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Offshore-Wind: Wachstum in den USA trotz Sturmböen

Washington zieht alle Register, um die Offshore-Windenergie zu stoppen. Doch deren Ausbau lässt sich allenfalls kurz abbremsen. Außerdem benötigt die KI dringend den Strom.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die USA haben unter Donald Trump eine grundlegende Wende in der Energiepolitik vollzogen. Die Regierung unterstützt vor allem den Öl- und Gassektor und steht erneuerbaren Energien kritisch bis ablehnend gegenüber. Der US-Präsident hat aus seiner persönlichen Abneigung insbesondere gegenüber seegestützten Windrädern keinen Hehl gemacht.

Doch selbst die Trump-Administration spricht Offshore nicht grundsätzlich das Zukunftspotenzial ab. Laut einer im April 2026 veröffentlichten Einschätzung der Energy Information Agency, einer Behörde des US-Energieministeriums, gilt sie als eine der am schnellsten wachsenden Sparten der Stromwirtschaft.

Kapazitäten wachsen bis 2050 um 15 Prozent pro Jahr

Die installierten Erzeugungskapazitäten sollen zwischen 2025 und 2050 durchschnittlich um gut 15 Prozent pro Jahr zulegen. Gemessen an der Stromerzeugung ergibt sich sogar ein Plus von 20 Prozent. Dabei handelt es sich um eine Basisannahme. Doch auch in elf alternativen Szenarien kommt die Behörde auf identische Werte. Damit gilt die Projektion als relativ robust.

Aktuell spürt die Branche jedoch starken Gegenwind. Die unter Trumps Vorgänger Joe Biden im Rahmen des Inflation Reduction Act erlassenen Steuervergünstigungen für Windenergie (sowie Solar) wurden 2025 im Rahmen des One Big Beautiful Bill Act vorzeitig beendet. Allerdings gelten vergleichsweise großzügige Karenzzeiten für Projekte, die sich bereits im Bau befinden.

Zugleich behindern Behörden den Bau und die Inbetriebnahme von Windkraftanlagen, etwa durch verzögerte Genehmigungsverfahren. Dabei sind ihnen jedoch Grenzen gesetzt. Die USA sind föderal organisiert, so dass Washington, D.C. nur begrenzt in die Befugnisse der einzelnen Bundesstaaten eingreifen kann. Insbesondere bei Windkraftanlagen auf privatem Land bestehen für die Bundesregierung nur eingeschränkte Eingriffsmöglichkeiten.

Keine neuen Genehmigungsverfahren unter Trump

Bei Offshore-Windkraft stellt sich die Lage anders dar. Hier ist die Zustimmung der Bundesbehörden erforderlich, da die Hochsee öffentliches Gebiet ist. Die Verpachtung von Flächen und die Genehmigungsverfahren wurden Anfang 2025 ausgesetzt. Zugleich untersagte die Regierung den Weiterbau beziehungsweise die Inbetriebnahme bereits genehmigter und nahezu fertiggestellter Windparks. Mehrere Betreiber klagten dagegen erfolgreich.

So verhängte die Trump-Administration im August 2025 für das Projekt "Revolution Wind" einen Baustopp. Der Windpark vor der Küste des Bundesstaats Rhode Islands mit einer Kapazität von 700 Megawatt war zu diesem Zeitpunkt zu 80 Prozent fertiggestellt, wie der am Projekt beteiligte Konzern Oersted berichtet. Im September 2025 hob ein Gericht den Baustopp auf.

Regierung zahlt, damit Offshore-Parks nicht in Betrieb gehen

Doch Trumps persönliche Ablehnung prägt weiterhin die Politik. Er lässt seine Administration alle Register ziehen, um zusätzliche seegestützte Windräder zu verhindern. Die Regierung zahlt hohe Entschädigungssummen an Energieunternehmen, damit sie auf die Inbetriebnahme verzichten.

So zahlt der Fiskus etwa 928 Millionen US-Dollar (US$) an Total Energies, damit der französische Konzern zwei Offshore-Projekte in New York und North Carolina aufgibt. Im Gegenzug investiert das Unternehmen denselben Betrag in Öl- und Gasvorhaben, wie das US-Innenministerium im März 2026 mitteilte. Im April 2026 folgte ein weiterer Deal: Blue Point Wind und Golden State Wind erhalten für ein Gemeinschaftsprojekt 885 Millionen US$, um auf ihre bereits genehmigten Landverpachtungen zu verzichten.

Noch ruhen Neubaupläne – das könnte sich Ende 2026 ändern

Nicht alle Anlagenbetreiber nehmen solche Angebote an. Daher werden im Verlauf der Jahre 2026 und 2027 neue Kapazitäten mit der Stromeinspeisung beginnen. Allerdings ist die Pipeline an neuen Vorhaben weitgehend leer. Entsprechende Pläne gebe es zwar, berichten Brancheninsider im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Sie blieben jedoch in den Schubladen, bis sich die Rahmenbedingungen änderten. Bereits Ende 2026 könnte es dazu kommen.

Im November 2026 finden die Midterm-Wahlen für den Kongress und Teile des Senats statt. Trumps Republikaner verfügen in beiden Kammern derzeit nur über jeweils knappe Mehrheiten. Insbesondere im Kongress droht eine Niederlage. Die Wähler leiden unter hohen Spritpreisen und Lebenshaltungskosten. Trumps Zustimmungswerte erreichten im Mai 2026 ein historisches Tief. Damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit eines Politikwechsels Anfang 2029 im Weißen Haus.

Offshore-Windkraft soll Datencenter mit Strom versorgen

Somit dürften die Energieunternehmen in Sachen Offshore bald wieder aktiv werden. Niemand möchte zurückstehen, wenn das Neugeschäft erneut anspringt. Und die Zeit drängt, denn der Stromverbrauch der USA wächst infolge massiver Investitionen in Datencenter deutlich. Nach Einschätzung der Energy Information Agency soll er in den kommenden Jahren je nach Szenario um 40 bis 50 Prozent steigen.

Offshore-Windkraft bietet sich dabei als Lösung an. Im Unterschied zu landgestützten Systemen und zur Solarenergie gewährleistet sie eine hohe Grundlast. Zudem eignet sie sich für die Stromversorgung von Datencentern. Entsprechend entstehen derzeit besonders viele Windparks vor der Küste Virginias. Der Bundesstaat beheimatet eine hohe Zahl an Rechenzentren.

Geschäftschancen für ausländische Firmen

Auch ausländische Unternehmen können davon profitieren. US-Anbieter sind bei landgestützten Systemen führend. Im Offshore-Bereich bestehen jedoch Wettbewerbsnachteile, da es an lokaler Expertise und Fachkräften fehlt. Die USA müssen zunächst Erfahrungen beim Bau und Betrieb großer seegestützter Windparks sammeln. Der Nachholbedarf ist entsprechend hoch.