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Wirtschaftsausblick | Tansania

Konjunktur in Tansania profitiert von Großprojekten

Tansania zählt zu den "Hidden Gems" in Afrika mit guten Chancen für deutsche Unternehmen. Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste nach der Wahl sorgt jedoch für Ernüchterung.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Unruhen nach der Wahl erschüttern Stabilitätsimage

Aus den Präsidentschaftswahlen am 28. Oktober 2025 ging mit einem Stimmenanteil von fast 98 Prozent die bisherige Präsidentin Samia Suluhu Hassan als Siegerin hervor. Sie amtiert seit 2021 und gehört der Partei Chama Cha Demokrasia (CCM) an. Hassan steht inzwischen stark in der Kritik. Sämtliche ernstzunehmenden Gegenkandidaten wurden im Vorfeld von der Wahl ausgeschlossen. Am Wahltag selbst sowie in den Tagen danach erschütterten landesweite Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen das Land. Nach inoffiziellen Angaben kamen dabei mindestens 2.000 Menschen ums Leben.

Nachdem sich unter Hassan die Rahmenbedingungen für Investitionen und das Geschäftsumfeld in Tansania zunächst verbessert haben, ist ihr Ruf spätestens seit Ende 2025 stark beschädigt. Unternehmen berichten von einer deutlichen Zunahme der Korruption unter ihrer Ägide. Auch das Image des Investitionsstandorts, der stets auf politische Stabilität pochen konnte, hat zuletzt gelitten. Bei anhaltenden politischen Repressionen könnten insbesondere westliche Geber ihre Hilfen zurückfahren und potenzielle Investoren sich nach anderen Standorten umsehen.

"Die Chinesen gehen voll in den Markt"

Interview mit Dino Stengel, Geschäftsführender Gesellschafter von Achelis und Managing Director der Achelis-Niederlassung in Daressalam. Das Handelsunternehmen beliefert Kunden in unterschiedlichen Sektoren unter anderem mit technischen Ausrüstungen. Stengel lebt seit 2003 in Tansania und kennt die Wirtschaft des Landes. 

Dino Stengel, Managing Director, Achelis Tanzania, Interview zur aktuellen Lage in Tansania Dino Stengel, Managing Director, Achelis Tanzania, Interview zur aktuellen Lage in Tansania | © Achelis Tanzania

Herr Stengel, was bedeuten die heftigen Proteste im November 2025 für die Wirtschaft im Jahr 2026?

Auch wenn Tansania einen großen Imageschaden erlitten hat und die Unzufriedenheit im Land groß ist, glaube ich, dass sich die Auswirkungen auf die Wirtschaft vorerst in Grenzen halten. Der Staat wird alles tun, um die Sicherheit zu gewährleisten. Auch die schon begonnenen Großprojekte werden weitergebaut. Allerdings könnten die westlichen Geber ihre Unterstützung teilweise zurückfahren. Stattdessen gehen die Chinesen voll in den Markt.

Verlieren wir damit den Markt an chinesische Firmen?

Bei Achelis Tansania verkaufen wir sowohl hochpreisige westliche Marken als auch günstige chinesische Produkte und geben unseren Kunden damit die Wahl. Chinesische Marken gewinnen immer mehr Marktanteile – zusammen mit indischen Produkten dürfte der Marktanteil bei rund 80 Prozent liegen. Der Rest entfällt auf westliche Marken, für die wir aber weiter gute Absatzmöglichkeiten sehen. Bedenken Sie, dass der Markt in Tansania insgesamt unglaublich schnell wächst. Trotz sinkenden Marktanteils ist daher unser Umsatz im Hochpreissegment gestiegen.

Womit können sich deutsche Marken denn im Markt halten?

Mit "made in Germany" alleine können Sie die Kunden heute nicht mehr zufriedenstellen. Einige unserer westlichen Marken produzieren ihre technischen Güter ohnehin in China und können mit ihrem Preis daher mitunter 20 Prozent nach unten gehen. Die Kunden kaufen sich bei westlichen Marken in der Regel einen sehr viel besseren After-Sales-Service ein. Das ist gerade bei technischen Ausrüstungen von großer Bedeutung. Hinzu kommt, dass deutsche Anbieter im Vergleich ein sehr gutes technisches Know-how verfügen und auch bereit sind, dieses an lokale Arbeitskräfte weiterzugeben. Das ist in einem Land wie Tansania von großer Bedeutung und diesen Vorteil sollten wir nutzen.

Wirtschaftsentwicklung: Kein Boom, aber solides Wachstum

Die Konjunktur- und Geschäftsaussichten Tansanias bleiben in den kommenden Jahren überwiegend positiv. Trotz fortbestehender Protestankündigungen gilt die Lage zu Jahresbeginn 2026 dank der starken Sicherheitspräsenz als stabil. Viele Kenner des Landes gehen davon aus, dass sich diese Stabilität mittelfristig fortsetzen wird. Auch der Reiseverkehr innerhalb des Landes verläuft derzeit ohne nennenswerte Einschränkungen. Aktuelle Informationen liefern die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.  

