Zulieferern aus dem Bereich Halbleiter und Informations- und Kommunikationstechnik vorgesehen.

Bewährungsprobe steht noch aus

Nach monatelangen Verhandlungen – die "Strafzollpolitik" hatte die Trump-Regierung im April 2025 verkündet – ist das Ergebnis Mitte Januar 2026 durchaus respektabel für die taiwanische Regierung. Allerdings bleiben noch Punkte offen, darunter die US‑Forderung, Produkte wie Autos von Importzöllen zu befreien. Zudem muss das Parlament in Taiwan den Deal noch absegnen. Angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse ist das kein Selbstläufer. Unklar ist auch, wie lange die Vereinbarung angesichts der volatilen US‑Handelspolitik Bestand haben wird.

Dennoch können Unternehmen in Taiwan nun in einem etwas stabileren Planungsumfeld arbeiten, wovon auch deutsche Firmen profitieren. Sie handeln von Taiwan aus wenig direkt mit den USA. Indirekt sind sie jedoch involviert: Beispielsweise liefern sie Maschinen, Zwischenprodukte und Materialien, die von taiwanischen Firmen dazu eingesetzt werden, Produkte für den US-Markt zu erzeugen. Dazu gehören etwa Maschinen, Halbleiter, Elektronikprodukte, Kfz- und Luftfahrzeugteile.

Importe aus Deutschland weiter gefragt

Taiwan importiert aus Deutschland hauptsächlich Fahrzeuge und Maschinen. Im Jahr 2025 wurden Maschinen zum größten deutschen Importposten und verdrängten die zuvor führende Transportausrüstung auf Rang 2. Dabei trieb vor allem Produktionsausrüstung für Hightechindustrien das Wachstum. Taiwan bezog Waren im Wert von 14,3 Milliarden US$ aus Deutschland und exportierte im Gegenzug Güter im Wert von 7,4 Milliarden US$.

Im bilateralen Handel wies die taiwanische Zollstatistik im Jahr 2025 mit Deutschland ein Defizit von 6,9 Milliarden US$ aus. Dies ist deutlich geringer als mit anderen Handelspartnern wie Japan und Südkorea. Insgesamt erzielte Taiwan jedoch einen Überschuss im Warenaustausch von 157 Milliarden US$. Der Löwenanteil kommt aus dem Handel mit den USA, bei dem Taiwan einen Überschuss von 150 Milliarden US$ einnahm.

Exporte in die USA haben deutlich zugelegt

Während Taiwans Einfuhren aus den USA 2025 nur geringfügig gestiegen sind, haben die Ausfuhren mit 78 Prozent Wachstum auf annähernd 200 Milliarden US$ alles in den Schatten gestellt. Sie machten damit rund 31 Prozent der Gesamtausfuhren Taiwans aus. Der direkte taiwanische Export nach Festland-China (ohne Hongkong) lag im Vergleich bei rund 100 Milliarden US$ und einem Anteil von 15,6 Prozent.

Trotz des hohen Überschusses gegenüber den USA erhöht Washington den "reziproken" Zollsatz für Taiwan nicht. Die USA brauchen die Chips und vor allem Server, die Firmen aus Taiwan liefern, damit die Entwicklung des KI-Ökosystems mit Datenzentren in den USA weiter so schnell voranschreiten kann. Die USA sind der bedeutendste Abnehmer dieser Produkte. Wie anhand der Exportbestellungen bei taiwanischen Firmen abzulesen ist, wird sich daran auch 2026 nichts ändern.

Nachfrage bleibt hoch: Auftragseingänge stark gestiegen

Insgesamt haben die Exportbestellungen Auftragseingänge bei Unternehmen in Taiwan 2025 einen großen Sprung gemacht. Dies bestätigt eine weiterhin hohe Nachfrage aus dem Ausland. Laut Angaben des Ministry of Economic Affairs haben die Auftragseingänge mit rund 744 Milliarden US$ das Volumen des Gesamtjahres 2024 von 590 Milliarden US$ deutlich hinter sich gelassen.  

Darunter stiegen die Bestellungen aus den USA 2025 gegenüber 2024 um 38,6 Prozent auf 268,3 Milliarden US$ und machten damit allein einen Anteil von 36 Prozent aus. Bestellungen aus Europa legten gegenüber 2024 um rund 12,8 Prozent auf 95,4 Milliarden US$ zu. Den größten Sprung machten Exportbestellungen aus dem ASEAN-Raum (Vereinigung südostasiatischer Länder), die um 41,1 Prozent auf knapp 140 Milliarden US$ zunahmen. Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Exportdynamik Taiwans wenn auch mit etwas geringeren Wachstumsraten fortsetzen. Damit bleibt auch die Importnachfrage der Insel hoch.

Taiwans weltweite Ausfuhren von Informations- und Kommunikationstechnik sowie Optoelektronik, was Server umfasst, hat 2025 gegenüber 2024 mit knapp 90 Prozent Zuwachs explosionsartig zugelegt. Dieses Segment hat den Exportwert von Halbleitern und elektronischen Komponenten, der um 25,8 Prozent stieg, deutlich überholt. Beide Exportposten zusammengenommen machten mit 474 Milliarden US$ allein 74 Prozent der Ausfuhren Taiwans aus. 

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