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Branchen | Tschechische Republik | Elektromobilität

Tschechiens Markt für Elektroautos gewinnt an Fahrt

Der Absatz von Batteriefahrzeugen wächst in Tschechien weiterhin dynamisch. Die Ladeinfrastruktur wird mit EU-Fördermitteln zügig ausgebaut. Dafür wird neue Technologie gebraucht.

Von Gerit Schulze | Prag

Der tschechische Markt für Elektroautos wächst kräftig. Dazu hat vor allem die Modelloffensive des einheimischen Herstellers Škoda Auto beigetragen. Die Volkswagen-Tochter brachte 2025 das kompakte SUV-Modell Elroq auf den Markt, das aus dem Stand zum beliebtesten Elektroauto im Land avancierte.

Zulassung von neuen Elektrofahrzeugen in TschechienStückzahlen, Anteil und Veränderungen in Prozent *)

Kategorie

2023

2024

2025

Veränderung 2025 / 2024

Pkw

6.64010.933

13.806

26,3

  Anteil an den Gesamtzulassungen

3,04,7

5,6

-

leichte Nutzfahrzeuge

353622

1.342

115,8

  Anteil an den Gesamtzulassungen1,62,9

6,6

-

Lkw1027

136

403,7

  Anteil an den Gesamtzulassungen0,10,3

1,5

-

Busse659

41

-30,5

  Anteil an den Gesamtzulassungen0,64,4

5,0

-

* reine Elektrofahrzeuge, ohne Hybridmodelle.Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2026

Insgesamt stiegen die Neuzulassungen von Batteriefahrzeugen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent. Das Land verzeichnet damit ein zweites starkes Jahr in Folge.

Für die EU insgesamt ermittelte der europäische Herstellerverband ACEA bis November ein Plus von 44 Prozent. Tschechien hat beim Absatz von batteriebetriebenen Pkw also weiter Nachholbedarf. Die 2025 verkauften 13.800 Elektroautos bedeuteten einen Anteil von lediglich 5,6 Prozent am Neuwagengeschäft (EU-Durchschnitt: rund 17 Prozent). Damit gehört Europas drittgrößter Produktionsstandort für Pkw beim Absatz von Elektroautos weiter zu den Schlusslichtern auf dem Kontinent.

 

Škoda übernimmt die Pole-Position

Dank der beiden SUV-Batteriemodelle Enyaq und Elroq hat Škoda Auto 2025 die Führungsposition beim Verkauf von Elektroautos in Tschechien übernommen. Mit rund 5.300 neu zugelassenen Fahrzeugen hängte die VW-Tochter den Wettbewerber Tesla mit großem Abstand ab. Der US-Hersteller konnte 2025 nur noch halb so viele Autos verkaufen wie im Jahr zuvor und kam auf 1.943 Neuzulassungen. Dahinter folgten Volkswagen (801), Hyundai (672) und Ford (618). Mercedes-Benz und BMW belegten die Plätze 6 und 7.

Marktwachstum ohne Staatshilfen

Der Kauf von Elektroautos für Privathaushalte wird vom Staat weiterhin nicht unterstützt. Ein Anreiz bleibt lediglich die gebührenfreie Nutzung der Autobahnen.

In Tschechien entfallen allerdings drei Viertel des Neuwagenmarktes auf Firmenfahrzeuge. Hier greifen Förderprogramme, die mit EU-Mitteln finanziert werden. Noch bis Ende Januar 2026 läuft der Aufruf 11/2025 für nachhaltigen städtischen Verkehr und Mobilität. Die 12,3 Millionen Euro Projektmittel sind bereits ausgeschöpft. Für den Kauf von leichten Nutzfahrzeugen (N1) gab es Zuschüsse von umgerechnet rund 18.500 Euro, für Elektrobusse (M2 und M3) von bis zu 33.000 Euro und für schwere Lastwagen (N3) knapp 50.000 Euro.

Aus dem Integrierten Regionalen Operationellen Programm (IROP) können Gemeinden, Regionalverwaltungen und öffentliche Verkehrsbetriebe Fördermittel für emissionsarme Fahrzeuge beantragen (Aufruf Nr. 39). Das betrifft Elektro-, Wasserstoff- und Oberleitungsbusse sowie Straßenbahnen und Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen wie Biomethan. Bis Ende 2027 stehen dafür 130 Millionen Euro bereit.

Fördermittel für Ladesäulen

Weitere Förderprogramme betreffen den Aufbau von öffentlichen Ladeparks und Wasserstofftankstellen. Sie werden ebenfalls aus EU-Fonds finanziert. 

Ausbau der Ladeinfrastruktur mit EU-MittelnAktuelle Aufrufe zur Einreichung von Projektanträgen
Bezeichnung (Programm)Was wird gefördert?

Antragsfrist

Fördervolumen in Mio. Euro

Aufruf Nr. 36 (OP Verkehr)Ladestationen und Batteriespeicher in Ladeparks für Lkw

26.01.2026

35

Aufruf Nr. 37 (OP Verkehr)Ladeparks mit Batteriespeicher für Pkw (Batteriespeicher notwendig), mindestens eine Ultraschnellladestation mit 300kW Leistung

31.03.2026

14

Aufruf Nr. 40 (OP Verkehr)Herkömmliche Ladestationen in Städten und Gemeinden bis 22 kW Leistung. Je Projekt müssen mindestens 20 AC/DC-Ladepunkte geschaffen werden.