Bei anhaltender politischer Stabilität dürfte Tansanias Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 um jeweils rund 6 bis 6,5 Prozent wachsen. Für ein Entwicklungsland mit hohem Bevölkerungswachstum ist das zwar kein Boom, signalisiert aber dennoch eine solide Konjunkturentwicklung

Unternehmen berichten überwiegend von guten Geschäften. Für viele zählt Tansania immer noch zu den interessantesten Märkten in Afrika. Die Rede ist oft vom "schlafenden Riesen", denn das wirtschaftliche Potenzial Tansanias mit seinen fast 70 Millionen Einwohnern ist längst nicht ausgeschöpft gerade im Vergleich zum nördlichen Nachbarn Kenia.

Großprojekte sorgen auch 2026 für Dynamik

Zu den wichtigsten Infrastrukturvorhaben zählen mehrere Großprojekte, die bereits im Bau sind. Dazu gehört die elektrifizierte Normalspurbahn, die von Daressalam aus das Land in West-Ost-Richtung durchquert, sowie das Wasserkraftwerk Julius Nyerere mit einer geplanten Kapazität von 2.115 Megawatt. Für die regionale Integration spielt zudem der Bau der neuen Küstenstraße eine zentrale Rolle, die in Kürze Daressalam mit Mombasa in Kenia verbinden soll.

Im Schienensektor hat der Betreiber der bestehenden TAZARA-Bahnstrecke zwischen Daressalam und dem sambischen Kupfergürtel im Mai 2025 eine 30‑jährige öffentlich-private Partnerschaft mit der chinesischen Baugesellschaft CCECC angekündigt – verbunden mit einem Investitionsvolumen von 1,4 Milliarden US-Dollar.

Auf privater Seite sind zwei weitere Großvorhaben hervorzuheben: die East African Crude Oil Pipeline (EACOP), die die neuen ugandischen Ölfelder am Albertsee mit dem Hafen Tanga verbinden soll, getragen von TotalEnergies und der China National Offshore Oil Corporation (CNOOC), sowie der geplante Ausbau des Hafens von Daressalam durch den neuen Konzessionär Dubai Ports World.

Im Rohstoffsektor zählen die Nyanzaga‑Goldmine des Unternehmens Perseus Mining und die Kabanga‑Nickelmine von Lifezone Metals zu den bedeutendsten Investitionsvorhaben. Beide Projekte sollen ab 2027 in die Förderung gehen.

Auch jenseits der großen Infrastrukturvorhaben fließen beachtliche Investitionen ins Land. Auf Sansibar engagieren sich erstmals mehrere internationale Hotelketten mit groß angelegten Neubauten. Allerdings könnte die zuletzt rückläufige Zahl an Gästen das Wachstum des Tourismussektors bremsen. Die Unruhen Ende 2025 führten zu spürbaren Stornierungswellen.

Parallel dazu expandieren sowohl die Konsumgüter- als auch die Baustoffindustrie. Auch im Agrarsektor registrieren Zulieferbetriebe steigende Investitionen.

Devisenlage verbessert sich

Der Tansania-Schilling (T.Sh.) hat sich nach seiner deutlichen Abwertung gegenüber dem US‑Dollar im 1. Halbjahr 2025 stabilisiert. Unternehmen berichten zudem von einer verbesserten Devisenverfügbarkeit – nicht zuletzt aufgrund höherer Exporterlöse aus dem Goldbergbau. Mit nahezu 4.500 US‑Dollar je Feinunze markiert der Goldpreis im Januar 2026 einen historischen Höchststand.

Gleichzeitig hat die Zentralbank zum 31. März 2025 den Devisenhandel durch die neuen Use of Foreign Currency Regulations verschärft. Für inländische Transaktionen ist die Nutzung von Fremdwährungen nicht mehr zulässig. Rechnungen im Inland müssen verpflichtend in T.Sh. ausgestellt werden.

GTAI-Informationen zu Tansania

Deutsche Perspektive: Tansania bleibt ein wichtiger Markt

Trotz der jüngsten politischen Unruhen gehört Tansania zu den interessantesten Märkten Afrikas. 

Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen erreichte der deutsche Lieferwert nach Tansania zwischen Januar und November 2025 rund 226,7 Millionen Euro – und lag damit etwa 8 Prozent unter dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert. Zwar verlor Tansania damit seine Spitzenposition aus 2024 wieder an Kenia, doch ist dies in erster Linie auf die dynamische Ausweitung des deutschen Kenia‑Geschäfts zurückzuführen.

Die Präsenz deutscher Unternehmen in Tansania bleibt ausbaufähig. Investitionen finden sich vor allem in der Baustoffproduktion, in der Landwirtschaft und im Tourismussektor. Ergänzt wird dies durch deutsche Anbieter in Handel und Logistik. Viele Unternehmen steuern den Markt allerdings weiterhin vom regionalen Wirtschaftszentrum Nairobi oder direkt aus Deutschland. Dennoch bietet Tansania mit seinen laufenden Infrastrukturvorhaben sowie Aktivitäten in Landwirtschaft, Bergbau, Tourismus, Bauwirtschaft und Konsumgüterindustrie eine breite Palette an potenziellen Liefer- und Markteintrittschancen.

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