27.01.2026

13

Aufruf Nr. 41 (OP Verkehr)Schnellladestationen für Pkw mit einer Mindestleistung von 150 kW im gesamten Gebiet der Tschechischen Republik. Je Projekt mindestens 10 DC-Ultraschnellladepunkte mit mindestens 150 kW

27.01.2026

13

Aufruf Nr. 42 (OP Verkehr)Schnellladestationen für Pkw in Prioritätsgebieten der Transportkorridore TEN‑T sowie in bisher weniger abgedeckten Regionen. Je Projekt mindestens 6 DC-Schnellladepunkte mit mindestens 50 kW

31.03.2026

7

Aufruf Nr. 106 (IROP)Wasserstofftankstellen und Ladestationen für den öffentlichen Nahverkehr in strukturschwachen Regionen

30.01.2026

22

Aufruf Nr. 107 (IROP)Wasserstofftankstellen und Ladestationen für den öffentlichen Nahverkehr in Strukturwandelregionen

30.01.2026

14

Aufruf Nr. 108Wasserstofftankstellen und Ladestationen für den öffentlichen Nahverkehr in Metropolregionen und Ballungszentren

31.12.2027

17

OP = Operationelles Programm, IROP = Integriertes Regionales Operationelles Programm. Die Förderhöhe beträgt bis zu 80 Prozent der Investitionskosten.Quelle: Dotaceeu.cz 2026, Operační program Doprava (https://opd3.opd.cz) 2026, Integrovaný regionální operační program (https://irop.gov.cz) 2026

Private Hauseigentümer können im Rahmen des Förderprogramms "Nová zelená úsporám" Zuschüsse für Ladesäulen beantragen. Dabei gibt es umgerechnet rund 1.000 Euro je Ladepunkt, allerdings nur in Kombination mit der Isolierung des Gebäudes, Solaranlagen oder der Installation alternativer Wärmequellen.

Ladenetz vergrößert sich rasant

Die großzügigen Förderprogramme führen dazu, dass sich die Ladeinfrastruktur dynamisch entwickelt. Ende November 2025 gab es rund 3.300 öffentliche Ladestationen mit fast 6.000 Ladepunkten. Die Nutzung ist allerdings gering, sodass die Betreiber selten Gewinne schreiben. Ein E.on-Vertreter nannte bei einer Konferenz in Prag eine Auslastung von 2 Prozent, während 15 bis 20 Prozent für einen wirtschaftlichen Betrieb nötig seien.

Da die meisten Elektroautos Firmenwagen sind, können diese oft im Unternehmen geladen werden. Die Branche hofft, dass sich der Markt für gebrauchte Elektroautos entwickelt, damit mehr Privatnutzer die Antriebstechnologie nutzen.

Zu den Marktführern bei öffentlichen Ladestationen gehören die Stromversorger ČEZ, PRE und E.on. Doch auch die Tankstellenketten wollen sich einen Teil des Geschäfts sichern. Der polnische Orlen-Konzern etwa will an jeder seiner über 440 Tankstellen in Tschechien vier bis acht Ladepunkte installieren. Das Unternehmen setzt dabei auf Schnelllader mit 300 kW Leistung, sagte der Leiter des Tankstellennetzes, Rostislav Moravec, beim Forum Elektromobilita in Prag. Die Veranstaltung gilt als ein führender Branchentreff im Land und wird von LEEF Technologies und der Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny organisiert.

Mit dem französischen Start-up Electra dringt 2026 ein neuer Wettbewerber auf den Markt. Das Unternehmen setzt auf ultraschnelles Laden und will bis 2030 etwa 80 Standorte in Tschechien eröffnen, berichtete die Tageszeitung E15.

E.on gehört zu den Vorreitern bei der Infrastruktur für Elektro-Lkw. In Mořice im Osten Tschechiens betreibt der Stromkonzern einen ersten Ladepark. Weitere sollen entlang der wichtigen Verkehrstrassen folgen. E.on bedient damit einen steigenden Bedarf: Im Jahr 2025 wurden in Tschechien 136 neue Elektro-Lkw zugelassen und damit viermal so viele wie im Vorjahr. Außerdem baut das Unternehmen Ladestationen für Elektrobusse auf. Pilotprojekte gibt es in Tábor und Mladá Vožice, berichteten E.on-Manager beim Forum Elektromobilita.

Inlandsproduktion von Elektroautos startet durch

Auch als Produktionsstandort für Elektroautos gewinnt Tschechien an Bedeutung. Zwischen Januar und November 2025 verdoppelte sich die Fertigung von reinen Elektroautos nahezu gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt rollten fast 208.000 Autos mit Batterieantrieb vom Band - ein Zuwachs um 93 Prozent. Diese Antriebskategorie hatte damit einen Anteil von 15 Prozent an der Gesamtproduktion. Weitere 4 Prozent (57.000 Pkw) entfielen auf Plug-in-Hybride.

Die meisten Elektrofahrzeuge (175.000 Stück) produzierte von Januar bis November 2025 Škoda Auto. Hyundai meldete für das Werk Nošovice knapp 33.000 Elektroautos. Toyota produziert bislang keine Elektroautos am Standort Kolín. Allerdings kündigte der japanische Konzern an, dort seine erste europäische Fabrik für Batteriefahrzeuge zu errichten und dafür rund 700 Millionen Euro zu investieren. Škoda wird 2026 zwei neue E-Auto-Modelle auf den Markt bringen: den Kleinwagen Epiq, der allerdings in Spanien produziert wird, und einen elektrischen Familien-Van (Vision 7S).

Der japanische Autozulieferer Aisin Europe Manufacturing hat ein neues Werk im südböhmischen Písek für 190 Millionen Euro angekündigt. Dort sollen Komponenten für Elektromotoren von BMW produziert werden.

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